Sie marschieren in den Krieg

Sie marschieren in den Krieg,
sie reden es uns ein:
Ein Krieg muss jetzt mal sein!
Gen Osten! Bis zum Sieg! 

Verhandeln? Ist nicht mehr!
Ein Schuft und Bösewicht
wer mit dem Russen spricht!
Jetzt muss ein Feldzug her!

Wer jetzt noch dämlich fragt,
warum man Kriege führt.
dem wird vorbuchstabiert:
„Wir haben es euch doch gesagt!“

„Wir haben euch schon immer
gesagt: der Russe stört!
Habt ihr nicht zugehört?!
Und Putin stört noch schlimmer!“

„Er hat sich frech uns widersetzt!
Wollt‘ unsre Ukraine klauen
und unsre Nazis dort verhauen.
Und dafür zahlt er jetzt!“

„Wir machen ihm die Rechnung teuer,
denn die Ukraine wehrt sich
so wie Deutschland Einundvierzig!
Nimm das, Putin, du Ungeheuer!“

„Krieg in drei Jahren, das scheint klar – 
(der Russe wartet sicher ab;
so lange schaufeln wir sein Grab)
dann schreit ihr wieder schön: HURRA!“

„Und wer nicht mitschreit, liebe Deutsche,
der macht sich strafbar, merkt euch das.
Denn so ein Krieg, das ist kein Spaß!
Abweichler spür‘n die Peitsche!“

„Raketen, Drohnen, Truppen: marsch!
Aus ukrainisch-deutscher Hand
Deep Strikes ins Russenland!
Der Iwan ist im Arsch!“

„Dabei – dass ihr uns recht versteht –
gibt‘s nichts für euch zu erben;
ihr dürft jedoch für Deutschland sterben.
Das ist nun mal, wie Krieg so geht.“

Sie marschieren in den Krieg,
und alle machen mit,
im gleichen strammen deutschen Schritt:
Nach Osten! Für den Sieg! 

Zuspruch vom Kanzler

Ich stehe hier vor meiner Truppe
wie eine grüne Anziehpuppe:
Die Jacke – seid mal ehrlich –
die macht mich echt gefährlich! 

Von Wehr und Krieg bring ich euch Kunde 
und gucke grimmig in die Runde.
Ich muss euch heute leider sagen:
Der Iwan will uns an den Kragen!

Warum? Das ist doch wohl egal!
So ist der Russe nun einmal!
Und so wie damals will er jetzen
unser Abendland besetzen!

Damit wir nicht erneut verlieren
müsst nach Osten ihr marschieren!
Ihr, und Raketen, Bomben, Drohnen –
der Heldentod wird euch belohnen.
Das Vaterland wird‘s euch gedenken
und ein paar Ehrenmale schenken!

Ich gucke ernst, ich guck’ entschlossen:
Ab übermorgen wird geschossen!
Diese Jacke soll euch sagen:
Es nützt nichts, sich noch zu beklagen!
Jetzt heißt es: Kampf und Tod und Leichen!
Bei euch, klar – nicht bei meinesgleichen!

Wir lassen aber eure Seelen
sich nicht im Fegefeuer quälen:
Die Kirchen werden für euch beten – 
Kanonenfutter, weggetreten!

Philosophisch-medizinische Betrachtung II: Krankheit und Ehe

Ringsherum ist jetzt der Lenz da, 
in mir drin die Influenza.
Alles tut mir weh,
vom Kopf bis in den Zeh.

Ganz oben, wo der Denkbereich,
erscheint es mir besonders weich:
dort wabert dumpfer grauer Nöbel –  
Großer Gott, was ist mir öbel!

Das Delirium wird schlimmer.
Plötzlich steht die Frau im Zimmer:
„Ich sag es dir nicht erst seit heute:
Du bist für Viren leichte Beute,

Weil du nichts isst und kaum was wiegst – 
Kein Wunder, dass du jetzt hier liegst!
Jetzt hör gefälligst auf zu flennen,
Männergrippe ist für Memmen!
Nimm mal zwei Ibuprofen,
der Hund muss gleich nach draußen gehen!“

Kann ich meinen Ohren trauen?
Aber ja, so sind die Frauen:
Mit dem Gatten geht‘s zuende – 
sie freut sich auf die Witwenrente.

Der arrogante Denker

Müde bin ich, geh zur Ruh‘:
Keine Sau hört mir mehr zu!
Alle – und das gilt für jeden –
hör‘n sich lieber selber reden.

Eitler Dünkel, heiße Luft,
von der Wiege bis zur Gruft;
Angelesene Gedanken,
die an Inhaltsleere kranken,

Gratistugend, Knechtsmoral:
Denken ist den meisten Qual,
weil in ihren hohlen Rüben
nur ein Restverstand geblieben.

Folglich hab ich festgestellt: 
Ich bin zu schlau für diese Welt.
Es gibt mitnichten meinesgleichen,
man kann mir nicht das Wasser reichen.

Um klugen Dialog zu führen
muss mit mir selbst ich diskutieren.
Und das ist schwer, weil, wenn ich spreche,
ich gern mich selber unterbreche.

Wenn jemand frech ins Wort mir fällt,
kann‘s schnell passieren, dass es schellt.
Bei dreistem Vorwitz lang ich hin!
Auch wenn ich selbst der Frechdachs bin.

So will das Leben mir wohl zeigen,
dass es besser ist zu schweigen,
wenn man sich für klüger hält
als den dummen Rest der Welt.

Müde bin ich, geh zur Ruh,
mache meinen Mund jetzt zu,
obwohl mein denkender Verstand….
Ok, schon gut, ich halt den Rand.

Neue Augen

Meine alten Augen sind erblindet.
Mit den neuen seh‘ ich anders –
Alles ist viel weiter weg,
doch deutlicher, viel klarer anzuschauen:

Deutlich in dem nichtigen Bemühen,
Bilder auf des Wassers Haut zu malen.

Deutlich in dem Hamsterstrampelrad,
angetrieben von der Freuden und der Schmerzen Kraft.

Deutlich vor allem in dem stummen Zwang,
von Sachverhalten, die – so will‘s uns scheinen – nicht von uns gemacht:

Essen, trinken, Kinder zeugen,
Obdach finden, Geld verdienen,
es behalten, es vermehren,
unsren Wünschen nachzujagen;

Jemand sein, sich auszutauschen,
irgendwie zurechtzukommen 
in der Welt die uns umgibt,
die wir niemals hinterfragen.

Die Müdigkeit, die ich verspüre, ist
erfreuliches Kontrastprogramm
zum immer wieder neuen Anlauf 
der Jugend, sich beherzt ins Leben selbst zu stürzen,

Ihr eigenes Gedicht zu schreiben, 
sich selber einen Reim zu machen,
die forsche Weise mutig anzustimmen
mit der die Welt erleuchtet und erobert werden soll.

Dagegen meine Welt: sie zieht sich immer weiter
in unbekannte Dunkelheit zurück –
die dunkel zwar, jedoch aus irgendeinem Grunde
so seltsam klar und deutlich alles macht.

Dies zu beklagen wäre törichtes Benehmen!
Dem Alter ziemt des Gleichmuts freundlich-stille Sicht.
Nur dafür sind gemacht die neuen Augen,
mit denen nun dies Leben anzuschauen ist:
die Augen, die die Wirklichkeit erst ungetrübt erfassen,
wenn sich zum letzten Mal der alten Augen Lider schließen.

Ansprache des Bundespinocchios

Deutsche! Seid beruhigt und froh!
Es führt euch an: Pinocchio!
Und wenn er zu euch spricht,
dann gerne im Gedicht:

„Ich zieh die Uniform mir an!
Dann bin ich endlich mal ein Mann! 
Kein schmalschultriger Witz,
kein Blackrock-Zahlenfritz!

Ich mach auf Krieg und Militär –
Das freut die Kapitale sehr,
die daran gut verdienen.
Da strahlen ihre Mienen!

So steh ich da und rede Blech:
Dass Deutschland stark, der Russe frech
und wir ihn bald besiegen.
Nicht wie in and’ren Kriegen
wo uns das Russenpack
besiegte – darum meine Jack‘!
Sie soll euch klar und deutlich zeigen
dass wir DIESMAL nicht vergeigen!“

Deutsche! Weggetreten! So!
Es sprach zu euch Pinocchio!