
Aus gegebenem Anlaß möchte ich daran erinnern, auf welche Geisteshaltung wir bei den Führungsfiguren der gegenwärtigen Berliner Regierung treffen.
Wer mir erzählen will, dass die Wortwahl zufällig ist, dass die „Kriegstüchtigkeit“ sich nur zufällig gegen denselben Feind wie damals richtet und dass diesmal aber ganz sicher nur „westliche liberale Demokratie und Freiheit gegen russische Autokratie“ statt die „abendländische Kultur und Zivilisation gegen die jüdisch-bolschewistische Gefahr“ verteidigt werden – dem hätte ich eine Brücke zu verkaufen.
Am kommenden Dienstag habe ich vor dem hiesigen Amtsgericht zur Hauptverhandlung zu erscheinen, weil ich auf der russischen Plattform vK ein Meme eines italienischen Genossen geteilt habe. Darauf ist der Bundeskanzler und sein Vorgänger aus den 1930-40er Jahren zu sehen; im Begleittext steht „Germany rebranded, their elites hijacked Germany’s future. Same as WW2, building an army to expand eastward for its „Lebensraum“, aiming at 75 trillion dollars of Russian natural resources. Nazi yesterday, Nazi today.“
Dadurch fühlte sich der jetzige Bundeskanzler – nachdem ihn erst eine Polizeikommissarin darauf aufmerksam machte; diese wiederum hatte die Aufgabe, die flächendeckende Gesinnungsüberwachung der Sozialen Medien per KI auszuwerten – so verleumdet, dass er mir zur Strafe 1.500 Euro Bußgeld aufbrummen möchte. Derselbe Bundeskanzler, der in Russland in Himmler‘scher Diktion „Barbarei“ ausmacht und dessen Kriegsminister in Gobbel‘scher Wortwahl von „Kriegstüchtigkeit“ redet.

Derselbe Bundeskanzler auch, der 2004 in einer Rede bei der Nominierungsversammlung für den CDU-Bürgermeisterkandidaten in Brilon zur Abwahl des amtierenden SPD-Bürgermeisters aufrief und sagte, es erfülle ihn „mit tiefem Grausen“, dass ein Sozialdemokrat im Rathaus sitze — „das muss beendet werden“.
Merz verwies auf seinen eigenen Großvater Josef Paul Sauvigny, der zwanzig Jahre lang (1917 bis 1937) Bürgermeister von Brilon gewesen war, und würdigte anerkennend dessen lange Amtszeit. Später nannte er ihn eine „beeindruckende Persönlichkeit“ und „erfolgreichen Bürgermeister“.
Josef Paul Sauvigny war SA-Mitglied und NSDAP-Mitglied. Die Sauerländer Zeitung schrieb am 2. Juli 1937 anlässlich Sauvignys Amtsende: „Sein Amt verwaltete er stets im nationalsozialistischen Geiste.“ Sauvignys selbst sprach nach der Machtübertragung an die Faschisten „von einer Kraft, die uns leitet“, beschwor „den Willen, der uns eint“ und bezeichnete Hitler als „Führer, der uns ruft, vergessend des Parteienhasses von gestern“. Am 1. Mai 1933 hielt er zudem eine Rede auf Hitler; während seiner Amtszeit wurden in Brilon zwei Straßen nach Hitler und Göring benannt.
Ich bin fast gleichaltrig mit Merz. Eine meiner nachhaltigsten Prägungen in der Kindheit und Jugend war die antifaschistische Einstellung meiner Großeltern und die Erzählungen meines Großvaters über den Hamburger Widerstand, seine Gestapo-Haft und seine anschließende Verurteilung zum Kriegsdienst im „Strafbataillon 999“, in dem Antifaschisten sich zu „bewähren“ hatten (er desertierte in Nordafrika, begab sich in britische Kriegsgefangenschaft und führte die antifaschistische Arbeit unter den deutschen Kriegsgefangenen fort. Die übrigens nichts davon wissen wollten – sie hätten lieber geendsiegt).
Wiederum: wer mir erzählen will, dass die familiären Umstände und überlieferten Einstellungen keine Auswirkungen auf Haltungen und Einstellungen der nachfolgenden Generationen haben, dem hätte ich eine weitere wunderschöne Brücke zu verkaufen.

















