Draußen wird es immer kälter
und der Hund wird immer älter.


Da muss für den arthritischen Kumpel schon mal ein Mäntelchen von „Cloud7“ drin sein, dem führenden Premium-Hundemodeausstatter für den gehobenen Vierbeinergeschmack.
Draußen wird es immer kälter
und der Hund wird immer älter.


Da muss für den arthritischen Kumpel schon mal ein Mäntelchen von „Cloud7“ drin sein, dem führenden Premium-Hundemodeausstatter für den gehobenen Vierbeinergeschmack.
Ich fühle mich eingesperrt, gefangen gehalten, verurteilt zu „Lebenslänglich“ in dieser Zeit der Blödheit und der kollektiven Idiotie.
Ich fühle mich belästigt und verfolgt durch das kontrafaktische Beharren meiner Zeitgenossen auf ihrer Schädigung durch Verhältnisse, die sie vorfinden und an denen sie nichts ändern können und wollen. Verhältnisse, in denen sich so untertanenmäßig eingerichtet haben, dass sie sie sogar noch verteidigen und lobpreisen.
Ich will hier raus.

Eine Tiefsee-Videospielerei, die sich während der Arbeit daran wandelte in einer animierte Illustration des Zwischenzustandes unmittelbar nachdem Geist und Körper sich getrennt habe, gemeinhin „Sterben“ genannt.
„As soon as your respiration ceases, the luminosity known as the ‘inner radiance of the first intermediate state’ will arise.
Immediately your respiration ceases, all phenomena will become empty and utterly naked like space. At the same time, a naked awareness will arise, not extraneous to yourself, but radiant, empty and without horizon or center.“

Guten Morgen.
Ich frage mich, ob mein Mitteilungsbedürfnis in sozialen Medien eigentlich eine kluge Sache ist. Es bringt mir die vollständige Ausleuchtung als Konsument und die Belästigung mit Werbung sowie gelegentliche schmerzhafte Ohrfeigen der Staatsanwaltschaft.
Ändern tut es nichts, es scheint vorrangig einer Art mentaler oder intellektueller Triebabfuhr zu dienen, da ich in einer erschreckend bourgeoisen Umgebung ohne realen Austausch mit Genossen und Freunden lebe. Eine wunderbare Frau und der beste Hundekumpel der Welt ersetzen scheinbar nicht das Bedürfnis nach Austausch, Diskussion und Erforschung der sozialen Strukturen, in denen man sich befindet. Jedenfalls nicht bei mir.
Auf der Habenseite: nur durch Soziale Medien, vorrangig Facebook, kenne ich viele sympathische und vernünftige Menschen, deren (wenn auch virtuelle) Gesellschaft ich vermissen würde. Die Anregungen und Hinweise aus Diskussionen hier werden zwar immer wieder durch die medienspezifische Möglichkeit zum ungefiltert und unkontrolliert hingerotzten Unfug gestört, aber unterm Strich bleiben sie eine Bereicherung meines geistigen Horizonts.
In einem internetlosen Zeitalter- was ich ja noch jahrzehntelang erlebt habe – wäre ich jetzt ein alter Knacker, der im Seniorencafé oder womöglich auf Ortsgruppentreffen der Partei sein Bedürfnis nach sozialem Kontakt und Debatte ausleben müsste.
Was weiß ich schon. Erstmal einen Kaffee.
Ich so, wenn mir am Rheinufer mal wieder der Hund entlaufen ist:

Aus gegebenem Anlaß möchte ich daran erinnern, auf welche Geisteshaltung wir bei den Führungsfiguren der gegenwärtigen Berliner Regierung treffen.
Wer mir erzählen will, dass die Wortwahl zufällig ist, dass die „Kriegstüchtigkeit“ sich nur zufällig gegen denselben Feind wie damals richtet und dass diesmal aber ganz sicher nur „westliche liberale Demokratie und Freiheit gegen russische Autokratie“ statt die „abendländische Kultur und Zivilisation gegen die jüdisch-bolschewistische Gefahr“ verteidigt werden – dem hätte ich eine Brücke zu verkaufen.
Am kommenden Dienstag habe ich vor dem hiesigen Amtsgericht zur Hauptverhandlung zu erscheinen, weil ich auf der russischen Plattform vK ein Meme eines italienischen Genossen geteilt habe. Darauf ist der Bundeskanzler und sein Vorgänger aus den 1930-40er Jahren zu sehen; im Begleittext steht „Germany rebranded, their elites hijacked Germany’s future. Same as WW2, building an army to expand eastward for its „Lebensraum“, aiming at 75 trillion dollars of Russian natural resources. Nazi yesterday, Nazi today.“
Dadurch fühlte sich der jetzige Bundeskanzler – nachdem ihn erst eine Polizeikommissarin darauf aufmerksam machte; diese wiederum hatte die Aufgabe, die flächendeckende Gesinnungsüberwachung der Sozialen Medien per KI auszuwerten – so verleumdet, dass er mir zur Strafe 1.500 Euro Bußgeld aufbrummen möchte. Derselbe Bundeskanzler, der in Russland in Himmler‘scher Diktion „Barbarei“ ausmacht und dessen Kriegsminister in Gobbel‘scher Wortwahl von „Kriegstüchtigkeit“ redet.

Derselbe Bundeskanzler auch, der 2004 in einer Rede bei der Nominierungsversammlung für den CDU-Bürgermeisterkandidaten in Brilon zur Abwahl des amtierenden SPD-Bürgermeisters aufrief und sagte, es erfülle ihn „mit tiefem Grausen“, dass ein Sozialdemokrat im Rathaus sitze — „das muss beendet werden“.
Merz verwies auf seinen eigenen Großvater Josef Paul Sauvigny, der zwanzig Jahre lang (1917 bis 1937) Bürgermeister von Brilon gewesen war, und würdigte anerkennend dessen lange Amtszeit. Später nannte er ihn eine „beeindruckende Persönlichkeit“ und „erfolgreichen Bürgermeister“.
Josef Paul Sauvigny war SA-Mitglied und NSDAP-Mitglied. Die Sauerländer Zeitung schrieb am 2. Juli 1937 anlässlich Sauvignys Amtsende: „Sein Amt verwaltete er stets im nationalsozialistischen Geiste.“ Sauvignys selbst sprach nach der Machtübertragung an die Faschisten „von einer Kraft, die uns leitet“, beschwor „den Willen, der uns eint“ und bezeichnete Hitler als „Führer, der uns ruft, vergessend des Parteienhasses von gestern“. Am 1. Mai 1933 hielt er zudem eine Rede auf Hitler; während seiner Amtszeit wurden in Brilon zwei Straßen nach Hitler und Göring benannt.
Ich bin fast gleichaltrig mit Merz. Eine meiner nachhaltigsten Prägungen in der Kindheit und Jugend war die antifaschistische Einstellung meiner Großeltern und die Erzählungen meines Großvaters über den Hamburger Widerstand, seine Gestapo-Haft und seine anschließende Verurteilung zum Kriegsdienst im „Strafbataillon 999“, in dem Antifaschisten sich zu „bewähren“ hatten (er desertierte in Nordafrika, begab sich in britische Kriegsgefangenschaft und führte die antifaschistische Arbeit unter den deutschen Kriegsgefangenen fort. Die übrigens nichts davon wissen wollten – sie hätten lieber geendsiegt).
Wiederum: wer mir erzählen will, dass die familiären Umstände und überlieferten Einstellungen keine Auswirkungen auf Haltungen und Einstellungen der nachfolgenden Generationen haben, dem hätte ich eine weitere wunderschöne Brücke zu verkaufen.



Das 120 Jahre alte Vierparteienhaus, in dem wir zur Miete wohnen, hat im vergangenen Jahr den Besitzer gewechselt. Die neuen Eigentümer: eine regionale adlige Sippe mit umfangreichem Immobilienbesitz sowie vermutlich diversifizierten sonstigen „Kapitalanlagen“, die ihr ein leistungsloses Einkommen von beträchtlichem Umfang ermöglichen. Unser Wohnhaus wurde erworben, um das Portefeuille abzurunden, den Bestand an Mietshäusern zu arrondieren und damit eine weitere Einkunftsquelle zu erschließen.
Eine Hausverwaltungsfirma wickelt die Kommunikation mit den Mietern ab und schickt uns ein Schreiben, in dem eine Erhöhung der Nebenkosten um ca 85 Euro monatlich für die Treppenhausreinigung angekündigt wird:
„Da es in der Vergangenheit wiederholt zu Unstimmigkeiten unter den Hausbewohnern hinsichtlich der Treppenhausreinigung gekommen ist, haben sich die Eigentümer dazu entschieden, die Reinigung künftig durch eine Reinigungsfirma durchführen zu lassen.“
Keinem von uns Mietern sind irgendwelche „Unstimmigkeiten“ bekannt, jeder hat bisher regelmäßig seinen Bereich des Treppenhauses gereinigt und alle waren‘s zufrieden. Die offensichtlich an den Haaren herbeigezogene Begründung für diese Nebenkostenerhöhung ist letztlich aber egal, da Vermieter dank der staatlichen Protektion ihrer Einkommensgrundlage grundsätzlich das Recht haben, solche Kosten den Mietern aufzuhalsen. Das lässt uns die Hausverwaltung in ihrem Schreiben auch gleich wissen:
„Da die Kosten für die Treppenhausreinigung gemäß den bestehenden Mietverträgen als umlagefähige Betriebskosten vereinbart sind, werden die hierfür anfallenden Kosten zukünftig entsprechend auf die Mietparteien umgelegt.
Die Gesamtkosten für die Reinigung belaufen sich auf 289,00 € netto monatlich und werden entsprechend der jeweiligen Wohnfläche (m²) auf die einzelnen Mietparteien verteilt.“
Eine Erhöhung der monatlichen Wohnkosten um durchschnittlich 85 € ist ein Betrag, der für den Durchschnitrsverdiener – unsere Hausgemeinschaft besteht ausschließlich aus solchen – nicht ohne weiteres wegzustecken ist. Dementsprechend fallen auch die Reaktionen so aus, dass jede Partei (zusätzlich zum wütenden, aber ohnmächtigen Zähneknirschen über eine weitere Teuerung der allgemeinen Lebenshaltungskosten) überlegt, wie man an das zusätzliche Geld kommt.
Wir selber könnten es einigermaßen leicht stemmen, wenn wir weniger im Biomarkt und mehr im Supermarkt einkaufen und, wie mir die Liebste sofort heldenhaft verkündet, „Wenn ich weniger Klamotten kaufe!“. Alternativ könnte ich zusätzliche Stunden in der Pflegeeinrichtung arbeiten, so dass ich rund 100 € mehr im Monat hätte.. jedenfalls theoretisch, denn durch die brutalstmöglich gestiegenen Spritkosten muss ich mittlerweile nicht 100 € sondern 150 € pro Monat dafür ausgeben, dass ich mich auf eigene Kosten zur Arbeitsstelle bringe.
Die Nachbarin im Erdgeschoss ist verbeamtete Lehrerin und wird sich vielleicht einige Tage von ihren drei oder vier Urlauben im Jahr streichen, wenn überhaupt. Sie wird sich ärgern, aber ansonsten kein Problem haben mit den Mehrkosten.
Die Familie im ersten Stock – zwei Teenager-Kinder, beide Eltern berufstätig – zieht sofort die Konsequenz: die Frau, Erzieherin, stockt ihre Wochenstunden auf. Anders bekommen sie die Mehrkosten nicht in den Griff, da sie letztes Jahr bereits eine Mieterhöhung schlucken mussten.
Am härtesten trifft es die Nachbarin unter uns, eine etwa 75jöhrige alleinstehende Frau, die seit 35 Jahren im Haus wohnt. Sie hatte mir schon 2019/20, zu Beginn der Teuerungswelle, erzählt, dass jeder zusätzliche Euro höhere Miet-, Neben- oder Energiekosten schmerzhaft für sie ist, da ihre Rente gerade für Miete, Lebensmittel und ein paar Versicherungen ausreicht. Seitdem sind die reinen Wohnkosten für uns alle um rund 10-15% gestiegen, von der generellen Teuerung speziell für Energie ganz abgesehen. Sie wird sich also einschränken müssen.
Das Besondere an DIESEM Kostenanstieg ist seine Unnötigkeit. Er verdankt sich ausschließlich einer Laune bzw. der Willkür der Eigentümer. Sie entscheiden über eine kostenträchtige Maßnahme, bei der die Mieter keinerlei Mitspracherechte, dafür aber die gesamten Kosten zu tragen haben.
Ähnlich wie bei der Abwälzung der Gebäudeversicherung – mit der die im Privatbesitz des Eigentümers befindliche Immobilie gegen Schäden aller Art abgesichert werden soll – auf die Mieter nehmen die Vermieter sich diese Freiheit (besser: diese Frechheit) heraus, WEIL SIE ES KÖNNEN.
Denn selbstverständlich haben sie die Gesetze auf ihrer Seite, mit denen das private Eigentum – und zwar insbesondere das, welches sich durch Verzinsung, Rendite, Pacht oder Miete immer weiter vermehrt – geschützt wird.

Mit den Jahren, die verrinnen
wird das Außen und das Innen
immer ähnlicher und gleicher
und das Hirn wird weich und weicher.
Das wär verkraftbar, wenn beim Lieben
jenes Teil hart geblieben,
das einst voller Manneskraft –
doch auch dieses ist erschlafft.
So verkommen Leib und Geist,
bis man in den Rasen beißt,
wo, ganz prachtvoll erigiert,
der Stein ragt, der die Grabstatt ziert.

Die Liebste kommt am Ende eines langen Arbeitstages, der um 5:00 Uhr morgens begann und mit der letzten Runde mit dem Hund endete, zur Tür herein. Der Hund stürzt sich nach Hundeart auf mich, als hätte er mich Jahre nicht gesehen. Die Frau nicht – sie wischt sich den Schweiß von der Stirne, kickt sich die Schuhe von den Füßen und setzt diverse Taschen und Beutel ab.
„Ich hab was eingekauft!“ verkündet sie, „Obwohl ich eigentlich pleite bin.“ Damit weiß ich schon mal, dass sie nicht Lebensmittel oder Drogerieartikel besorgt hat, sondern irgendetwas für ihr eigenes Wohlbefinden, also Kleidung oder Kosmetik.
„Bekleidung, oder?“ frage ich überflüssigerweise.
„Ja! Komm mal her. Ich werde die schönste Frau an der Ostsee!“ Die Gattin steht vor dem riesigen Ganzkörperspiegel neben dem Kleiderschrank, hat sich inzwischen bis auf die Unterwäsche entkleidet und schlüpft nun in niedliche graue Strand-Shorts, die unten an den Beinöffnungen in weißen Spitzenbordüren enden, und in ein ärmelloses Nichts von einer Sommerbluse mit einer großen Stoffblume auf der rechten Schulter.
Sie zupft ein bißchen an den neu erworbenen Kleidungsstücken herum, dreht sich vor dem Spiegel in allerlei Positionen, um die Wirkung des Outfits zu überprüfen und fragt mich auffordernd. „Ist doch toll, oder?!“
Natürlich ist das keine Frage, sondern mein Stichwort für ein solides, anerkennendes, keinesfalls jedoch zu überschwängliches, sondern faktisch begründbares, ehrliches Lob ihrer Erscheinung. Tatsächlich sieht sie hinreißend aus in dem Fummel, sozusagen zum Stehlen süß.
Ich lobe ihre Neunschaffung und preise ihre Erscheinung in wohl bedachten und -gewählten Worten. Nach einer Weile frage ich. „Und kostenmäßig? Was hast du in dem Laden gelassen? So dreistellig, oder?“ Zufällig weiß ich nämlich, dass „der Laden“ zu den nicht ganz preisgünstigen Edelboutiquen unseres Nobelstadtteils gehört.
„Will ich überhaupt wissen, was das gekostet hat?“ setze ich hinzu, nachdem sie mit einem Kopfnicken und einem affirmativem „Mmm…“ die Frage nach der Dreistelligkeit beantwortet hat.
„Nee, willst du nicht. Du willst eine schöne Frau, das kostet eben.“
„Die oder keine!“ war und ist seit jeher das Leitmotto meiner Verbindung mit dieser Vertreterin des anderen Geschlechts. Darum ist bei mir auch diesmal wieder Kritikfähigkeit, Rationalität und Kostenbewusstheit ausgesetzt und ich freue mich mit ihr über die fesche Neuanschaffung für ihre Garderobe.