Geschichten die das Leben schrieb: wie ich mal durch ein im Fernsehen gesendetes Interview ganz unbeteiligt zu Schaden kam

Aus Richtung Fernseher dringt der pseudo-einfühlsame professionelle Reportertonfall eines der unaufhörlichen Expertengespräche zum Thema Nahostkrieg an mein Ohr.  Die verlogene Intonation und die standardisierten Sprachregelungen verraten mir, dass es sich um einen der ganz oder teilweise vom deutschen Staat kontrollierten Sender handeln muss.

Ich versuche, so gut es geht, wegzuhören und mich meiner mehr oder weniger kreativen Tätigkeit in meiner Lese- und Zeichenecke zu widmen. Aus dem Interview, das Dunja Halali mit irgendeinem „Experten“ oder Regierungsvertreter führt (ein ausländischer, da der Mann übersetzt wird), dringt trotz meiner Ignorierungsbemühungen ein Satz an mein Ohr, der heraussticht aus dem Einerlei gegenseitiger Bestätigung imperialistischer Moral, welches hier von Interviewtem und Interviewerin für das Fernsehpublikum inszeniert wird.

„Nun ist es ja selbstverständlich, dass Israel das Recht zur Selbstverteidigung gegen den Terror hat, aber bei der Gegenreaktion kommen ja unvermeidlich auch Zivilisten zu Schaden…“, problematisiert die Staatsenderjournalistin in Richtung Gesprächspartner. Was dieser antwortet, höre ich schon nicht mehr (irgendein Bedauern über und Rationalisieren des „Unvermeidlichen“ wird es sein; der Mann ist wohl entweder amerikanischer oder israelischer Militär oder Politiker). 

Vor den Augen der Welt findet also nicht ein erbarmungsloser Bombenkrieg gegen die eingesperrte palästinensische Zivilbevölkerung des Gaza-Streifens statt, jedenfalls nicht für Journalisten deutscher Leitmedien, sondern „es kommen auch Zivilisten zu Schaden“. Diese Späne, die nun mal leider anfallen beim durch und durch gerechtfertigten antiterroristischen Hobeln der israelischen Armee, sind – so suggerieren es Reporterin und Befragter – zwar irgendwie nicht sehr schön. Man würde sie auch gerne möglichst vermeiden, aber – verständige Menschen wissen das – es gibt im Krieg nun mal leider auch Opfer. 

Beziehungsweise eigentlich gar keine Opfer, sondern von Pech heimgesuchte Zivilisten, die bei einem unvermeidlichen Geschehen „zu Schaden gekommen“ sind. Sie stellen insofern höchstens ein theoretisches, weil moralisches, aber kein wirkliches Problem dar für die erfolgreiche Kriegführung Israels und deren mediale Nachbeter. 

Der abgebrühte Zynismus der Formulierung „zu Schaden kommen“ für die Opfer eines Bombenterrors, der genozidale Züge hat, passt zu dem kürzlich durchgesickerten Brevier mit Sprachregelungen für die ganz oder teilweise vom deutschen Staat kontrollierten Sendeanstalten. In diesen Anweisungen wird im Detail festgelegt, wie und mit welchen Ausdrücken und Formulierungen Nachrichtensprecher, Reporter usw. dem Publikum den gegenwärtigen Nahostkrieg zu vermitteln haben. Das sprachliche Framing dient dazu, die Handlungen der israelischen Seite als gerechtfertigt und notwendig, die der Hamas dagegen als terroristisch und archetypisch böse darzustellen.

Während ich die aufsteigende Übelkeit in mir bekämpfe, sinniere ich darüber, wie Frau Halali wohl drei Generationen zuvor ihre militärisch-politischen Gesprächspartner befragt hätte. Vielleicht so: „Herr Eichmann, nun sind ja in den Konzentrationslagern auch Zivilisten zu Schaden gekommen, was können Sie den Zuschauern an der Heimatfront denn dazu mitteilen…?“. Und Eichmann so: „Danke für diese Frage, Frau Halali. Zunächst mal muss ich festhalten, dass es natürlich unser gutes Recht ist, uns gegen den jüdisch-bolschewistischen Terror zur Wehr zu setzen…“ usw.

Ich komme zu dem Schluß, dass bei der Berichterstattung über die Konflikte auf der Welt (vor allem aber bei der über den Krieg Israels gegen Gaza) vor allem Journalismus, Ehrlichkeit und jeder menschliche Anstand auf Seiten der politischen und journalistischen Kriegsbefürworter zu Schaden gekommen sind. Und die Gehirne der Fernsehkonsumenten, die dieser Propaganda täglich ausgesetzt sind.

Geschichten die das Leben schrieb: Gottes Segen fürs Saufen

Beim morgendlichen Rundgang mit dem Hund kommen wir an diesem Schaukasten der evangelischen Auferstehungskirche vorbei. Ich mache die Liebste auf das Plakat mit den schönen blauen Trauben aufmerksam. Sie geht näher heran, liest sich den Text durch und bemerkt: „Pflanzen der Bibel? Wir machen alles richtig!!“

Geschichten die das Leben schrieb: Sex und Arthrose

Unter dem Einfluss von 600 Milligram Ibuprofen und 2 Gläsern Qvevri-Saperavi von Koncho & Co aus Georgien sitze ich auf dem Bett und zeichne.

Mein ständiger Begleiter, der Dauer- und Ruheschmerz, ist maximal gedämpft und für ein paar Momente habe ich Knie und Arthrose vergessen. Schwungvoll werfe ich das rechte über das linke Bein, um mich in eine andere Sitzposition zu bringen.

Das hätte ich nicht tun sollen. Die aufeinander reibenden Knochen im Kniegelenk melden höchste Alarmstufe an das Gehirn und bescheren mir ein paar Sekunden exquisiten Schmerzes, der mir die Luft nimmt. Unter quietschenden Lautäußerungen und herzhaften Flüchen bugsiere ich mit beiden Händen das rechte Bein zurück in die Ausgangsposition und atme tief durch, als der Schmerz nachläßt.

Die Liebste, alarmiert von der ungewohnten Geräuschkulisse, erscheint in der Tür und betrachtet mein erbarmungswürdiges Hantieren mit Bein und Knie.

„Also, das mit dem Sex können wir wohl für dieses Leben vergessen!“, konstatiert sie.

Jetzt bin ich ebenfalls alarmiert und frage erschrocken nach: „WIE BITTE? Wieso das denn?!“

„Naja, mit deinen müden Knochen…“ kriege ich zu hören. Sie schiebt noch ein „Wir sind eben ALT!“ hinterher, nimmt mein leeres Weinglas und bringt es kurz darauf, aufs Erfeulichste gefüllt, wieder. Ich ahne, worauf das alles hinausläuft und sträube mich gegen die deprimierende Erkenntnis, dass die körperlichen Freuden des Alters sich vorzugsweise in Essen und Trinken erschöpfen.

Mein Entschluß, mich auf keinen Fall in mein Schicksal zu fügen und zu einem miesepetrigen Opa zu werden, der mit Gehstock und Triebstau durchs Leben wandelt, nimmt überlebensgroße Dimensionen an. Wozu hab ich die attraktivste Frau des bekannten Universums abgekriegt, wenn ich jetzt auf enthaltsam machen muss? Eher lass ich mir ein künstliches Kniegelenk einbauen, als dass ich mich mit einem zölibatären Leben abfinde.

Geschichten die das Leben schrieb: das Knie und die Klassengesellschaft gehen zum Barbier

Ernüchternder Besuch beim Orthopäden, der einen MRT-Befund auswertet: da ist nichts mehr zu wollen mit dem Knie. Arthrose dritten Grades, multipler Meniskusriss an den Seiten und innen, dauerhafte Bewegungseinschränkung.

„Mit den Schmerzen müssen Sie jetzt leben, wenn sie können. Das muss jeder für sich entscheiden, ob er eine konservative Therapie ausprobiert, mit Bandagen, Schwimmen, Physiotherapie und bei Bedarf Schmerzmitteln – oder eine Operation.“

Der sympathische spanische Orthopäde verschreibt mir gleich mal die entsprechenden Hilfsmittel und lecker Schmerzmedikamente, als ich ihm sage, dass ich vorläufig kein künstliches Kniegelenk eingebaut bekommen möchte. Auf meine Nachfrage nach anständigen Schmerzmitteln, also Opioiden, guckt er mich verdutzt an und sagt: „Die machen aber ABHÄNGIG! Solange Sie mit Ibuprofen gut zurechtkommen, bleiben Sie dabei, wenn nicht, können wir immer noch Novaminsulfon einsetzen…“

Meine Entgegnung, dass eine Abhängigkeit (mir) relativ egal ist, wenn man eine wahrscheinliche Lebenserwartung von weiteren maximal 20 Jahren hat, lässt er nicht gelten. Damit bin ich entlassen und kann direkt in den Sanitätsladen gehen, der sich marktwirtschaftlich konsequent direkt neben der Orthopädiepraxis angesiedelt hat. Dort erwartet mich ein typisches Beispiel der Klassengesellschaft und ihrer Zweiklassenmedizin: die für Kassenpatienten gedachte Kniebandage ist die Billigversion, die außer der günstigen Zuzahlung von zehn Euro keine erwähnenswerte Eigenschaften besitzt.

Leute, die eine anständige Kniebandage von höherem medizinischen und orthopädischen Wirkungsgrad, besser gewebt, insgesamt stabiler und durch und durch höherwertiger, haben möchten, müssen 35 Euro zu zahlen. Dieser Umstand veranlasst mich zu einigen entsprechenden Bemerkungen über die medizinisch Versorgung in der Klassengesellschaft, welche von der Verkäuferin mit einem lapidaren „Das ist eben Demokratie!“ beantwortet wird. Ich zahle zähneknirschend die 35 Euro, streife mir die Kniebandage unter Stöhnen und Ächzen über das kaputte Knie und merke bereits nach wenigen Schritten, dass dies tatsächlich eine Hilfe ist. Somit bin ich also halbwegs versöhnt mit der Ausgabe und gehe meiner Wege. 

Auf all diese schlechten Nachrichten muss ich mir jetzt irgendetwas Gutes tun. Einige Schritte weiter befindet sich ein Barbershop. Ich ergreife die Gelegenheit und lasse meine wuchernde Gesichtsbehaarung von einem syrischen Profi akkurat stutzen und behandeln – eine sehr angenehme Erfahrung. Allerdings ist das Zeug, das er mir nach Abschluss der Prozedur ins Gesicht sprüht, von derartig penetranter olfaktorischer Intensität, dass ich beide vorderen Autoscheiben runterlassen muss, um die Rückfahrt nach Hause zu ertragen.

Dort angekommen, wasche ich mir das Stinkezeug sofort aus dem Gesicht und präsentiere mich der Gattin, die bislang meine Bärtigkeit äußerst kritisch kommentiert („Du siehst aus wie ein Heckenpenner!“) Jetzt findet der Look allerdings ihre gnädige Billigung. An dieser Front also schon mal Entspannung, der Rest wird sich ebenfalls finden. Dass die physische Hülle, die mich durchs Leben trägt, sich zügig dem Haltbarkeitsdatum nähert, ist mir ohnehin bekannt und insofern keine Überraschung. Mein Lebensmotto ist, neben dem Standard „Peace and Harmony in Daily Living“, der ebenso zeitlose Klassiker „Mit den richtigen Drogen lässt sich alles ertragen!“ Darum mache ich mir fürs Erste keine größeren Sorgen über den Verfall meiner körperlichen Hardware.

Geschichten die das Leben schrieb: Flaschensammelnde Armutsrentner

Das „famila“ ist das größte Einkaufszentrum im 5000-Einwohner-Ort Lütjenburg, einer gemütlichen Kleinstadt im Kreis Plön in der „Holsteinischen Schweiz“. Ich stehe mit dem Hund vor dem Haupteingang und warte auf die Frau, die dort die „Besser als gut!“-Einkaufsoptionen erkundet.

Ich werde auf einen alten Mann mit Rollator aufmerksam, der plötzlich neben mir auftaucht und den Abfalleimer nach Pfandflaschen durchsucht. Wobei – so alt ist er vermutlich gar nicht. Ich schätze ihn auf mein Alter oder jünger. Seine langen Haare lassen ihn wie einen alten Hippie aussehen, sein zahnloser Mund verrät ihn als Angehörigen der Klasse, die durch Lohnarbeit und Armut gezwungen ist, zahnersatzfrei durchs Restleben zu laufen. Oder eben am Rollator zu gehen.

Da ich noch einen ganzen Stoffbeutel mit Pfandflaschen im Auto habe, spreche ich ihn an und biete ihm diese an. Wir gehen zusammen zum Auto und kommen ins Gespräch. Er erzählt mir, dass er eine Rente von 920 Euro bezieht, von der 800 für ein Zimmer im Betreuten Wohnen draufgehen. 250 Euro muss er an Krankenkassenbeiträgen zahlen, so dass er für die Differenz von 130 Euro auf die sogenannte „Grundsicherung bei Hilfebedürftigkeit“ angewiesen ist.

Der Mann hat für den ganzen Rest seines Lebens keinen einzigen Cent für sich selbst übrig, für irgendwelche kleinen Wünsche oder Freuden – und sei es mal eine Flasche Bier oder einen Kaffee irgendwo. Dafür muss er in Papierkörben und Abfalleimern wühlen, um durch das Sammeln von Pfandflaschen ein Taschengeld zu ergattern, das ihm wenigstens zu ein paar minimalen Vergnügungen verhilft und ein bißchen Freude und Abwechslung in seinen Alltag bringt.

Dabei macht mein Gegenüber keineswegs einen depressiven oder frustrierten Eindruck. Er ist freundlich und sachlich, er spricht über seine Situation wie über das Wetter: ist halt so, kann man nichts machen. Er hat sich in sein Los gefügt, doch hinter seinen Worten und hinter seinen Augen ist die Traurigkeit und die Erschöpfung spürbar, die ein solches Leben unweigerlich mit sich bringt.

Ich halte nichts von sozialmoralischen Gegenüberstellungen von Ausgaben für Renten, Pflege, für Soziales allgemein und denen für Aufrüstung, Krieg, Steuergeschenken für Reiche und Konzerne usw. Es ist ja nicht so, dass ein grundsätzlich wohlmeinender Staat aufgrund der Dummheit oder des bösen Willens „der Politiker“ das ganze schöne Geld für Militär und deutsches Unternehmertum ausgibt statt für Kindergärten, Pflegeheime, Sozialwohnungen und Rentner.

Jetzt aber fallen mir die 100 Milliarden Euro ein, die die Ampelkoalition per Federstrich mal eben für Rüstung und Kriegsgerät bereitgestellt hat. Mir fällt das berechnende Geschachere um eine „Kindergrundsicherung“ ein, die von 12 auf 3,5, dann auf 2 Mrd. Euro zusammengestrichen wurde und die dem neoliberalen Arschgesicht, das hierzulande den Finanzminister gibt, Anlass war zu zynischen und rassistischen Bemerkungen über Arme, die erstmal ins Verdienen kommen sollten, bevor sie sich vom Staat alimentieren lassen.

Zum tausendsten Male frage ich ich mich, wieso und wie lange noch ein ganzes Volk sich die Behandlung bieten lassen will, die die besitzende Klasse und ihre politischen Handlanger ihr zugedacht haben: als immer weiter auszuwringende und zu verarmende Manövriermasse der Herrschenden, als Rohmaterial, das für die Reichtumsproduktion der Besitzenden geradezustehen hat.

Die Liebste kommt aus dem „famila“ zurück und ich muss meine Unterhaltung mit dem Rentnerkollegen abbrechen. Er freut sich jedenfalls über die ca. 4 oder 5 Euro in Form von Pfandflaschen in dem Stoffbeutel, den ich ihm aushändige und verabschiedet sich mit einem gut gelaunten „Moin!“

Geschichten die das Leben schrieb: Haus und Hanf 

Im Urlaubsort gehen wir eine Runde durch die Ansiedlung und kommen an einem Haus vorbei, das uns bereits im letzten Jahr auffiel: es war weitgehend fertiggestellt, schon bewohnt, aber sämtliche Zufahrten, Vorgarten, Eingangsstufen zur Haustür usw. fehlten, überall ragten Rohre und Kabel aus der Erde, Auto, Kinderroller und Fahrräder standen auf einem improvisierten Schotterplatz – kurzum: das Ganze wirkte wie das Projekt einer jungen Familie, der kurzfristig die finanzielle Puste ausgegangen war.

Diesmal, als wir zum ersten Mal wieder an dem Haus vorbeikommen, sieht alles haargenau wie im letzten Sommer aus: derselbe unfertige Zustand, derselbe Schotterplatz, dieselbe Holzpalette vor der Haustür als Ersatz für eine Treppenstufe.

Wir mutmaßen über die Gründe und sinnieren über Teuerung und Inflation, gestiegene Baustoff- und Handwerkerpreise u. ä.

Am nächsten Abend dieselbe Runde, derselbe Anblick, man hört Kinderstimmen, der Abend ist milde, die See ist fast unhörbar, so wenig Wellengang hat es heute Abend.

Die Liebste, die mit dem Hund ein paar Meter vorausgegangen ist, blickt in Richtung des Hauses, bleibt abrupt stehen und wartet, bis ich zu ihr aufgeschlossen habe.

Sie deutet mit einer Kopfbewegung in Richtung Haus und sagt: „Ey, kein Wunder dass das Haus nicht fertig wird! Der sitzt da und kifft!“

Tatsächlich hockt der junge Familienvater und Bauherr (ich nehme an, dass er das ist) an der Längsseite seines Eigenheimes auf dem Baustellenboden und zieht gemütlich an einem Joint, dessen Rauchschwaden unverkennbar duftend bis hin zu mir ziehen.

Ich grinse ihn an, laufe weiter und stelle mir vor, um wieviel angenehmer ein solides High auch eine finanzielle Durststrecke macht – solange jedenfalls, wie es noch für das beliebte Kräutlein reicht. Andrerseits könnte einem auch die cannaboid geschärfte Sinneswahrnehmung einen Strich durch die Rechnung machen und den Anblick des tristen Baustellenchaos rund um das traute neue Heim zu einer Herausforderung ästhetischer Art machen. Wer weiß das schon…

Ich wünsche dem  kiffenden Hausherrn jedenfalls einen unversiegbaren Nachschub an THC-haltigen Pflanzenprodukten und die nötigen finanziellen Mittel, um sein Häuschen auch äußerlich und rundherum zu vollenden.

Geschichten die das Leben schrieb: Fußballerinnerungen und Bickbeeren

Winsen (Luhe), magisches Kleinod norddeutscher Provinzialität im Landkreis Harburg. Mir noch in Erinnerung als Schauplatz hitzeflimmernder sommerlicher Fußballturniere mit der D- und C-Jugend des VfL Marmstorf, in der ich in der Verteidigung und im defensiven Mittelfeld meinen Mann zu stehen versuchte.

In den Halbzeitpausen und zwischen den Spielen übergossen wir uns mit kaltem Wasser aus Eimern. Von Hitzewellen sprach keiner und Klimahysterie gab es noch nicht, es war einfach Sommer und es war heiß.

Als Harburger, also Süd-Hamburger, sahen wir uns als großstädtisches Team und fürchteten die ungesunde Härte und technische Unbedarftheit der Dorfjugend in den Bolztruppen aus der Heide. Meistens gingen wir als Turniersieger, oder wenigstens Endspielteilnehmer nach Hause, mitunter gab es aber auch erbitterte Kampfspiele gegen die ungeschlachten Bauernjungs der umliegenden Vereine, die wir psychisch nur deswegen verkrafteten, weil wir uns mit dem Bewusstsein unserer größeren Spielintelligenz und theoretisch überlegenen Spielkultur trösten konnten.

Eins hat sich nicht geändert: auch nach mehr als fünfzig Jahren gibt’s immer noch leckere Bickbeeren (Blaubeeren) in Winsen und den anderen Orten der Umgebung.

Gesinnungsjustiz: Spenden für Gerichts- und Anwaltskosten

Strafbefehl über 3.500,00 Euro wegen pro-russischer Meinungsäußerung in einer geschlossenen Facebook-Gruppe

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Leute haben angefragt, ob ich

1) Spenden brauche und
2) auf welches Konto sie überweisen können.

  1. Ja, brauche ich.
    Auch wenn ich davon ausgehe, dass ich im Verfahren von dem Vorwurf der „Gefährdung des öffentlichen Friedens“ freigesprochen werde, entstehen Gerichts- und Anwaltskosten.
  2. Bankverbindung:
    Kay Strathus, Postbank, IBAN DE4210010010074058412, BIC PBNKDEFF, BLZ 10010010
    oder paypal.me/kaystrathus

Geschichten, die das Leben schrieb: Wie die Weimarer Grünen mir möglicherweise zu 50 Tagen Klausur auf Staatskosten verhelfen

Als ich letztes Jahr im November ein Schreiben der Staatsanwaltschaft Düsseldorf erhielt, in dem mir ein Verstoß gegen irgendeinen der neu gestalteten und verschärften Gesinnungsjustizparagraphen des Strafgesetzbuches vorgeworfen wurde, dachte ich zunächst an einen schlechten Scherz. Zumal ich in einer GESCHLOSSENEN Facebook-Gruppe („Weimar around the World“) einen bellizistischen Beitrag eines grünen Weimarer Stadtverordneten „pro-russisch“ kommentiert hatte – und zwar in einer vergleichsweise harmlosen Art. Meine sonstigen ÖFFENTLICHEN Beiträge zu diesem Thema sind in der Regel um einiges schärfer und eindeutiger.

Wie auch immer, auf anwaltlichen Rat hin beschloss ich, die Sache auszusitzen und dachte, nachdem ich bis jetzt nichts mehr von der Staatsanwaltschaft gehört hatte, die Geschichte hätte sich erledigt. Hat sie aber nicht.

Mein staatsgefährdendes Gedankenverbrechen, das nach Ansicht der Staatsanwaltschaft „geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“, ist der politischen Justiz eine Strafe von 3.500,00 Euro wert. Soviel finanziellen Schmerz meint man, mir zufügen zu müssen, damit ich es nicht wage, noch einmal den NATO-Krieg gegen Russland auf verbotene Weise zu kommentieren.

(Das muss diese Meinungsfreiheit sein, für die die politischen Auftraggeber der Judikative u.a. einen Krieg in der Ukraine führen, bzw. von den ukrainischen Nazi-Verbänden führen lassen.)

Da ich weder das Geld noch die Absicht habe, für eine politische Stellungnahme zu einer Angelegenheit, die von der Natur der Sache her schon kontrovers diskutiert wird – und die außerdem den Tatsachen entspricht – 3.500,00 Euro (oder IRGENDEINE Summe) zu bezahlen, wird die Geschichte nun weiter gehen. Wie? Keine Ahnung.

Zunächst mal zum Anwalt, vielleicht ins Gefängnis. Denn lieber sitze ich die fünfzig Tage auf Staatskosten bei freier Kost und Logis in einer Justizvollzugsanstalt ab, als dass ich auch nur einen Cent Strafe für Meinungsäußerung zahle.

Im Grunde gar keine schlechte Option, wenn ich’s recht bedenke: ich könnte als Insasse einer Klausurzelle in einem staatlichen Knast all die komplexen und langwierigen Zeichnungen der Oberkasseler Plätze fertigstellen, die ich mir vorgenommen habe! Insofern würden mir die ökofaschistischen Inquisitoren der Weimarer „Grünen“ noch einen Gefallen getan haben.

Geschichten, die das Leben schrieb: wie gewonnen, so zerronnen

Tja.

Da macht man seit 25 Jahren Online-Banking, hält immer alle Sicherheitsmaßnahmen ein, macht Überweisungen nur im heimischen WLAN – und kriegt dann das Konto leergeräumt aufgrund eines Datenlecks bei irgendeinem Subunternehmen der Deutschen Bank, der die Postbank inzwischen gehört. Vermutlich wurden Kundendaten und sonstige bankrelevanten Vorgänge kostengünstig outgesourced.

Getroffen hat’s ausgerechnet das Sparkonto, auf dem der Notgroschen, die Eiserne Reserve, der „Unerwartete-Ausgaben“-Puffer in Höhe eines mittleren vierstelligen Betrages liegen. Bzw. lagen, bis gestern oder vorgestern. Nun ist das ganze Geld auf einem Konto einer Bank in Irland, wohin böse Buben es ohne mein Wissen überwiesen haben.

„Unauthorisierte Abbuchung“ heißt das im Bankjargon, und die Bankangestellte am Telefon berichtet von Hunderten von Postbankkunden, die auch gerade diese ambivalente Erfahrung machen dürfen. Auf die Frage, wer mir die schöne Kohle nun ersetzt und wie lange das dauern wird, druckst die Mitarbeiterin etwas rum und sagt, das wird jetzt erstmal alles „von der Sicherheitsabteilung geprüft“, und die werde sich dann „postalisch melden“.

Mit anderen Worten: das kann dauern; und ob ich das Geld wiedersehen werde, entscheidet die Bank nach ihren Erkenntnissen (über die Begleitumstände des Betruges bzw. ob es ein technischer Fehler der Banknoten Blödheit des Kunden war), also nach Gutdünken.

Erstaunlicherweise nimmt die Liebste das Ganze gelassen und abgeklärt. „Da kann man sich jetzt ärgern, aber man kann’s auch lassen“, sagt sie weise. Einen kleinen „I told you so“-Hinweis kann sie sich aber nicht verkneifen: „Siehste, ich hab dir schon immer gesagt, dass diese ganze Onlinescheiße nicht sicher ist. Was meinst du, warum ich immer ganz old school zur Bank gehe und dort Kontoauszüge hole und Überweisungen mache…?“

Auch wenn’s ein unangenehmes Gefühl ist, um seine Ersparnisse gebracht zu werden, ist es letzten Endes nur Geld. Und vielleicht sehen wir es ja am Ende doch wieder! Angeblich sind Banken verpflichtet, den Kunden den unauthorisiert abgebuchten Betrag zu ersetzen, wenn diese sich nicht durch Leichtsinn oder Fahrlässigkeit den Schaden selber zuzuschreiben haben.

Allen Freunde, die ein Konto bei Deutscher Bank oder Postbank unterhalten, rate ich jedenfalls zu erhöhter Wachsamkeit und zum eventuellen Verzicht aufs Online Banking für eine Weile, oder ganz.

Das ist der Lauf der Welt: wie gewonnen, so zerronnen.

https://www.spiegel.de/netzwelt/web/deutsche-bank-und-postbank-kunden-werden-ueber-datenleck-informiert-a-c06d099a-bcaf-453c-936f-9c767aa60881