Geschichten aus dem Pflegeheim: Ost-/West-Vergleich Arbeitsumfeld Pflegeheim und allgemein

Inzwischen hab ich mehr Jahre in der Pflegeeinrichtung im Westen gearbeitet als in derjenigen im Osten, in der ich bis zu meinem Umzug von Weimar nach Düsseldorf beschäftigt war. Beides Senioren- und Pflegeheime der Diakonie, so dass ich mir glaube ich einen Vergleich erlauben kann.

Einen Vergleich nicht des diakonischen Arbeitgebers (das gibt und nimmt sich nichts), sondern des Arbeitsumfeldes, der Mentalität der Beschäftigten. Von den Bewohnern ganz zu schweigen, denn abgesehen davon, das sie alle alt bis hochbetagt sind (sonst wären sie nicht im Pflegeheim) liegen Welten zwischen Leuten, die ihr Erwachsenen- und Arbeitsleben im DDR-Sozialismus verbracht haben und solchen, die den BRD-Kapitalismus als natürliches Habitat erleben mussten.

Bei den Kollegen ist das recht ähnlich, jedenfalls bei den älteren. Und auch bei den jüngeren merkt man den Unterschied in der Sozialisation in einem Umfeld, in dem die 40 Jahre finanzieller Existenzsicherheit und gesellschaftlicher Fürsorge im Sozialismus noch nicht aus dem kollektiven Unterbewußtsein getilgt werden konnten.

Während hier im Westen lauter Einzelkämpfer unterwegs sind, lauter Überlebenskünstler der Konkurrenzgesellschaft, deren Muttermilch-Mantra „Sei Dir selbst der Nächste, sieh zu, dass du dich gegen die andern durchsetzt, keiner schenkt dir was“ lautet, spürt man im Osten so etwas wie ein Kollektiv (ein Wort, das im Westen verpönt ist, da es das Gegenprogramm zum heiligen Individulismus des marktwirtschaftlichen Individuums ist). Das Kollektiv des Arbeitsumfeldes, der Leute, die an der Arbeitsstelle miteinander zu tun haben. Zu DDR-Zeiten hieß das ja direkt so.

Für mich am besten beschreibbar mit den Worten Verbundenheit, Zusammenhalt, Freundschaft; außerdem mit dem Gefühl, dass sich die Lohnarbeitenden einige Jahrzehnte lang als Kollektiv empfinden und betätigen konnten – und zwar eins, auf das es tatsächlich ankam, weil die gesamte Gesellschaft, der gesamte Staat für sie gedacht und gemacht war.

Vor einiger Zeit sah ich ein Plakat einer kommunistischen Splittergruppe, das die Losung enthielt „Alle Macht dem Proletariat – Die DDR war unser Staat!“. Das gefiel mir, auch wenn ich weiß, dass das von großen Teilen der DDR-Bevölkerung gerade nicht so gesehen wurde – sonst hätten sie wohl kaum eine Konterrevolution begrüßt und unterstützt.

Mir ist klar, dass das vom Arbeiter- und Bauernstaat die Theorie war, und dass die bürokratischen Fehler und Mängel der realsozialistischen Staatsmacht nicht gerade der Quell allgemeiner Glückseligkeit für die Werktätigen war. Grundsätzlich konnten Lohnarbeiter jedoch im Sozialismus eine Aufgehobenheit und eine soziale Absicherung erleben, die im heutigen BRD-Kapitalismus nicht existiert und auch garnicht gewollt ist.

Ob die deutlich wahrnehmbaren Unterschiede zwischen Ost- und West gerade im Arbeitsleben, die Mentalitätsdifferenz zwischen Kollektivgedanke und Konkurrenzgehabe, zwischen Miteinander und Gegeneinander, immer auf der früheren begeisterten Zustimmung zum Sozialismus beruhen oder nicht oft auch auf dem damaligen untertanentypischen Sich-an-die-Verhältnisse-Anpassen will ich nicht beurteilen.

Nach genügend Zeit in identischen Arbeitssituationen in beiden Teilen des angeblich vereinigten Deutschlands ist jedenfalls mein Eindruck der eines gewaltigen Mentalitätsunterschiedes, der mir nebenbei erklärt, warum ich Weimar immer noch als meinem ideellen Wohnsitz und meiner dortigen Beschäftigung immer noch als der um Längen erträglicheren Arbeitsstelle nachtrauere.

Abt. Die Gelbe Gefahr

Nein, der Chines“ wieder! Er kann es einfach nicht lassen, der Chinamann. Da ist er wie der Iwan: einfach demokratieunfähig, weil von Natur aus (Schlitzaugen!!) zur Diktatur neigend!

Jetzt verbietet der kommunistische Unrechtsstaat einfach „pro-demokratische Bücher“!!

Entsetzliche Vorstellung, dass Chinas Bibliotheken künftig ohne die Magna Charta, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, die Werke von Platon bis Schopenhauer auskommen müss….

Was? Müssen sie gar nicht?

Mit „pro-demokratisch“ meint das Hamburger Fachmagazine für Sinologie und Feindaufklärung lediglich die Schriften des CIA-Protegés und antikommunistischen Hetzers Joshua Wong, und insbesondere sein separatistisches Sudelpamphlet „Unfree Speech“, mit dem er eine ausländische (sprich: imperialistische) Intervention herbeischreiben möchte?

Ach, Spieglein, Spieglein an der Wand,
er ist so trübe, dein Verstand;
Er lässt so vieles stark vermissen –
Nur eins nicht: China anzupissen.

„Wer es sich leisten kann, meidet Busse und Bahnen.“

Das Heer der Lohnarbeitenden kann es sich NICHT leisten.Die müssen in ihrer Mehrheit brav zur Arbeit fahren, damit die Kapitalvermehrung am nationalen Standort weiter so wuchtig und eindrucksvoll daherkommt wie gewohnt.

Überfüllte Züge, ausgedünnte Fahrpläne, Ansteckungsgefahr hoch zehn? Egal, „die Wirtschaft“ muss brummen!

Der finanzkapitalistische Feudalismus, der es bisher geschafft hat, sich unter dem Namen „Demokratie“ dem Arbeitsvolk als so unvermeidlich wie unentbehrlich zu verkaufen, ist als Herrschaftsform wie maßgeschneidert für eine Gesellschaft, die aus lauter gnadenlos und konsequent vereinzelten Selbstverwirklichern, Überlebenskämpfern und -künstlern besteht und von einer neo-feudalen Elite von Reichen gelenkt wird.

Eine Elite von Reichen übrigens, zu der jeder der lohnarbeitenden, Lotto spielenden, chronisch zu knappen Untertanen selber gerne gehören würde. Denn das ist das (falsche) Versprechen des neuen Feudalismus: „Auch du kleines Rädchen kannst es zu Reichtum bringen, denn du bist kein Untertan, sondern deines Glückes Schmied in diesem Reich der Freiheit!“

Und weil er sein Lebtag lang nichts anderes gehört hat, glaubt der kleine Untertan das Märchen, welches ihm die Herrschaft erzählt: dass nämlich „die Demokratie“ gar keine Herrschaft sei, sondern nur eine Art sachdienlicher Verwaltung der naturgegebenen Zustände einer alternativlosen Welt.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Feiertagsdienst an Pfingsten

Dienste an christlichen Feiertagen bieten mir immer die Möglichkeit, in meinen Angeboten, scheinbar ganz im Sinne meines diakonischen Arbeitgebers, den Leuten Botschaft und Bedeutung des jeweiligen Feiertages nahezubringen bzw. ihre Erinnerung aufzufrischen (in der Praxis stellt sich schnell heraus, dass die Unkenntnis darüber, was im christlichen Jahreskalender warum gefeiert wird, nicht den Atheisten oder Dementen vorbehalten ist).

Vor allem kann ich unter der Tarnung der sozialen Betreuung und von lustigen Runden recht schön ein bisschen praktische Religionskritik anbringen.

Heute muss natürlich über Pfingsten gesprochen werden, von dem keiner auch nur die blasseste Ahnung hat, warum das ein Feiertag und was das überhaupt ist.

Ich erzähle also meiner Zuhörerschaft, was nach christlicher Legende Pfingsten bedeutet: dass da ein „heiliger Geist“ irgendwie in die Jünger gefahren oder von einer Art Taube (ja, genau: der Vogel, der alles voll kackt) ausgeschieden und in die Gläubigen geschüttet worden sei.

Derselbe heilige Geist übrigens, der ein paar Jahrzehnte vorher die Maria geschwängert hat, die dann den Jesus zur Welt brachte, um den sich bei den Christen alles dreht. Mein Publikum ist gebannt von dieser unerwarteten Volte der Geschichte und versucht anscheinend innerlich, eins und eins zusammenzuzählen.

„Was ist denn nun ein ‚heiliger Geist‘?“

frage ich in die Runde. Ratlose Gesichter. Nur der volldemente Herr J. sieht aus, als ob ein Glöckchen klingeln würde. Er meldet sich und erklärt: „Ein Mensch, den man nicht sieht!“

Das klingt überzeugend, auch für die Umsitzenden. Wo wir schon mal bei Geistern sind, hake ich nach und frage, wie sie sich einen Geist – ob heilig oder nicht – vorstellen. Natürlich kommen wir auf Gespenster, Spuk und Geister á la „Hui-Buh das Schlossgespenst“ und alte Bettlaken mit reingeschnittenen Augenlöchern.

Die Runde ist erheitert, man lacht über das leicht depperte Gespenst und nimmt hoffentlich auch heilige Geister nicht mehr so ernst.

Wir beschließen den Vormittag mit ein paar Frühlingsliedern und alle freuen sich aufs Mittagessen, das an Feiertagen immer besonders lecker ist.

Geschichten die das Leben schrieb: Sippenhaft im finanzkapitalistischen Freiheitsgefängnis

Mitten auf der Arbeit, am späten Vormittag, ruft mich die völlig aufgelöste und konsternierte Frau an, um mir folgendes zu berichten: soeben hätte sie einen Anruf ihrer Bank erhalten, in dem ihr ohne weitere Umschweife mitgeteilt wurde, dass ihr Konto gesperrt und ihr Dispo innerhalb von drei Wochen zurückzuzahlen sei; der Grund wäre „ein negativer Schufa-Eintrag“.

Die Frau – Geschöpf und Produkt der bürgerlichen Mittelschicht, studiert, seit über 30 Jahren in Festanstellung bei einem Versicherungskonzern – kann die Welt nicht mehr verstehen und befindet sich im Zustand beginnender Hysterie. Der ganze Vorgang ist für sie umso unbegreiflicher, als sie beständig Anfragen ihrer und anderer Banken abwimmelt, die ihr alle möglichen Kredite und Finanzprodukte andrehen wollen – sie zählt mit ihrem soliden Mittelschichtseinkommen (etwa das dreieinhalbfache meines Jahressalärs) nämlich zur Zielgruppe „solide, seriöse Akademikerin mit unschlagbar krisenfester Festanstellung“, die noch niemals im Leben in irgendeiner Weise eine Rate, Miete oder sonstige Verpflichtung säumig geblieben ist.

Ich rate ihr zu zunächst mal drei Schritten.

Erstens feststellen, ob es sich um einen Fake-Anruf handelt oder nicht.

Zweitens – wenn echt – die Vorgesetzten der Anruferin oder wenigstens ihre persönliche Kumdenberaterin bei dem betreffenden Geldinstitut zu fragen, was es mit der Info auf sich hat.

Drittens herauszufinden, ob das Ganze etwas mit mir zu tun hat – was sofort meine Vermutung war.

Als ich selber vor einigen Jahren mich zum Heer der prekär beschäftigen Lohnarbeiter gesellen musste, war ich von jetzt auf gleich mit analogen Anliegen meiner damaligen Bank konfrontiert: Gleiche dein überzogenes Konto innerhalb von kürzester Zeit aus und trolle dich als Kunde! Den überaus großzügigen Überziehungsrahmen hatte die Bank mir in besseren Zeiten förmlich aufgedrängt, betrachtete mich aber offensichtlich nach einigen mageren Jahren als faules Ei im Portefeuille.

Natürlich konnte ich von einem Niedriglohn nicht mehrere Tausend Euro aufbringen, so dass ich mich auf einen Vergleich mit der Bank einlassen musste, der mir das Kainsmal des unzuverlässigen Schuldners einbrannte: Der negative Schufa-Eintrag!

Diese schöne Einrichtung demokratischer Herrschaft bewirkt für den Betroffenen den effektiven Ausschluss von der Teilnahme an sehr vielen Selbstverständlichkeiten modernen Lebens: keine Überziehung des Kontos mehr, nicht einmal um einen Euro; keinen Ratenkauf von irgendwas; keine Absicherung gegen allfällige Widrigkeiten des normalen Alltags wie Autoreparaturen oder defekte Waschmaschine usw.

Obwohl ich durch ein rigides, selbst auferlegtes Spar- und Austeritätsregime die Schulden bei der Bank im November 2017 zurückzahlen konnte, bleibt der Schufa-Eintrag für weiter drei Jahre bestehen – so lange geht die sorgsame Überwachungsinstanz des nationalen Kreditwesens davon aus, dass der kapitalistisch untaugliche Schuldner ein potentieller Störfaktor für die reibungslose Geldvermehrung bei den institutionellen Geldverleihern ist.

Im November dieses Jahres erlischt dann – angeblich – der Eintrag und ich könnte theoretisch wieder mein Konto überziehen oder Konsumentenkredite bekommen.

Zurück zu der in Panik versetzten Königin meines Herzens, die weit weniger armutsfest ist als ich und noch niemals einer solchen Situation ausgesetzt war. Wie konnte IHR das passieren?

Die Erklärung ist die, die ich erwartet hatte:

Mit unserer Heirat im vergangenen November nahm die Frau meinen Nachnamen an: das war ihr Verhängnis!

Nachdem sie letzte Woche endlich auch bei ihrer Bank die fällige Namensänderung auf Konto, EC- und Kreditkarten veranlasst hat, leuchteten offensichtlich alle roten Lampen der Scoring-Algorithmen der Bank auf und meine nichtsahnende arme Gattin fand sich von jetzt auf gleich in das Ghetto des finanziellen Lumpenproletariats der Konsumgesellschaft verbannt. In ihrer Vorstellung saßen wir bereits krank und obdachlos bei Fusel und Kerzenlicht unter der Oberkasseler Brücke.

Hier ist die Geschichte zum Glück nicht zu Ende; letzten Endes brachte ein Anruf bei der jahrelangen persönlichen Kundenbetreuerin dies ans Licht: eine übereifrige neue Mitarbeiterin hätte aufgrund der automatisierten Meldungen des Warnsystems der Bank den Anruf getätigt, alles sei „nur ein Missverständnis“ und selbstverständlich ändere sich nichts am Status meiner Frau als gute und willkommene Kundin.

Nachdem die Selektion an der Rampe der Kreditwürdigkeit auf diese Weise doch noch von „ab in die finanzielle Gaskammer“ zu „darf weiter arbeiten und konsumieren“ umgebogen wurde, gehen wir erst mal zur nahegelegenen Filiale der Bank, ziehen Bargeld und tauschen es beim Discounter unseres Vertrauens in Drogen um.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Das Virus und/oder die Maßnahmen zu dessen Eindämmung fahren wie ein Schwert in die Risikogruppe in den Pflegeheimen

„Soziale Distanz“ bestand für mich in letzter Zeit vor allem in der Entwöhnung von der ständigen Online-Aktivität in Sozialen Medien. Nach einigen Wochen digitaler Entgiftung erscheint mir Facebook nach wie vor als Irrenhaus, das immer lauter und irrer wird. Ganz und gar war die Entwöhnung allerdings nicht; ab und zu hab ich mal reingeschaut. Was ich sah, bestätigte meinen Entschluss, mich vorerst von diesem Marktplatz der Meinungen fernzuhalten.

Die Welt dreht sich auch ohne Facebook weiter; sie dreht sich auch weiter, ohne dass ausgerechnet ich meinen Senf zu jeder politischen oder sonstigen Wurst gebe, die in der virtuellen Öffentlichkeit der Filterblase gebraten bzw. ausgeschieden wird.

Abgeschreckt hatte mich vor einigen Wochen die zunehmende Hysterie und Irrationalität in meiner Timeline. Selbst Leute, die ich im Allgemeinen für zurechnungsfähig halte, werden angesichts der gegenwärtigen Pandemie offenbar reihenweise nicht nur zu Experten aller möglichen wissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen, sondern geben ihren gesunden Menschenverstand an der Garderobe der rechthaberischen Missioniererei ab.

Am erstaunlichsten finde ich die Zeitgenossen, denen am leichenträchtigen Funktionieren des ganz normalen kapitalistischen Geschäftsganges nie und nimmer etwas auffällt; denen die demokratischen Errungenschaften der bürgerlichen Gesellschaft wie Überwachungsstaat, Aufrüstung, Kriege und Kriegsvorbereitung, Hetze gegen Rußland und China, Verarmung und Ausbeutung allesamt und ganz grundsätzlich am Arsch vorbei gehen, solange sie (die besagten Zeitgenossen) in ihrer Nische ein Geld verdienen können.

Kaum sollen sie aber mal eine Zeitlang zur Eindämmung einer Pandemie eine Atemschutzmaske aufsetzen und sich von den lieben Mit-Untertanen etwas entfernt halten, werden dieselben Zeitgenossen zu Rebellen und Revolutionären (oder halten sich dafür), weil sie plötzlich an den staatlichen Maßnahmen lauter Freiheitseinschränkungen und Eingriffe in ihr höchst individuelles Meinen und Konsumieren entdecken.

Die Lautstärke, mit denen diese Freiheitshelden ihre „Freiheit“ zu verteidigen wähnen, steht nicht nur in auffallendem Gegensatz zu ihrem sonstigen Schweigen, wenn es um den freiheitlichen Normalbetrieb ihres geliebten (mitunter auch kritisierten) Kapitalismus geht – der unterwirft sie nämlich ebenfalls lauter Zwängen, zuallererst dem des Geldverdienenmüssens mit all seiner Ungemütlichkeit der Einsortierung der Klassengesellschaft in Arbeit und Reichtum, in Besitzende und Lohnarbeiter, in Leute, die sich das Leben leisten können und solche, die das nicht oder nur unter beständigen Härten und Nöten hinkriegen.

Sie macht auch deutlich, was für die jetzt so Empörten „FREIHEIT“ ist:

der normale Geschäftsbetrieb der Kapitalakkumulation, von dessen Zwängen und Schäden sie aber nichts wissen wollen. Dass diese schöne Freiheit DAS Herrschaftsinstrument derjenigen Interessen ist, die in einer kapitalistisch verfaßten Gesellschaft nun mal das Sagen haben, will ihnen weder im bürgerlichen Normalbetrieb noch im pandemiebedingten Lockdown auffallen – zumal sie ja ohnehin glauben, dass Demokratie keine Herrschaftsform, sondern reine Volksbeglückung ist, da man ja wählen darf. Schon der Hinweis auf Machtausübung und Herrschaftsinstrumentarium, die hierbei in dem Wörtchen „darf“ enthalten sind, entgeht einem freiheitlichen Bürger in der Regel.

Als Beschäftigter in einer Pflegeeinrichtung erlebe ich seit ca. 6 Wochen, welche Schneise die Corona-Pandemie in die Risikogruppe schlägt. Die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter verschlechtern sich mit jeder neuen Regelung, die dem Schutz der Bewohner dienen sollen – und es wohl auch tun, wenn man die Situation in Ländern wie Italien oder USA in Betracht zieht. Das Virus und/oder die Maßnahmen zu dessen Eindämmung fahren wie ein Schwert in die Risikogruppe in den Pflegeheimen. Sofern nicht daran gestorben wird, werden die Lebensbedingungen der Bewohner auf eine Weise eingeschränkt, die von immer mehr alten Menschen kaum noch ausgehalten werden.

Nicht nur, dass keinerlei Besuche von außen mehr möglich sind (weder Verwandte, noch Friseur, Fußpflege, Unterhaltungskünstler usw.), auch innerhalb der Einrichtung selber werden die Bewohner, aber auch die Mitarbeiter, auf die Wohnbereiche beschränkt und selbst diese noch einmal in Untergruppen aufgeteilt. Die Begründung dafür ist die Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten, sofern es zu einer Ansteckung kommt.

Obendrein wird jeder, der außerhalb des Geländes unterwegs war – egal ob Arztbesuch oder eine Runde um den Block – zu einer zweiwöchigen Isolation auf sein Zimmer verbannt. Mehr als einmal habe ich in den vergangenen Wochen weinende Alte vor mir gehabt, die die Situation kaum ertragen und darunter leiden, ihre Kinder, Enkel usw. nicht zu sehen.

Für die Mitarbeiter gilt inzwischen Maskenpflicht bei allen Tätigkeiten. Wer eine ganze Schicht über einen Atemschutz tragen muß, kann nur den Kopf schütteln über Maulhelden, die wegen einer einigermaßen sinnvollen Vorschrift, nämlich im ÖPNV und in Geschäften Atemschutzmasken oder -schals zu benutzen, einen Radau machen, als ob die Diktatur ausgebrochen wäre.

Ja, sie IST ausgebrochen, aber von jeher als conditio sine qua non der kapitalistischen Herrschaft: als Diktatur der Bourgeoisie, die Freiheit als Herrschaftsinstrument ihrer Macht über die Reproduktion der Gesellschaft schätzt und einsetzt. Und deren Staat diese Freiheit eben bei Bedarf auch mal einschränkt, wenn es die Aufrechterhaltung dieser Herrschaftsform zu erfordern scheint.

Man muss kein Regierungsanhänger oder Fan der bürgerlichen Staatsmacht sein, um die Maßnahmen zur Begrenzung der Infektionswege weitgehend nachzuvollziehen. Dass ein kapitalistischer Staat- zumal einer von der Wucht und dem imperialistischen Anspruch der BRD – die Gelegenheit nicht verstreichen lässt, um auch aus dieser Krise „gestärkt hervorzugehen“, wie es die Regierung verkündet, und deswegen gleich noch mal die ohnehin laufende Umverteilung von unten nach oben sowie die Überwachung und Einschränkung bürgerlicher Rechte ein paar Umdrehungen weiter schraubt: das sollte nicht überraschen.

Wie gesagt habe ich gelegentlich doch mal in die Facebook-Timeline reingeschaut. So schnell wie ich bei den hysterischen Besserwissern und Freiheitsaposteln weiter gescrollt habe, so lange bin ich verharrt bei den – nicht so zahlreichen, aber durchaus vorhandenen – Beiträgen, die sozusagen die Weltvernunft widerspiegeln. Bei letzteren handelt es sich ausnahmslos um solche, die die derzeitige Situation in den Zusammenhang stellen mit dem umfassenden Anschlag der herrschenden Klasse auf die Lebensbedingungen und ideologische Gesundheit der lohnabhängigen Klasse, der schon vor der Pandemie epidemisch war.

Als Quelle einer für medizinische Laien wie mich vernünftig erscheinenden Einschätzung der Pandemie haben sich für mich die Veröffentlichungen von Prof. Paul R. Vogt in der „Mitteländischen Zeitung“ erwiesen:

https://www.mittellaendische.ch/2020/04/20/covid-19-update-von-prof-paul-r-vogt

Ebenso die Beiträge „Pandemie I“ bis „Pandemie V“ des GEGENSTANDPUNKT, die politische Einordnung der Pandemie betreffend:

https://de.gegenstandpunkt.com

Philanthropische Agenden von Software-Milliardären

Im Windschatten der Corona-Pandemie hört und liest man jetzt oft von den Bemühungen eines gewissen us-amerikanischen Milliardärs, mit seinem marktwirtschaftlich korrekt zusammengeraubten Vermögen der WHO und besonders deren Impfprogrammen auf die Sprünge zu helfen.

Besagter Bill Gates hat es zwar noch nicht mal geschafft, die Viren zu beseitigen, die beständig in seinen dubiosen Software-Produkten zu finden sind, scheint aber besessen von der Idee zu sein, mit genügend Impfstoffen (und ganz viel testweisen Impfreihen in „Entwicklungsländern“, bei denen häufig Zwang und Druck auf so ungebildete wie ahnungslose menschliche Versuchskaninchen ausgeübt wird) alle möglichen Erkrankungen und Epidemien aus der Welt zu schaffen – anstatt Hunger, Armut, Wassermangel, katastrophale hygienische Zustände etc. anzugehen.

Dieser Artikel von Robert F. Kennedy jr. nimmt die mehr oder weniger kriminellen Machenschaften unter die Lupe, mit denen Gates – an Regierungen und Nationalstaaten vorbei (oder mit deren erkaufter Komplizenschaft) – seine wohltäterische (in Wahrheit wohl steuersparende und psycho-kompensatorisch motivierte) Agenda unters Volk zu bringen versucht. Es ist recht gruselig:

ZEIT für Warnungen vor der Gelben Gefahr!

Auch das Pflichtblatt der Höheren Verwaltungsbeamten und Gymnasiallehrer kann in diesen (für das westliche Reich der Freiheit) schweren Zeiten nicht umhin, vorm Chinamann zu warnen.

Bekanntlich wird dieser, so der Artikel, ja von einer „kleptokratischen Partei“ regiert, die sich wiederum (weil kommunistisch) vor allem durch „Knechtungslust“ auszeichnet. Was man einerseits nicht anders kennt bei Kommunisten, andrerseits haben diese roten Schlitzaugen die übliche kommunistische Unterdrückung des freien Unternehmertums… hm, das blüht und gedeiht allerdings im Reich der Mitte, aber egal: Kommunisten unterdrücken einfach per definitionem.

Jedenfalls hat die kleptokratische Partei dort unten einen „digitalen Leninismus“ erfunden, der ganz besonders fies ist, denn die Leute machen ihn alle mehr oder weniger mit. Noch schlimmer: er ist viel eleganter und subtiler als westliche Polizeistaatsmethoden; eine Tatsache, die den besorgten Schreiber gleich auf die richtigen, wichtigen Fragen bringt:

„… wie wird man der chinesischen Politik noch Repression vorwerfen können, wenn hierzulande die Polizei Parks daraufhin abkämmt, ob sich mehr als zwei Leute im Busch lümmeln? Wie wird man den Chinesen Brutalität vorwerfen können, wenn dort – im Gegensatz zur westlichen Welt – zumindest wieder ein öffentliches Leben existiert?“

Am gemeinsten aber die wahrhaft ausgefuchste Methode der chinesischen Freiheitsfeinde, sich als ganz normale, harmlose Regierende zu präsentieren, wo doch jeder weiß, dass sie MACHTHABER sind:

„Die Machthaber sind klug genug, nach außen ein menschliches, ein tolerantes Antlitz des Sozialismus zu präsentieren, was in Europa, das von der Abneigung gegen Trump blind beseelt ist, auch durchgeht.“

Eine Regierung, die „nach außen“ tolerant und menschlich erscheinen will?! Zum Glück sind solche faulen Tricks im wertewestlichen Paradies ausgeschlossen!

Ein Video, gleichzeitig schlicht sachlich und subtil ideologisch

Finde ich mal ganz sachlich und erfrischend nüchtern. Frau mit Plan, offensichtlich.

PS eine halbe Stunde später, nachdem ich das Video komplett gesehen habe (vorher nur das Transkript überflogen).

Auch diese Dame – beim ÖR beschäftigt – läßt den Zustand „unseres Gesundheitswesen“ als gegebene Größe in ihre allerdings praktischen wissenschaftlichen Betrachtungen auf eine Weise einfließen, die vom Status Quo als gegebener Größe ausgeht. Motto: so isses nun mal, da kann man nix machen, muß man sich auch nicht mit befassen weil man kannś ja eh nicht ändern.

Sie teilt die Sorge professioneller Verantwortlicher für die Volksgesundheit, dass dieses „unser“ Gesundheitssystem durch die Pandemie bald überlastet wird und zusammenbrechen könnte. Auf die naheliegende Idee, dann eben ein paar der unzähligen Milliarden, die der Staat jetzt offenbar mobilisieren kann, in den Gesundheitssektor zu stecken, das dort tätige Personal aufzustocken, anständig zu bezahlen, die Gesundheits-Infrastruktur wie Kliniken, Pflegeheime usw. wieder zu re-kommunalisieren, kommt sie nicht bzw. darf sie vermutlich als Beschäftigte im ÖR nicht kommen.

Kapitalismus, und damit der allumfassende Zwang zur Kostensenkung für Profitabilität, ist eben auch ihr DAS Lebensmittel der Gesellschaft, das wie die Luft zum Atmen hingenommen wird.

Abgesehen von dieser Kleinigkeit aber rein faktisch ein eher nützlicher Beitrag; unterm Strich kann man ihm entnehmen, dass die derzeit getroffene Maßnahmen wohl noch eine ganze Weile aufrechterhalten werden müssen, wenn die sogenannte Reproduktionszahl des Virus auf den FÜR DIESES GESUNDHEITSWESEN benötigten niedrigen Wert von unter 1,1 gebracht werden soll.

(Das wirft für den kennerischen marktwirtschaftlichen Sachverstand in absehbarer Zeit natürlich die nächste Frage auf: Ab wann ist der Lockdown und in seiner Folge die Beschädigung des nationalen Geschäftslebens, einfach nicht mehr tragbar, so dass, damit der Laden wieder brummt, auf für die Geldvermehrung hinderliche Einschränkungen verzichtet gehört?)

Chinamann auf frischer Tat ertappt

Erwischt!

Der „Spiegel“, das seriöse Hamburger Faktenmagazin für Virologie und Gelbe Gefahr, hat den Chinamann auf frischer Tat ertappt: er schönt, fälscht also, seine Corona-Statistik!

Die zweifelsfreie Quelle für diesen hieb-, stich- und glaubensfesten Nachweis kommunistischer Perfidie liefert das Qualitätsmedium gleich mit: niemand anders als die bekanntermaßen extrem seriösen „US-Geheimdienste“ sind dem Chinesen auf die Schliche gekommen!

Zumindest haben diese Dienste, wie immer im Dienst der freiheitsliebenden Menschheit unterwegs, „Erkenntnisse“. Diese wiederum beweisen – ach nein, „legen nahe“ dass der Feind im Osten irgendwie schon wieder krumme Dinger drehen „könnte“. Das ist Beweis genug, der „Spiegel“ hat seine Headline und der freiheitliche-demokratische Bürgerverstand fühlt sich bestätigt in seinem soliden Wissen über die enorme Gefahr, die der Chinese an sich, insbesondere aber die kommunistische Diktatur, die dort hinten am Ruder ist, darstellt.

„Was ist von den chinesischen Daten zu halten“, fragt der „Spiegel“ so arglos wie berechnend seine Leser, und die wissen die Antwort sowieso schon: natürlich gar nichts.