Der Regen fällt nach unten

Wunderbar, wie das Fachmagazin für Businessversteher hier schon im Teaser die nicht zu hinterfragende conditio sine qua non klarstellt:

Ein gewichtiger Bourgeoisvertreter wie der Chef des größten deutschen Versicherungskonzerns lehnt nicht (aus Sorge um das Geschäftsergebnis) Schadenzahlungen seines Ladens ab, BEHAUPTET also an diese Stelle zunächst mal die Zahlungsunwilligkeit des Konzerns, den er führt – sondern ERKLÄRT, warum die Allianz nicht zahlen KANN. So wie man einem dummen Schulbuben erklärt, dass Regen nach unten fällt.

An answer to a friend who claims that the solution to mankind’s problems is “our primitive consciousness” and that “we should listen to people of higher consciousness”

N., you are just relocating ordinary submissiveness to authority to a “spiritual” level.

First of all, there’s no “we” (I am reminded of Osho, who used to say something like “there’s no humanity, only individual human beings”).

There are, however, different and antagonistic interests und purposes within a class society.

I know that you “spiritual” people hate to swallow this, but when all your talk of esotericism and “higher consciousness” is stripped naked, there’s nothing there to answer the simple, ordinary human beings who struggle to make a living in a world of abundant resources.

It is NOT because they don’t listen to some Gurus higher consciousness that living on a paradisiacal planet is a living hell for too many fellow human beings (and animals).

It is because they are being used for the enrichment of the ruling class, forced under the rule of wage labour and capitalist growth, in short: exploited.

No secrets around this.

Instead of belly-gazing and speculating about “primitive” and “higher” consciousness I’d rather recommand the consciousness of toppling an economic system which by its very principle (unlimited growth at the expense of the dispossessed classes) cannot supply a decent living for the majority of people.

THAT’s the consciousness which can be used for the creation of a planned economy controlled by the producers, where no esoteric ballyhoo is needed.

Presseschau: der „Spiegel“ warnt mal wieder vor der Gelben Gefahr

Die FREIE WELT hat natürlich auch die FREIESTE PRESSE des bekannten Universums. Dank dieser sind wir immer umfassend aufgeklärt, wer in dieser Schlacht gegen das „chinesische Virus“ (der US-Präsident) die Guten und wer die Bösen sind.

In diesem soliden Stück Relotius-Gedächtnis-Journalismus macht das Hamburger Fachblatt für Feindaufklärung gleich im letzten Satz der Einleitung klar, an WEM wegen seiner Zahlenangaben, vor allem aber wegen seiner (trotz höchst erfolgreichem kapitalistischen Wirtschaftens) grundsätzlich kommunistischer Umtriebe verdächtigen Gesamteinstellung, ernste Zweifel bestehen: natürlich am Chinamann!

Will man als geneigter Leser Näheres erfahren, läßt einen das Flagschiff seriöser Qualitätsinformation nicht im Stich und führt seinen begründeten Anfangsverdacht gegen die Gelbe Gefahr mit genau EINEM Satz aus, der allerdings über jeden Zweifel erhaben ist, denn er gibt die Einschätzung des bekannten Virologen D.T. wieder, der im Nebenberuf US-Präsident ist.

Beruhigt über die Welterklärung der demokratischen Edelfedern von der Elbe lehne ich mich im Sessel zurück und bin mal wieder froh, in dieser besten aller alternativloseste Welten leben zu dürfen.

„Ein Volk, eine Regierung, ein Virus!!“

Fünf Minuten öffentlich-rechtliches Fernsehen und ich bin überwältigt von soviel Volksgemeinschaft und Heldentum.

Ein Land, das sowieso schon zu den Besten der Welt gehört, wächst in der Krise zusammenhaltsmäßig über sich hinaus, steht astrein da und hat im Grunde trotz kleinerer Engpässe alles voll im Griff. Natürlich dank seiner entschlossen zupackenden Politiker, die in dieser Stunde der Not keine Parteien mehr kennen, sondern nur noch die deutsche Wirtschaft, also uns alle, die wir von deren Wachstum abhängig sind.

Am schönsten aber die vielen Beispiele aufrechter Volksgenossen, die vorbildlich die nationale Gemeinschaft mit Initiative, Tatkraft, Selbstlosigkeit und Hilfsangeboten aller Art bereichern. Man möchte Schluchzen vor Rührung über derart zahlreiche Beispiele patriotischer Größe und Opferbereitschaft.

Die öffentlich-rechtliche Erbauungssendung erreicht schier kirchenfunkmäßige Dimensionen, als am Beispiel eines Krankenhauses das deutsche Gesundheitssystem besichtigt wird, und außer sauberen Fluren, leeren Betten und wunderbar beruhigenden Zahlenbeispielen („nur 100 von 10.000 freien Intensivstationsbetten mit Corona-Patienten belegt!!“) nur die wahrhaft makellose Güte der nationalen Rundum-Versorgung des Volkskörpers gefeiert wird.

All diese guten Nachrichten leuchten auch dem stets dienstbereiten und gehorsamen Volk schwer ein; es honoriert sie medial vermittelte Qualität seiner Wirtschaft und Infrastruktur und die einsame Klasse der politischen Macher, die erstere kommandieren, mit satten Zustimmungsraten.

Am Ende dieser paar Minuten Qualitätsmedienkonsum widerstehe ich gerade noch so dem Impuls, stramm zu stehen und in den Ruf „Ein Volk, eine Regierung, ein Virus!!“ auszubrechen.

Kapitalistische Ethik auf der Höhe der Zeit

Oh, die Sorgen der kapitalistischen Ethikspezialisten um sachgerechtes Abwägen zwischen dem notwendigen Wirtschaftswachstum und den dabei in Normalzeiten schon nicht zu knapp, jetzt aber gehäuft anfallenden Leichen!

Wie exquisit die Problemstellung, wie allseitig der das Für und Wider balancierende Gedankengang der ideellen Hüter unserer alternativlosen Ordnung!

Das Sandfrauchen ist da

Eben die letzten zwei, drei Minuten der Merkel-Ansprache an die Nation gehört. Ich weiß ja nicht, was die Frau vorher gesagt hat – das, WAS ich gehört habe, hat mich ziemlich sprachlos gemacht. Sprachlos nicht wegen des belanglosen, pfaffenhaftem Beschwörens der Volksgemeinschaft, die nun zusammenstehen müsse und dergleichen Politikersprech mehr, das man gewohnt ist von den regierenden Nationalisten.

Sprachlos gemacht hat mich der Tonfall, die Sprechmelodie, das aufgesetzte beruhigen-wollende Salbadern dieser Machtpolitikern: sie spricht zu ihren Untertanen wie eine Pflege- oder Betreuungskraft zu schweren Fällen von Demenz. Oder wie eine Kindergärtnerin zu ihren Vorschulhosenscheissern.

Offensichtlich hält diese Herrscherin ihr Volk für durchweg debil, unmündig und begriffsstutzig – und deshalb einer Ansprache bedürftig, die mit langsamen, kindgerechten Gemeinplätzen die Gemüter beruhigt und alle schön schlafen läßt.

Mag sein, dass ich beruflich vorbelastet bin. In der Arbeit mit dementen Menschen nennt man das Eingehen auf ihre dementiell veränderte Welt, das Bestätigen ihrer orientierungslosen Verlorenheit in einer zunehmend fragmentierten subjektiven Wirklichkeit, „Validation“ – eine zugewandte Kommunikationstechnik, die dem Gegenüber nicht Widerspruch (auch bei eindeutigen nicht in der „normalen“ Realität fundierten oder Wahnvorstellungen) zumutet, sondern es dort „abholt“, wo es sich befindet.

Dieser Technik bedient sich Merkel in ihrer Ansprache an die Beherrschten.

Corona: Umgang mit der Pandemie in West und Ost

Je mehr man über den Umgang der Staaten mit der Corona-Krise liest und hört, umso deutlicher wird:

Der „Wertewesten“ reduziert sich in der Krise auf nationalen Egoismus, Offenlegung der maroden und kaputtprivatisierten Gesundheitssysteme, Hilfen für das Kapital bei gleichzeitiger „Privatisierung“ der Shutdown-Auswirkungen für die Bevölkerung, und eine generelle „Rette sich wer kann“-Mentalität auf staatlicher und privater Ebene (bei paralleler floskelhafter Beschwörung des „Zusammenhalts“, der „Gemeinsamkeit“ und anderer Sprechblasen, mit denen die nationale Arbeitsmannschaft aufs Durchhalten und Funktionieren eingenordet werden soll, klar).

Praktische Solidarität und wirkliche Hilfe kommt von den medial Verfemten der imperialistischen Weltordnung:

Kuba, Venezuela und vor allem China.

Jeder der will kann es sehen: der Westen ist im Arsch, die EU ist am Ende, während der Sozialismus in der Lage ist, angemessen auf eine Krise dieser Dimension zu reagieren.

Der Coronavirus bringt es an den Tag: Chines’ und Perser – unfähig!

Darauf hab ich gewartet:

Nach dem CHINESEN, der bekanntlich nicht nur die Corona-Pest über die Welt brachte (dass das Virus aus einem US-Biowaffenlabor entwichen sein soll, wie der chinesische Außenministerium jetzt nahelegt, ist natürlich eine typisch kommunistische Verschwörungstheorie) zeigt sich nun auch der IRANER von seiner ganzen antiwestlichen wertefeindlichen Seit.

Er hat nämlich das Coronavirus erstens nicht unter Kontrolle , zweitens tut er nichts und  obendrein gibt er drittens noch dem Ausland die Schuld!
Das liegt natürlich daran, dass der Iraner keine Regierung, sondern ein REGIME hat.

Während z.B. die italienische Regierung den Coronavirus voll unter Kontrolle hat und die deutsche Regierung handelt dass es kracht, herrscht beim Perser – typisch Mullahs! – das nackte Chaos.

Fehlt nur noch der Russe. Bei dem wird das Virus erst recht endgültiger Beweis für die ganze unverbesserlich-bolschewistische Verschlagenheit dieses Menschenschlages sein. Zum Glück ist die freiheitsverteidigende Abwehrmaßnahme “Defender 2020” an der iwanesischen Westgrenze nur eingefroren, so daß wir bei Bedarf den Russen vom Corona- und vom Putinvirus gleich mit befreien können.

Ideologie.

Feindwort bei Leuten, die sich für ideologiefrei halten. Keine Ideologie zu haben, unideologisch an die Sachen heranzugehen, ist ihre Ideologie. Ideologen sind nur die anderen – und die sind durch diesen Zustand bereits so abqualifiziert, dass man sich jede Erörterung der Inhalte ihrer Ideologie im Grunde ersparen kann.

Dass das Wort bloß „Ideenlehre“ bedeutet und einfach die Ausstattung mit Anschauungen, Werten usw. bezeichnet, die sich ein Verstand im Laufe seines Daseins unter dem Einfluß seiner Umwelt und seiner Erfahrungen so zurechtlegt, ist unseren ideologiefreien Ideologen zu einfach – für sie ist „Ideologe!“ ein Kampfbegriff, der den begrenzten geistigen Horizont des so Benannten kennzeichnen soll.

Die Ideologie, derzufolge Kapitalismus die natürliche Ordnung des Menschen und seiner Wolfsnatur sein soll und als solche auch noch gleich den alternativlosen Endzustand der menschlichen Geschichte darstellt, weist empört die Unterstellung zurück, Ideologie zu sein: gerade sie nimmt sich ja die Freiheit, die Welt unideologisch anzuschauen, ohne die Scheuklappen einer bestimmten Ideologie – und kommt so frei und vorurteilslos zu dem Schluss, dass nur die kapitalistische Ordnung der Welt dem freien, nicht von einer Ideologie eingezwängten Bürger gemäß ist.

So hat sich das bürgerliche Gemüt ganz ideologiefrei zu der Erkenntnis vorgearbeitet, dass es in dieser wunderbaren Welt der (Ideologie-)Freiheit bestens aufgehoben ist und singt, frei wie ein Vögelchen, das Lied der Freiheit noch, während die Käfigbesitzer schon im Kochbuch blättern.