Das schweizerische Bourgeoisblatt „NZZ“ bringt einen Artikel über die Regierungskrise beim nördlichen Nachbarn, den es so einleitet:
Der deutsche Kanzler gilt in der eigenen Partei zunehmend als Belastung, seine Autorität schwindet rasant. Doch noch wagt niemand den offenen Aufstand.
Der Mann macht alles richtig. Jedenfalls aus Sicht der Interessen, die hinter ihm stehen und die er vertritt: er organisiert den militaristisch-reaktionären Staatsumbau des deutschen Kapitalstandortes und schlachtet die noch funktionierenden und profitablen Teile der Volkswirtschaft so aus, dass privates Kapital – internationales Finanzkapital vor allem, da kennt er sich als früherer Blackrock-Angestellter aus – optimal davon profitiert.
Das Problem seiner ideellen Auftraggeber (ideell, weil man Leuten wie Merz keine „Aufträge“ erteilen muss; solche „Entscheidungsträger“ haben die neoliberale Ideologie so verinnerlicht, dass sie die entsprechende Politik als eigene Entscheidungen wahrnehmen) ist nur, dass der Finanzkapital-Interessenvertreter, den sie da glücklich ins Kanzleramt bugsiert haben, eine stocksteife, hölzern und schlecht kommunizierende Charaktermaske ist, deren öffentliches Auftreten eher an einen rechthaberischen Konzernchef mit Prostataproblemen erinnert als an einen gewieften Politiker, der die gewohnheitsmäßigen Weichspüler- und Einschleimfloskeln beherrscht, die in diese Berufsgruppe im Umgang mit der Öffentlichkeit üblich und gefordert sind.
Hinzu kommt, dass Merz offensichtlich entweder keine oder die falschen Kommunikationsexperten und PR-Berater um sich hat, oder dass er einfach nicht auf diese hören will bzw. kann. Der Mann ist, was die kommunikationspolitische Außenwirkung betrifft, ein einziges Desaster.
Die Deutschen wollen keinen Kanzler, der ihnen Krieg und Verarmung zumutet und ihnen dazu noch täglich um die Ohren haut, sie seien erstens zu dumm und zu faul, seine großartige Politik richtig zu würdigen und sie sollten sich zweitens gefälligst mehr anstrengen (Politsprech für: mehr Opfer bringen), damit Deutschland wieder groß und mächtig wird.
Die Deutschen wollen einen Kanzler, der ihnen bei der Ankündigung dieser Zumutungen Honig ums Maul schmiert, sie wollen einen Volkstribun, bei dem es menschelt, einen, der wirkt wie jemand, mit dem man auch mal ein Bierchen trinken oder einen Fußball treten kann. Dann machen sie wie immer alles mit und lassen sich in den nächsten Krieg gegen Russland führen. Mit dem unglückseligen Herrenreiter-Pinocchiokanzler allerdings wird das nix.
Ein kleiner Einblick in den monumentalen Korruptionssumpf namens „Ukraine“.
Die handelnden Akteure, eine Mischpoke aus früheren Fernsehproduzenten und -komikern und verbundenen Oligarchen, mit samt ihrer hochkriminellen mafiösen Entourage haben bekanntlich seit einigen Jahren die „Once in a Lifetime“-Gelegenheit ergriffen, sich bis zur Besinnungslosigkeit zu bereichern, indem sie im Auftrag des Westens einen Krieg gegen Russland vom Zaum brachen.
Die hier übersetzten kurzen Beschreibungen entstammen dem äußerst verdienstvollen Blog „Events in Ukraine“, das ein meines Wissens nach in den USA lebender ukrainischer Exilant führt, der offensichtlich über allerbeste Quellen und Verbindungen in den Bandera-Staat verfügt. Leider ist nach dem letzten Satz der vorliegenden Übersetzung eine Paywall zwischengeschaltet, so dass der sicher hochinteressante weitere Verlauf der Erzählung nicht vorliegt.
Wir können aber sicher sein, dass er ähnlich kriminalistisch unterhaltsam ist wie das hier zu Lesende und wie alles, was sich im Umkreis des gigantischen Schwindel- und Geldwäschegeschäfts Ukraine-Projekt so abspielt.
Viele werden es bedauern, dass die Geschichte demnächst vorbei ist. Vor allem natürlich die, die über die Maßen davon profitiert haben – wozu nicht alleine die Selenskyj-Clique und ihr kriminelles Umfeld zu zählen sind, sondern sehr, sehr weite Kreise der westlichen Unterstützer, die erstens durch die Aufträge an die heimische (vor allen in den USA beheimatete) Rüstungsindustrie und sicher auch durch nicht unwesentliche KickBacks von der Geschichte profitieren.
Auch die Think Tanks und Medien, die das Schneeballsystem „Ukraine-Projekt“ rotzfrech und mit erfrischender Chuzpe als „Kampf von Demokratie gegen Autokratie“, von „westlichen Werten gegen russischen Imperialismus“ und so weiter beschreiben, werden erst mal lange Gesichter ziehen, wenn Russland, so wie es jetzt aussieht, die Geschichte abschließend erledigt. Aber sie werden sicher den nächsten Aufhänger finden, mit dem sich gutes Geld verdienen und das westliche Publikum verarschen lässt.
Schneekönig Srlenskij und seine vormalige Graue Eminenz Andrej YermakDer geschasste Kriegsminister Mikhailo Fedorov, das „Drohnen-Wunderkind“Brennender Schwarzmeerhafen Odessa
Wie sieht es also mit der „größten politischen Krise der Ukraine seit Kriegsbeginn“ aus, wie die westliche Presse die Fedorov-Affäre bezeichnet hat? Kann die Ukraine „ohne Fedorov überleben“?
Nun, wie sich herausstellt, wurde Fedorov wahrscheinlich von Selenskys Lieblingsdrohnenhersteller vor die Tür gesetzt. Er hat ihnen nicht genügend Aufträge verschafft. Wie üblich verbreitet das Unternehmen zudem offensichtlich übertriebene Behauptungen über seine Produktionskapazitäten für Drohnen. Das hält Selenskyj jedoch keineswegs davon ab, ihm den Auftrag zur Entwicklung eigener Patriot-Raketen für die Ukraine zu erteilen – ein Vorhaben, das sicherlich sehr kostspielig, wenn auch nicht unbedingt erfolgreich sein wird (aber nach welchen Maßstäben?).
Unterdessen sind 80 % der ukrainischen Exporte aufgrund russischer Angriffe auf Häfen und Schiffe derzeit eingefroren. Und nun, da die Ukraine die russische Einzelhandelsinfrastruktur ins Visier genommen hat, wird Russland dasselbe mit der Ukraine tun. Ein totaler Krieg steht auf der Tagesordnung.
Darüber hinaus sind die langen Distanzangriffe auf die russische Energieversorgung, die Fedorov so gerne für PR-Zwecke genutzt hat, nicht mehr wirksam, sodass Russland sogar in der Lage ist, die Treibstoffbeschränkungen zu lockern. Ukrainische Militäranalysten betonen, dass Russland das ukrainische Stromnetz weiterhin weitaus stärker beschädigt als umgekehrt, wobei der Präsident den bisher schlimmsten Winter prognostiziert.
Glücklicherweise gibt es auch einige heitere Nachrichten. Neue Textnachrichten zwischen der Astrologin Veronika Feng Shui und Selenskyjs „ehemaligem“ (tatsächlich unsterblichem) Stabschef Andriy Yermak haben die Twin Towers getroffen. Darin rät die allmächtige Weise dem ebenfalls mächtigen Jermak, wie er „unseren Freund“ (den Präsidenten) am besten „beraten“ kann, um ihm eine Abneigung gegen Fedorow einzuflößen. Jermak gefielen Fedorows beunruhigend gute PR-Fähigkeiten und seine „Beliebtheit“ nicht. Und so beschloss Jermak, der trotz fehlender offizieller Ämter und eines laufenden Gerichtsverfahrens wegen Korruptionsvorwürfen nach wie vor ein einflussreicher Akteur ist, Anfang dieses Monats, Fedorow ein für alle Mal loszuwerden. Schließlich haben in der vergangenen Woche Zelensky- und Jermak-treue Medienkonzerne Behauptungen veröffentlicht, wonach mit Fedorow verbundene Sicherheitsfirmen weiterhin Produkte an Russland verkaufen.
Leider müssen wir mit einer ziemlich blutigen Meldung schließen, die jedoch das heutige Thema Sprengstoff, Korruption und Jermak fortsetzt – der jüngste ballistische Raketenangriff auf eine Drohnenmesse in einem Wohngebiet. Sie trug bedauerlicherweise den Titel „CRITICALLY SAFE. Eine praktische Demonstrationsveranstaltung“.
Es sieht wirklich danach aus, dass die schier übermenschliche Geduld der russischen Regierung mit den immer frecheren Provokationen, der immer dreisteren Eskalation durch die westlichen Staaten und deren ukrainischem Humunkulus ein Ende gefunden hat.
Vermutlich nicht, weil Präsident, Armeeführung und Sicherheitsrat sich plötzlich von Emotionen leiten lassen. Eher werden sie sich sagen: Wenn wir die Sache jetzt nicht beenden, werden NATO & EU es drauf ankommen lassen, dem Kiewer Regime Langstrecken-Marschflugkörper zur Verfügung stellen und letztlich offen mit eigenen Truppen eingreifen.
Dies immer in der Annahme – die sie sich selbst so lange einreden, bis sie sich selber glauben – dass Russland sich alles gefallen lassen wird und nicht reagieren wird („Putin blufft nur!“), weil Moskau Angst vor Artikel 5 des NATO-Vertrages hätte. Dazu sagt das Zitat von Col. Daniel Davis weiter unten viel Interessantes und Besenkenswertes aus.
Der Telegram-Kanal „Ukraine Watch“ listet die Ziele auf, die Russland in der Nacht zum 06. Juli getroffen hat:
NEUE VARIANTE DER RUSSISCHEN DROHNE: GERAN-4 „SIKER“
Russland setzt eine neue Variante der „Geran“-Drohne („Siker“) ein, um die ukrainische Kraftstoffinfrastruktur systematisch zu zerstören, wodurch eine Kraftstoffkrise ausgelöst und die Einsatzfähigkeit der ukrainischen Streitkräfte untergraben wird.
Weitere Details zu dieser Variante:
Angriffseffektivität:
Russische Streitkräfte führen Präzisionsangriffe auf Tankstellen und Lagerstätten durch und zielen dabei auf Schwachstellen ab, um maximale Zerstörung zu erzielen.
Innerhalb von zwei Monaten wurden über 150 Tankstellenkomplexe außer Gefecht gesetzt. Anlagen in den Regionen Charkiw, Nikolajew, Tschernigow, Sumy und Saporischschja wurden zerstört.
Neue Modifikation „Geran-4 Siker“:
Die Drohne wurde mit einem Turbostrahltriebwerk, einem verbesserten Leitsystem und einer optischen Zielerfassung ausgestattet. Dies ermöglicht es den Bedienern, den Flug zu steuern und den Zielangriff anzupassen.
Vorteile gegenüber der Luftabwehr:
Die „Siker“ fliegt in größeren Höhen (bis zu 5 km) und mit höheren Geschwindigkeiten, wodurch sie für viele ukrainische Luftabwehrsysteme unerreichbar ist. In der Endphase beschleunigt die Drohne, was das Abfangen erschwert.
Wirtschaftlicher Aspekt:
Selbst wenn es von teuren Raketen (IRIS-T, NASAMS, AMRAAM) abgefangen wird, verursacht der „Siker“ wirtschaftlichen Schaden, da seine Kosten um ein Vielfaches geringer sind.
Folgen für die ukrainischen Streitkräfte:
Die Angriffe untergraben die logistische Unterstützung: Sie stören die Treibstoffversorgung des Militärs und nehmen ihm die Möglichkeit, Generatoren für militärische Zwecke zu betanken.
Dies mindert die Kampfkraft und die psychische Widerstandsfähigkeit der ukrainischen Streitkräfte. Zudem ist zu beobachten, dass zivile Transportunternehmen zunehmend zögern, Treibstofflieferungen zu übernehmen.
Col Daniel Davis/Deep Dive bringt eine gute Analogie in seinem gestrigen Podcast:
Versetzen wir uns einmal in die Lage der Russen: Wenn die Situation umgekehrt wäre und es nun die amerikanische Seite beträfe – also unser eigenes Land –, und wir würden Raketen abbekommen, die entweder von mexikanischen oder kanadischen Truppen abgefeuert würden, denen die Russen oder Chinesen die Raketenkomponenten zur Verfügung gestellt und denen sie zudem die Zieldaten übermittelt hätten.
Und dann wird Austin, Texas, getroffen, Chicago, Illinois, wird getroffen, Washington, D.C., wird getroffen, und jeden zweiten Tag gibt es Drohnenangriffe, und Anlagen in Port Arthur, Texas – unsere Ölanlagen – werden getroffen. Vielleicht sogar in Alaska. Unter keinen Umständen auf der Welt würde ich sagen: „Na ja, wir können nur gegen die Typen in Mexiko oder Kanada vorgehen, woher auch immer die Raketen kamen.“ Wir können einfach nicht gegen die Russen oder die Chinesen vorgehen. Wir müssen sie einfach ungestraft davonkommen lassen.“
Würdet ihr das tun? Ganz ehrlich, vor allem an meine kriegsbefürwortenden Freunde gerichtet: Würdet ihr das tun? Würdet ihr sagen: „Hey, wenn wir uns in einem Stellvertreterkrieg befinden und China oder Russland entweder Kanada oder Mexiko gegen uns unterstützt und sie all die Ziele treffen, die ich gerade in den Vereinigten Staaten erwähnt habe – würdet ihr dann sagen, dass das eben die Regeln sind, Freunde? Wir können nur die Abschussstellen im kanadischen oder mexikanischen Szenario angreifen, aber uns sind die Hände gebunden. Gegen China und Russland können wir nichts unternehmen, also kommen sie einfach ungeschoren davon.“
Muss ich die nächste Frage überhaupt stellen? Wir wissen, was wir tun würden. Wir drehen schon durch, wenn jemand, der mit China in Verbindung steht, auch nur wirtschaftlich in unserer Hemisphäre aktiv ist. Ganz zu schweigen von militärischen Aktionen – und erst recht davon, dass sie tatsächlich einen Angriff auf amerikanischem Boden ermöglicht hätten.
Weißt du, wie wir reagieren würden? Und Russen sind Menschen, genauso wie Chinesen Menschen sind. Amerikaner sind Menschen, Briten, Israelis, Palästinenser – Menschen sind Menschen. Sie unterscheiden sich nicht von uns. Und niemand wird ewig tatenlos zusehen, wenn er die Mittel hat, etwas zu unternehmen.
Und man sieht, dass sie sich seit viereinhalb Jahren zurückhalten. Aber wir bereiten möglicherweise arrogant unseren eigenen Untergang vor, wenn wir glauben, dass sich das niemals ändern wird. Und vor allem, wenn man die Signale aus Russland sieht, dass sie über einen Kurswechsel nachdenken – sie sprechen aktiv und offen auf höchster Ebene darüber.
Dmitri Pascov hat, glaube ich, an diesem Wochenende erneut ziemlich deutliche Worte gefunden und gesagt: „In jeder Hinsicht befinden wir uns jetzt in einem direkten Konflikt mit den NATO-Staaten.“ Das richtet sich wahrscheinlich an sein heimisches Publikum, um die Weichen zu stellen: „Hey, wir müssen etwas dagegen unternehmen“, und dieser Druck, von dem ich Ihnen erzählt habe und der von den Falken in Russland ausgeht, beginnt, Wirkung auf den Kreml zu zeigen.
Und es ist keineswegs ausgeschlossen, dass sie irgendwo innerhalb der NATO zuschlagen könnten – ob nun mit oder ohne Artikel 5 –, denn ich weiß aus einer Reihe russischer Quellen, die mir Aufschluss über die Denkweisen in den obersten Rängen der russischen Seite geben, dass viele von ihnen nicht an Artikel 5 glauben. Sie glauben, dass die Westler im Grunde Feiglinge sind und dass, wenn es hart auf hart kommt, niemand Brüssel, Amsterdam, London oder Berlin gegen irgendetwas in der Ukraine eintauschen wird.
Und sie sagen: „Wenn ihr so weitermacht, dann kommt hier der erste Schlag.“ Sie werden irgendeine militärische Einrichtung angreifen, eine Fabrik, in der Drohnenteile hergestellt werden, Raketenkomponenten produziert werden usw., oder irgendeine andere Art von militärischer Einrichtung. Vielleicht ein Kommando- und Kontrollzentrum, vielleicht einen Ort, an dem Satellitenbilder verarbeitet werden. Diese werden dann nach Kiew weitergeleitet. Ich weiß es nicht. Das ist es, was in letzter Zeit in ihrer öffentlichen Presse geschrieben wurde.
Aber wir machen uns etwas vor und steuern auf eine Katastrophe zu, wenn wir einfach in dem Glauben handeln, dass Russland niemals etwas unternehmen wird und dass Artikel 5 eine Trumpfkarte ist. Hoffen wir, dass es hier nicht so weit kommt, Leute.
Das ist politischer Zynismus in Reinform. Erst Friedrich Merz, der in einer öffentlichen Debatte einer schwerkranken Frau sinngemäß erklärt, das Bürgergeld sei doch großzügig genug und als Antwort auf ihre Bitte um Entschuldigung kommt eine Autogrammkarte. Nicht einmal ein persönliches Schreiben. Kein Wort des Bedauerns. Nur Hochglanzpapier mit Unterschrift. Bürokratische Empathie aus dem Copyshop.
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Dann Jens Spahn beziehungsweise sein Büro: Der Hinweis, sie hätte ja eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können. Und wenn nicht? Dann eben Haus verkaufen.Natürlich. Warum auch nicht. Schwer krank? Verkauf dein Elternhaus. Existenzangst? Optimier dein Vermögen. Krebstherapie? Vielleicht noch schnell einen Maklertermin zwischen Chemo und Behördenanträgen.
Das ist diese berühmte „Eigenverantwortung“, von der konservative Sozialromantiker so gerne sprechen, immer dann, wenn es um Menschen geht, die gerade am Abgrund stehen. Bemerkenswert ist dabei vor allem die politische Fallhöhe: Ein Staat, der Milliarden für Bankenrettungen, Rüstung und Unternehmenssubventionen locker macht, diskutiert bei einer krebskranken Frau darüber, ob sie nicht erst ihr Elternhaus liquidieren sollte, bevor sie Unterstützung verdient.
Das Signal dahinter ist brutal klar: Solidarität gibt es nur, solange du nicht teuer wirst. Und bei Spahn bekommt das Ganze noch eine zusätzliche Ironieschicht. Ein Politiker,dessen eigene Immobiliengeschäfte immer wieder Thema öffentlicher Debatten waren, lässt aus seinem Umfeld offenbar den Rat streuen, privates Eigentum doch bitte zur Existenzsicherung zu versilbern. Man könnte fast zynisch fragen: Sucht der Maskenmann vielleicht wirklich noch ein Objekt fürs Portfolio?
Denn genau dort liegt der gesellschaftliche Kern dieses Falls. Wer Bürgergeld, Krankengeld oder Erwerbsminderungsrente nur noch als lästige Kostenstelle betrachtet, verliert jeden Blick für Lebensrealitäten. Ein Haus ist nicht einfach Kapital. Es ist Erinnerung. Pflegegeschichte. Familiengeschichte. Sicherheit. Und ausgerechnet Menschen in Krankheit dann zu erklären, sie müssten „nur Vermögen mobilisieren“, ist die neoliberale Version von: „Hast du schon mal versucht, einfach gesund und reich zu sein?“
Die eigentliche Frage ist nicht, warum Silvia Dronsch wütend ist. Die eigentliche Frage ist: Wie weit hat sich politische Elite-Erzählung inzwischen von der Wirklichkeit entfernt, wenn eine krebskranke Frau erst öffentlich abgekanzelt, dann mit Autogramm abgespeist und anschließend ökonomisch abgewickelt wird? Das ist keine Kommunikationspanne mehr. Das ist ein Gesellschaftsbild.
Das kann ich so nicht stehen lassen:
Natürlich ein hervorragender Aufreger für Moralisten, die ihrem Lieblingssystem lauter Eigenschaften andichten, die dieses weder hat noch haben will (außer in Sonntagsreden und im Wahlkampf):
Sorge für die essentiellen Bedürfnisse der Bevölkerung, Hilfe in Lebensnotfällen, eine öffentliche Infrastruktur im Gesundheits-, Transport- und Wohnungswesen, die am Bedarf der Leute und nicht am Interesse des Kapitals interessiert ist…
Die Wunschliste ist lang, und keiner der Staatsidealisten wird irre daran, dass sich seine Ideale, wie „die da oben“ das Ganze handhaben sollten („und könnten, wenn sie nur wollten!“) immer nur als Wassertropfen auf einer heißen Herdplatte erweisen. Keiner von ihnen will etwas auf die politische Ökonomie kommen lassen, an deren Sachzwängen sich dieselben Ideale ein Leben lang blamieren.
Erst recht nicht käme er auf die Idee, dass die unabweisbaren Härten des Kapitalismus, die unbarmherzige Funktionalisierung und Zweckbestimmung der Lohnabhängigen als Anhängsel der Kapitalverwertung etwas mit eben dieser zu tun hat. Zu groß ist die eingepflanzte Ideologie, der indoktrinierte Glaube daran, dass die kapitalistische Wirklichkeit eine einzige unendliche Gelegenheit für CHANCEN ist, die man nur „ergreifen“ muss.
Die nahe liegende Schlussfolgerung – wenn etwas so offenkundig, dauerhaft und zunehmend dysfunktional beim normalen Lohnarbeiter nur Schäden verursacht, dann schafft man es eben ab und organisiert sich ein Leben/einen Staat/eine Gesellschaft, die die Prioritäten umkehrt und das Interesse der lohnarbeitenden Klasse ins Recht setzt, und zwar GEGEN das Interesse der besitzenden Klasse – wird auch von den Geschädigten der kapitalistischen Konkurrenz Gesellschaft abgetan als utopisch, illusionär, weltfremd, radikal und (schlimmstes aller Verdikte:) kommunistisch.
Ich muss sagen, dass es mir inzwischen schwer fällt, nicht in Sarkasmus oder Zionismus zu verfallen, wenn ich derlei Klagen höre oder lese. Die Realität scheint nur eins zu belegen: „Die dümmsten Kälber wählen sich ihre Metzger selber“.
Die Leute beklagen und beschweren sich, jammern, kritisieren – und dann wählen und unterstützen sie genau die Leute, die die beklagten Zustände einrichten und verschärfen. Mittlerweile in einem Ausmaß, in dem völlig unverhohlen und offensiv der kommende Krieg nicht nur ankündigt, sondern der Krieg und die dafür von den Leuten verlangten Opfer für NOTWENDIG erklärt wird.
Was soll man dazu noch sagen oder denken? Lauter gute Gründe für Kommunismus, ist meine Antwort. Aber die will keiner hören.
Die Revolutionäre hatten sich in einem abhörsicheren Keller versammelt, um die nächsten Schritte zu planen. Die Stunde der Entscheidung rückt immer näher.
Während die werktätigen Massen millionenfach auf den Straßen und in den Arbeitsstätten entschlossene erste Schritte zur Rätedemokratie und Volksherrschaft einleiteten, beriet die illegale Führung der Partei angesichts der überall mobilisierten Polizei- und Armeekräfte des Klassenfeindes über den richtigen Weg, ein Blutvergießen zu vermeiden. Ausserdem sollte auf Antrag des Parteibuchhalters diskutiert werden, warum alle Plakate und Losungen der Partei auf Russisch, in kyrillischer Schrift, verbreitet wurden und ob das nicht die Verankerung der proletarischen Vorhut unter den an lateinische Buchstaben gewöhnten Massen negativ beeinflussen würde.
Eben dieser Klassenfeind hatte, wie die erfahrenen, im Kampf gestählten Genossen natürlich wussten, in punkto Ränke und Schliche noch einiges in petto, was den revolutionäre Prozess sabotieren und schlimmstenfalls verhindern konnte und sollte.
Als mitten in den intensiven Beratungen über die Fortführung des begonnenen revolutionären Prozesses sich plötzlich eine etwa 30 cm hohe manierliche Maus im rosa Tütü auf dem Tisch manifestierte und zu tanzen begann, hatten die Vertreter des Proletariats naturgemäß sofort die Machenschaften der in ihrer Klassenherrschaft tödlich bedrohten Bourgeoisie im Verdacht.
War nicht der unerfahrene junge Genosse W., den das Zentralkomitee früher am selben Tag zum Einkaufen in den Supermarkt geschickt hatte, mit einem Wein zurückgekehrt, den er bei einem dubiosen Straßenverkäufer erstanden hatte? Und hatte derselbe Junggenosse nicht zur Erklärung etwas von „Zuverlässiger Genosse, absolut überzeugt von der Sache! Eigenes Weingut, schwört auf den Stoff – richtet revolutionäre Grüße an alle!!“ gemurmelt?
Und hatte nicht Altkader B., der zukünftige Volkskommissar für das Theaterwesen, schon beim ersten Toast auf die Erhebung der werktätigen Massen den merkwürdig aromatischen, herb-süßen Geschmack des Rebensaftes kritisch kommentiert?
All dies reflektierten die Revolutionäre, dialektisch geschult und messerscharf analysierend, und beschlossen per Akklamation, der bourgeoisen Tanzmaus keiner weitere Aufmerksamkeit zu widmen. Das war allerdings gar nicht so einfach, denn die Maus begann, schwingend und sich wiegend hin und her zu schunkeln und dabei mit durchaus angenehmer Stimme ein kleines Lied zu singen:
„Müht euch doch nicht so ab ihr kleinen roten Racker! Seid doch nicht so strenge Ko-Ko-Korinthenkacker,
,Lasst doch endlich auch mal Fünfe grade sein, gießt euch stattdessen lieber noch ein Gläschen ein!“
Die verdutzten Revolutionäre sahen er sich erst gegenseitig und dann die Maus an. Ein paar Sekunden lang herrschte erstauntes und befremdetes Schweigen. Dann begann die sonst am orthodoxesten argumentierende Genossin H. zu kichern und merkte leise an: „Also, eigentlich hat sie doch recht…“
Schon wollte sie die unterm Tisch stehende Weinflasche hervorholen und einen tiefen Schluck direkt aus der Flasche tun, als Parteiideologe G. nach seiner Baretta griff, Genossin H. anzischte „Genau doch das will die doch, merkst du das denn nicht?!“ und kurzerhand die Maus erschoss.
Das erwies sich allerdings als fataler Fehler, denn aufgrund der Tatsache, dass es sich bei der Tanzmaus um eine drogeninduzierte Halluzination handelte, erwischt die Kugel Genossin H. – zum Glück nur am Arm, aber die Notwendigkeit der medizinischen Versorgung der blutenden Schusswunde unterbrach die strategische Diskussion der Genossen.
Dadurch verzögerten sich die nächsten Schritte der extrem volatilen revolutionären Situation, die sich im ganzen Lande zu entfalten begann, bzw. fanden überhaupt nicht mehr statt – inzwischen begann die ganz offensichtlich dem Wein beigemischte Droge, sich auf Wahrnehmung, Konzentrationsfähigkeit und logisches Denken der anderen Anwesenden auszuwirken, das für den Erfolg der Revolution unabdingbare koordinierte Vorgehen zur Konsolidierung der Volksmacht brach zusammen, es fand kein – jedenfalls kein sinnvoller – Austausch mehr statt zwischen Parteiführung, Kadern und Volksmassen. So ergab sich, dass die revolutionäre Situation kam, vorüberging und schließlich scheiterte.
Was, nüchtern betrachtet, erneut belegt, dass auch auf kleinste Details geachtet werden muss, dass leichtfertiges Vertrauen in scheinbare „Freunde“ oder „Sympathisanten“ nicht angebracht ist und dass der berüchtigte Schmetterlingseffekt auch vor gesamtgesellschaftlichen Umwälzungen (und gerade vor diesen) nicht halt macht.
Sieht so aus, als ob der russische Geduldsfaden jetzt gerissen ist. Das russische Original des Satzes, der als „Dies hat das Maß des Erträglichen überschritten.“ übersetzt wurde, ist: „Всё это переполнило чашу терпения.” Wörtlich: „All das hat den Kelch der Geduld zum Überlaufen gebracht.” Das ist eine feststehende russische Redewendung, idiomatisch vergleichbar mit dem deutschen „das Fass zum Überlaufen bringen”.
Erklärung des russischen Außenministeriums zu Angriffen der bewaffneten Formationen des Kiewer Regimes auf die Zivilbevölkerung Russlands (25. Mai 2026)