Noch JEDE Herrschaftsform hat gerade IHRE Herrschaft als vernünftig, der menschlichen Natur entsprechend, alternativlos und unumstößlich betrachtet

Ist doch komisch:

Noch JEDE Herrschaftsform hat gerade IHRE Herrschaft als vernünftig, der menschlichen Natur entsprechend, alternativlos und unumstößlich betrachtet.

Jedes bisherige Gesellschaftssystem (mit Ausnahme des Sozialismus) hat sich als Endzustand der menschlichen Gesellschaft verkauft, den man vernünftigerweise nicht abzuschaffen hat.

„Wie, du bist gegen Sklavenarbeit? Wer soll denn dann die Felder bestellen und die Hausarbeit machen? Noch so ein Spruch und ich verkaufe dich auf dem Sklavenmarkt am nächsten Kalendae!

„Was bitte? Die Leibeigenschaft abschaffen?? Gott der Herr hat die Menschen in Oben und Unten geschieden und das bleibt auch so!“

„Die freiheitliche Demokratie ist die beste Form menschlichen Zusammenlebens. Man kann sie vielleicht hier und da ein wenig verbessern, denn zugegebenermaßen ist nicht alles perfekt. Aber alles andere wäre TOTALITARISMUS! Und wohin der führt – neben der völlig undenkbaren beschneidung der Freiheit des Eigentums – haben ja die Unrechtstaaten des Ostblocks gezeigt!!“

Marktwirtschaft wie sie blüht und gedeiht

Top-Management und Aufsichtsrat des Elektronikhändlers MediaMarktSaturn stehen in der Kritik (der Eigentümer). Die Eigentümer vermissen den Reibach, den sie von einer kapitalistischen Geldvermehrungsmaßnahme dieser Dimension erwarten dürfen – daran können nur ihre Statthalter in Geschäftsleitung und Aufsichtsrat schuld sein!

Deren Sachzwang- und systemgerechte Maßnahmen zur Sicherstellung einer „angemessenen Profitabilität“ waren nämlich „unzureichend“, sprich: es wurde bei weitem nicht genug eingespart bei denen, die die gewünschten Profite zu erarbeiten haben (Nein, nicht die hochbezahlten Top-Manager und Aufsichtsräte, sondern die Lohnarbeiter).

DEREN Lebensunterhalt ist einfach zu teuer für eine „abgemessene Profitabilität „ und steht damit vieltausendfach zur Disposition .

Die Arbeitskräfte werden’s unter „Schicksalsschlag“ verbuchen, die Gewerkschaften diensteifrig in gewohnt verständnisvoller Zusammenarbeit mit dem Management Sozialpläne erarbeiten und die einschlägig kundige Fachpresse sich kritisch oder lobend über ERFOLG oder MISSERFOLG des Vorhabens auslassen – wobei dieser an nichts anderem gemessen wird als an der angestrebten ANGEMESSENEN PROFITABILITÄT.

Marktwirtschaft wie sie blüht und gedeiht!

Eure Masken sind unsichtbar: Wenn man in den Ameisenhaufen piekst

In irgendeinem der vielen aufgeregten Threads der maskenverweigernden Freiheitshelden wies ich auf den Blödsinn hin, mit einer Bundesadler-Deutschlandfahne, also dem Symbol des deutschen Imperialismus, für irgendwelche Rechte oder Freiheiten zu demonstrieren.

Der wurbürgerlich empörte Shitstorm blieb nicht aus.

Nachstehende Sammelantwort konnte ich mir aber auch nicht verkneifen:

Es wird immer besonders putzig, wenn Untertanen sich für Freiheitskämpfer halten.

Bei den Klügeren der Mitlesenden entschuldige ich mich für die etwas schlichte Art meines kleinen Experiments, mit ein, zwei Bemerkungen in den Ameisenhaufen der Selbstwichtigkeit der „Böse Masken müssen weg!“-Freiheitskrakeeler gestochen zu haben.

Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, die (erwartbaren) Reaktionen wutbürgerlicher Aufgeregtheit und wichtigtuerischer Empörung zu provozieren und zu beobachten (die übrigens deutlich Auskunft darüber geben, WAS von der „Kritik“ dieser Leute an ihrer Obrigkeit zu halten ist, nämlich nichts: Kritik, die ein Grundeinverständnis mit dem Umstand, im Kapitalismus BEHERRSCHT zu werden und MITZUMACHEN beinhaltet und sich lediglich gegen ein paar den individuellen Konsum einschränkende Infektionsschutzmaßnahmen wendet, ist gar keine, jedenfalls keine taugliche).

Den Aufgeregten hier muss ich sagen:

Ihr habt’s nicht anders verdient, als dass man sich im Rahmen eines kleinen sozialen Experiments über euch amüsiert und euch als das kenntlich macht, was ihr seid:

Funktionierende Untertanen mit dem marktwirtschaftsüblichen Knall, euch selbst so wichtig zu nehmen, dass euch eure eingebildete Konsum-, Feier- und Geschäftemachereifreiheit über den halbherzigen, nur Kapital und Staat retten wollenden Gesundheitsschutzmaßnahmen eurer Obrigkeit steht.

Eure Masken sind unsichtbar, sie sind die Masken des Mitmachens bei gleichzeitig lautem Geplärre, dass man irgendwie dagegen ist und sowieso alles für eine Verschwörung böser Mächte hält.

Eure Masken sind euer Egoismus und Eure Selbstwichtigkeit, mit der ihr euch und andere einem Infektionsrisiko aussetzt, weil ihr die WIRKLICHE Einschränkung eurer Freiheit durch Lohnarbeit, Ausbeutung und durch eure lebenslange Indienstnahme für die Interessen der herrschenden Klasse nicht kennen wollt, aber euer bißchen Unbehagen übers Masken tragen zum Kriterium eurer Zustimmung zum Handeln eurer ansonsten unangezweifelten Obrigkeit macht.

 

Der „Spiegel“ weint den US-Soldaten nach

Trump, der böse Deutschland-Feind, zieht einfach 12.000 Soldaten aus unserem NATO-Frontstaat ab!

Das kann das Hamburger Fachblatt für transatlantische Ergebenheit nicht auf sich sitzen lassen und lässt als Aufmacher vier wackere Freiheitshelden der demokratiebringenden US-Armee zu Sprache kommen.

Die uniformierten Streiter für das Gute im Menschen haben zufällig auch alle rein gar nichts mit Krieg, Drohnenmorden, Terrorkoordination (z.B. in Syrien) oder aggressiver Aufrüstung gegen Russland zu tun, sondern sind Musiker, Verbindungsoffiziere oder Lehrer für Führungskräfte aus den Ländern des besiegten Roten Imperiums, die den Ex-Kommunisten Freiheit und Demokratie beibringen.

Unterm Strich kommen die vier zu dem Schluss, dass das liebenswerte, grundgütige und sympathische Deutschland ihnen zivilisationstechnisch und menschheitszusammenlebensmäßig sozusagen die Augen geöffnet hat und sie sich – so sinngemäß auch gleich die Überschrift des Beitrags – nichts sehnlicher wünschen, als zurückzukehren in das germanische Irdische Paradies des starken Biers, der freien Fahrt und der bunten Vielfalt.

Am Schluss des Artikels schluchze ich ergriffen mit über das Glück, als deutscher Bürger per Geburt ganz unverdient in den Gratisgenuss all dieser Privilegien gekommen zu sein, und danke dem „Spiegel“ innerlich dafür, mich und die anderen patriotischen Leser vermittels des bewegenden Zeugnisses der braven GIs daran erinnert zu haben.