Die Ein-Staat-Lösung für Palästina

In Deutschland ist die Forderung nach dem Ende des Staates Israels verboten. Die Strafverfolgungsbehörden verfolgen und ahnden solche Aussagen. Jeder, der diese Forderung oder auch nur die Idee in der Öffentlichkeit äußert, gerät ins Visier des Staatsschutzes, der die pro-zionistische Staatsraison Deutschlands streng exekutiert. Er läuft Gefahr, als Antisemit angeklagt und verurteilt zu werden.

Die Begründung dafür sind die angeblichen Lehren, die Deutschland aus den Verbrechen des Hitlerfaschismus gezogen haben will und die in einer entschiedenen Parteinahme für die damaligen Opfer des Völkermordes (sofern sie jüdisch waren) mündeten, kulminierten – und sich erschöpften.

Das „Nie wieder“ des bürgerlichen Antifaschismus deutscher Provenienz erschöpft sich in dem „Nie wieder Völkermord an JUDEN“. Völkermord an Russen, sofern sie im Donbas leben und ins Visier ukrainischer Nazis geraten, sowie generell Krieg gegen Russen, verträgt sich bestens mit deutscher Staatsräson, ergänzt sie sogar aufs Vortrefflichste um die Hoffnung auf einen nachgeholten Endsieg gegen den alten Feind.

So ergibt sich in und für Deutschland die merkwürdige Situation, dass der eigene Völkermord von damals auf eine bizarre und verquere Weise den heutigen Völkermord, den die damaligen Opfer an den Palästinensern in Gaza und Westbank begehen, RECHTFERTIGT, denn die Parteinahme für das zionistische Staatsprojekt „Israel“ in Palästina ist unbedingt und total. Das schlechte Gewissen der staatlichen Nachfahren Hitlers manifestiert sich als philosemitische Apologetik aller und jeder Verbrechen, die der „jüdische Staat“ begeht und begehen KANN, um sich damit – so die selbstgerechte Logik dieser Ent-Schuldigung – auch von der eigenen (völker-)mörderischen Vergangenheit loszusagen, zu reinigen und – FREIZUSPRECHEN. 

Die Schlussfolgerung, die sich jedem verständigen Menschen angesichts des live gestreamten, seit zweieinhalb Jahren andauernden Völkermordes in Gaza aufdrängt, dass nämlich ein Staatswesen seine Existenzberechtigung verliert, das solche Perversionen und Gewaltorgien gegen als Untermenschen und Tiere betrachteten Menschen veranstaltet – das gilt in Deutschland als Verbrechen.

Der zionistische Apartheidstaat „Israel“ hat sich mit seinem rassistischen Vernichtungskrieg gegen die Bevölkerung Gazas aus der zivilisierten Menschheit verabschiedet. Ein ethno-religiös begründeter Siedler- und Kolonialstaat hätte auch ohne Genozid an der einheimischen Bevölkerung des kolonisierten Landes keinen Platz in der Welt des 21. Jahrhunderts – erst recht nicht vor dem Hintergrund des Völkermordes, den dieser Staat vor den Augen der Welt an einer Bevölkerung begeht, die er in einem riesigen Freiluftgefängnis einer Art Eingeborenen-Reservat einsperrt und der er schon in „Friedenszeiten“ nach Gutdünken von Strom-, Wasser-, und Nahrungsmittelversorgung abschneidet.

Ein solcher Staat darf nicht existieren. Nicht weil er „jüdisch“ ist, sondern weil er zionistisch ist. Die zionistische Ideologie erzeugt und verhärtet den rassistischen Überlegenheitswahn, die Vernichtungsbereitschaft gegenüber den minderwertigen „menschlichen Tieren“, deren Konsequenz – ethnische Säuberung und Völkermord – seit zwei Jahren in Gaza zu besichtigen ist. 

Der Staat Israel hat mit dem Völkermord in Gaza sein eigenes Ende besiegelt. Er wird sich nie mehr aus diesem Abgrund erheben, er ist so umfassend und endgültig diskreditiert wie es der deutsche NS-Staat im Mai 1945 war. 

Es mag noch eine Weile dauern, vielleicht sogar viele ‎Jahre, bis „Israel“ von der Landkarte verschwindet und ein wahrhaft demokratischer palästinensischer Staat seinen Platz einnimmt- ein Staat, in dem keine Ethnie und keine Religion sich als Herrenvolk definiert und in dem Juden, Muslime, Christen und nichtreligiöse Menschen friedlich zusammenleben. 

Möglicherweise ist eine „Zwei-Staaten-Lösung“ ein realpolitischer Zwischenschritt auf dem Weg zu einer Ein-Staat-Lösung, doch die Einsicht, die Konsequenz, die NOTWENDIGKEIT aus dem Abgrund von Dehumanisierung und hassgetränkter Perversion, in den „Israel“ sich mit Begeisterung hineingestürzt hat, ist die Beendigung der staatlichen Existenz dieser Entität.

Die unerklärliche Erhabenheit von Bäumen und Gras 

In meiner Wahrnehmung wechselt sich die Präsenz abgrundtiefer Sinnlosigkeit ab mit derjenigen der schier unglaublichen Schönheit der natürlichen Welt um mich herum. 

Ein simpler Spaziergang im Park lässt mich der filigranen und unerklärlichen Erhabenheit von Bäumen und Gras, der Wolken am Himmel, des Bellens der Hunde und des Gekrächzes der Krähen gewahr werden. Man muss nicht im Himmel oder nach dem Tod nach einem Gott suchen, wenn man diese überwältigende Schönheit der Erscheinungsformen rings um sich hat. Gleichzeitig ist das alles extrem zerbrechlich, vergänglich und flüchtig, und vielleicht ist es genau das, was in mir den Eindruck einzigartiger harmonischer Glorie auslöst.

Man möchte durch das Wunder dieser Welt schreiten, behutsam wie durch einen phantastischem Traum, mit dicken, weichen Pantoffeln an den Füßen, um nichts zu zerstören. Und auch, um nicht ins Nichts zu fallen, wenn sich die scheinbare Festigkeit der Welt auflöst in ihre molekularen, atomaren, sub-atomaren und Quantenstrukturen – was gefühlt in jedem Moment passieren könnte. Es gab irgendeinen theoretischen Physiker, ich glaube es war Heisenberg, der die subatomare Realität erforschte und von den gewaltigen Räumen und Distanzen zwischen Atomkernen und den sie umkreisenden Elektronen so beeindruckt war, dass er das Gefühl entwickelte, jederzeit in die Leere dazwischen fallen zu können – er schlurfte daraufhin nur noch mit dicken Filzpantoffeln durchs Haus, erzählt man sich. Jedenfalls ist es das, was bei mir von der Anekdote hängengeblieben ist.

Mir fehlt heute die Faszination, der intellektuelle Genuss, die ich früher bei solchen Geschichten und Erkenntnissen empfunden habe. Die Wahrnehmung ist direkter und nimmt keinen Umweg über den Intellekt, laienhaft ausgedrückt. Natürlich ist mir klar, dass Gefühl und Verstand nicht zu trennen sind und dass die auf Wahrnehmung beruhende Einordnung und Benennung einer Sache bereits ein intellektueller Vorgang ist.

Ich glaube, früher habe ich versucht, alle Erfahrungen in Bezug zu meinem Bedürfnis nach Erklärung und Erleuchtung zu setzen. Danach, nach dem Ziel „Höchste Erkenntnis“ bzw. „Wahrheitsfindung“, habe ich sie bewertet und absortiert; auf diese Weise wurden alle Erfahrungen und Erlebnisse (innen wie außen) zu Futter und Brennmaterial für das Streben nach Erkenntnis, nach Erleuchtung. Auf deutsch: sie wurden einem Konzept untergeordnet, und passend gemacht, wenn sie dem Konzept widersprachen. Ich hätte eher die Erfahrungen bezweifelt als das Konzept.

Und heute? Die Konzepte haben ausgedient, die Erfahrungen bleiben. Das ist häufig unangenehm und verwirrend. Wenn man von der Empfindung von galaktischer Sinn- und Aussichtslosigkeit, von bodenloser schwärzester Irrelevanz ALLER Erscheinungen und Phänomene niedergedrückt wird und keine Erklärung spiritueller, psychologischer, religiöser oder anderer konzeptioneller Art dafür hat, manifestiert sich die ganze Wucht dieses Zustandes im Gemüt. Darauf hab ich keinerlei Antwort, keinen Trick, keine Methode, keinen Rat, nichts.

Diese Empfindung scheint jedoch so etwas zu sein wie die andere Seite der Empfindung mysteriöser und kaum zu glaubender Schönheit, die sich an anderer Stelle einstellt. Möglicherweise muss man sich als Inhaber eines menschlichen Körper-Geist-Organismus daran gewöhnen, dass dies eben der Stand der Dinge, die Lage der Nation, die Conditio humana bzw. der Henkel des Bechers ist. Damit leben muss man (also ich) ja sowieso, ob man (also ich) will oder nicht.

Marxisten kämen mir jetzt vermutlich mit „Dialektik, mein Junge, Dialektik!“, Esoteriker mit dem Verweis auf das tiefe dunkle Tal, das auf dem Weg zum Licht zu durchschreiten ist. Am Ende haben sie alle recht und am allerletzten Ende sind auch das alles nur Konzepte, mit denen sich der Verstand abmüht. Oder grämt, oder frustriert, oder unterhält, je nachdem. Der Abgrund ultimativer Sinnlosigkeit lauert an jeder Ecke und hinter jedem Grashalm und umgibt einen auf einmal wie ein kalter Windhauch, der eben noch nicht da war. Und während man noch schauert und sich eventuell selbst bedauert, wird man ebenso unerwartet der gloriosen Schönheit und der zerbrechlichen Harmonie der lebendigen Natur gewahr, die man für eine SEHR kurze Weile das Privileg hat, mit ansehen zu dürfen.

„Soon we all will die.“

From Here to Here: Von der Höhlenmalerei zum iPad Pro

Von den ersten Höhlenmalereien zu iPad Pro und Apple Pencil – die knapp fünfzigtausend Jahre, die dazwischen liegen, sind ein Wimpernschlag in der Geschichte der Spezies. Erst recht in der des Planeten, auf dem die Spezies sich entwickelt hat. Die Empfindungen des Frühmenschen, wenn er mit Ocker, Eisenoxid und Holzkohle Dinge aus seiner inneren und äußeren Erfahrungswelt auf Felswände aufbrachte, dürften nicht viel anders gewesen sein als die des homo sapiens sapiens des 21. Jahrhunderts, der dasselbe mit der Technologie von heute macht.

Lebte der Frühmensch in einer Art Urkommunismus? Gab es Eigentum an „Produktionsmitteln“? Und was sollten diese gewesen sein, außer den gemeinschaftlichen Vorräten, Behausungen usw., die die damaligen Menschen zum Überleben brauchten? Es gab keine Klassen, keinen Staat, es gab keine Produktivkräfte, die Privateigentum und damit eine Klassengesellschaft hervorbringen konnten.

In der kurzen Zeitspanne eines menschlichen Lebens ist es selten, dass das individuelle Denken die Gelegenheit ergreift, sich über den engen Rahmen der unmittelbaren (Über-)Lebensverhältnisse der Konkurrenzgesellschaft zu erheben. Der Verstand ist fast immerzu mehr damit beschäftigt, die zahlreichen Herausforderungen der Anpassung an die menschengemachten Verhältnissen zu meistern, als dass er Muße hat, die menschliche Existenz, vor allem aber die der Spezies als solche, in ihrer Entwicklung über die Jahrtausende zu betrachten. Solche Betrachtungen gelten als sinnlose Zeitverschwendung, als ergebnislose philosophische Nabelschau von Leuten, die zu viel Zeit oder zu viel Geld haben, oder am besten gleich beides. Dabei ist die Neugierde, die zu solchen Überlegungen führt, ein wesentliches Element der Spezies. Ohne sie würden wir vermutlich noch in den Bäumen sitzen oder wären schon ausgestorben.

Die humanoide Sorte Säugetier, die sich gerne als Krone der Schöpfung sieht, ist nicht der Abschluss der Evolution – weder als Spezies noch als Individuum. Warum sollte sie das auch sein? Was Jahrmillionen gedauert hat, um vom behaarten Steppenbewohner, der es mal mit dem aufrechten Gang probiert, beim internetgeprägten Zivilisationsbürger anzugelangen, soll ausgerechnet jetzt, als von der eigenen Auslöschung bedrohter „Menschenaffe mit Atombomben“ evolutionsmäßig zum Stillstand gekommen sein und den Abschluss der biologischen und mentalen Entwicklung der Art darstellen? Sowas gibt’s nicht in der Biologie und in den Naturwissenschaften. Erst recht nicht in den Gesellschaftswissenschaften, die genau die Entwicklungen und Veränderungen untersuchen, die Individuen als Kollektiv durchlaufen.

Dennoch wird – jedenfalls in dem kleiner werdenden Teil der Menschheit, der mental und ideologisch noch von der fünfhundertjährigen westlichen Dominanz bestimmt wird – in der Regel so getan, als wäre der heutige Kapitalismus der endgültige Ausdruck menschlichen Lebens auf diesem Planeten. Diese Ignoranz werden zukünftige Generationen einmal mit leichtem Amüsement verwundert belächeln und sie als Ausdruck einer vor-zivilisatorischen Etappe der Menschheitsgeschichte einordnen, ähnlich wie wir heute die Stammesgruppen des Paläolithikums als Vorstufe der entwickelten technologisch Phase der Spezies betrachten.

Eines fernen oder vielleicht nicht allzu fernen Tages wird die gesellschaftliche Reproduktion der menschlichen Gesellschaften auf dem dritten Planeten nicht mehr von „zivilisierter Barbarei“, also von Privateigentum an Produktionsmitteln und der daraus resultierenden, von Konkurrenz und Ausbeutung geprägten, Überlebenskämpfe bestimmt sein.

Eines Tages wird eine regional organisierte, aber global funktionierende vernünftige Organisation des gemeinsamen Überlebens auf der begrenzten Ressource Erde den Alltag und das Zusammenleben der Spezies bestimmen. Eine geplante Ökonomie, die Raum lässt für individuelle Kreativität auch in unternehmerischer Hinsicht, wird nicht bloß utopische Träumerei weltfremder Idealisten sein, sondern Notwendigkeit und Erfordernis einer Spezies, die – wenn sie nicht den Schritt heraus aus der privatwirtschaftlich organisierten Frühphase der menschlichen Gesellschaft tut – die eigenen Überlebensgrundlagen zerstört.

Dass das kein Wunschtraum bleibt, sondern praktische Schritte in diese Richtung unternommen werden können – das ist das Anliegen der Kommunisten.

Das bessere Deutschland

Eines Tages machen wir dieses Land wieder zu einer Heimat für alle.
Oder wenigstens für die Mehrheit.

Für die, die den gesellschaftlichen Reichtum schaffen, deren Hände und Köpfe Arbeit alles erzeugt, was in einer Gesellschaft benötigt wird. Für die, die in der jetzigen BRD Verfügungsmasse, variabler Kostenfaktor und „abhängig Beschäftigte“ sind. Für diejenigen, die eines ganz sicher NICHT sind: die Eigentümer der Produktionsmittel.

Dieser Zustand gehört geändert. Auch wenn‘s noch Jahrzehnte dauert, vielleicht Jahrhunderte. Die menschliche Intelligenz lässt sich – das ist meine Hoffnung gegen alle Hoffnung – auf Dauer nicht mit der kapitalistischen Idiotie abspeisen. Eine vernünftige, bedarfsorientierte Planwirtschaft, die allen ein anständiges Leben möglich macht, wird die vom privaten Bereicherungsimpuls angetriebene Form der gesellschaftlichen Reproduktion ablösen.

Erst dann können wir wieder sagen: Das ist unsere Heimat, das ist unser Staat.

Jeder will alt werden, keiner will es sein

Am Morgen meines 68. Geburtstages bin ich mit einer Altersdepression aufgewacht. Jedenfalls kommt es mir so vor. Als ob ein Schalter in meinem Gehirn ungelegt wurde und mich in einen mental-emotionalen Zustand befördert hat, den ich nur aus Büchern kannte.

Ein bodenloser Abgrund schwärzester Sinnlosigkeit starrte mich an, und ich starrte zurück – in einer Mischung aus Verwunderung, Ratlosigkeit und Leere. Aber nicht die Leere, die buddhistische Mystiker als Essenz der Wirklichkeit beschreiben und zu verwirklichen suchen. Eher die Art, die einem den Eindruck vermittelt, dass jedes Streben, jede Motivation, überhaupt jede Tätigkeit (physisch und psychisch) von vornherein zum Scheitern verurteilt und eine Übung in Vergeblichkeit ist. 

„Life’s but a walking shadow… it is a tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing,“ wusste ja schon Macbeth.

Das Gefühl/der Zustand hat mich seitdem nicht verlassen und umhüllt mich wie ein Geist aus dem Jenseits oder aus einer fremdartigen, unverständlichen Galaxie. Fremdartig, weil ich als gewohnheitsmäßiges Sonntagskind das Leben kenne als Leinwand eines großartigen Abenteuers, oder besser: Comics, dessen bunter Abwechslungsreichtum und spannende Geheimnisse nicht nur überall hervorquellen und an jeder Ecke warten, sondern per kreativer Imagination ständig abgerufen, erzeugt und genossen werden können.

Und mit Imagination bin ich reichlich gesegnet. Deswegen fragte ich mich als erstes: Bilde ich mir das jetzt alles ein? Ist dieser Zustand absoluter, endgültiger, unwiderruflicher Sinnlosigkeit ein Gefühl, wie es nun mal im Leben vorkommt und dessen Relevanz und Ausmaß ich mir aufgrund meiner cartoonistischen Einbildungskraft so monströs aufblase, dass ich mich selber davor erschrecke?

Dagegen spricht die beharrliche, untergründige Präsenz dieser Wahrnehmung in meinem inneren Horizont. Sie scheint unbeeinflusst zu sein von den Gedanken, die ich mir über sie mache.

Als Nächstes rufe ich mir ins Gedächtnis, was ich mir in langen Jahren spiritueller und meditativer Übungen eingeprägt habe: was auch immer im Geist passiert, besteht aus denselben flüchtigen Phänomenen, die von einem Körper-Geist-Mechanismus humanoider Art nun mal hervorgebracht werden und deren Substanz Leere ist. Das leuchtet mir ein, das gibt einem das Gefühl, das die simple Beobachtung des Phänomens der angemessene Umgang damit ist.

Das ändert aber nichts an der umfassend demotivierenden und niederdrückenden Wucht der Erfahrung. Ich gehe durch die Landschaft des Alltags, also meines geordneten Mittelschichts-Rentnerlebens mit Frau und Hund, ansässig in der geordneten, gutbürgerlichen Insel der Seligen Oberkassel, wie Falschgeld durch die Hände von Gaunern und Gauklern. Die befremdlichen Aktivitäten der Leute sehe ich wie durch ein umgekehrtes Fernrohr, ihre aufdringliche Gutgelauntheit und ihre irgendwie rührenden kleinen Bestrebungen um Erfolg, Reichtum, und alles, was sie für Glück im Leben halten…

Hinzu kommt die allgegenwärtige Intelligenzbeleidigung, die das Dasein in einem westlichen imperialistischen Land per se darstellt. Die weltweite Krise des westlichen Kapitalismus, der Weg in den Krieg, der von den politischen und medialen Einpeitschern immer schneller und mittlerweile stramm marschierend eingeschlagen wird, die schafsmäßige Ignoranz einer auf Konsum und persönliches Nischenglück konditionierten Bevölkerung – all das hebt auch nicht gerade die Stimmung.

A propos: „Na, wie ist deine Stimmung heute? Hast du schon bessere Laune?“, fragt mich die Gattin, die den Gegensatz zu meiner sonstigen Erscheinungsform und mentalen Disposition natürlich bemerkt. Das ist sie von mir nicht gewohnt. „Ich kenn dich nur fröhlich pfeifend und singend, immer guter Dinge. Ich glaub ich hab dich noch nie niedergeschlagen gesehen, das kenn ich eher von mir, dass ich mal solche Phasen habe…“

Dass es nur eine Phase ist, hoffe ich sehr. Aber das ist ein leerer Spruch, den ich mich sagen hören möchte. Ich kenne zwar das Wort „Hoffnung“, aber der Inhalt oder die Bedeutung des Begriffes ist mir fern wie das andere Ende des Universums. Also google ich erstmal „Depression“ – Symptome, Ursachen,  Behandlungsmöglichkeiten etc. Und siehe da, eine Menge von dem, was ich da lese, entspricht meiner Erfahrung aus den letzten Monaten: Antriebslosigkeit, Überforderung, Müdigkeit, massive Schlafstörungen, Appetitverlust, keine Freude an kleinen Dingen….

Die Überforderung, die ich angesichts einiger Internet-Jobs empfinde (diejenigen, bei denen es um programmiertechnische Aspekte statt designmäßiger geht) baut sich wie eine riesige dunkle Wolkenwand vor mir auf, die mich zu ersticken und erst recht zu paralysieren droht. Ebenso die Zusage, die ich für einen Workshop gegeben habe, den ich im November auf dem Fachtag der Kunst- und Kulturgeragogen geben soll. Ich fühle mich der Aufgabe – eigentlich nichts, was ich nicht leisten könnte – nicht gewachsen und je näher der Termin rückt, umso grauenvoller wird die Vorstellung davon.

Die Arbeit gibt meiner Woche zwar etwas Struktur, darin vergleichbar den Hunderunden, aber auch dazu muss ich mich zwingen. Was soll ich meinen Alten in der Pflegeeinrichtung geben, vermitteln, nahebringen? Die Sinnlosigkeit des Daseins? Sie beglückwünschen, dass ihr unvermeidliches Ende wenigstens schneller eintritt als meins?

Am liebsten würde ich mich verkriechen, meine Tage im Bett verbringen und von der Welt nichts wissen. Und Drogen nehmen, mit denen man all das ausblenden kann, was einen auf die unsägliche Idiotie einer sinn- und nutzlosen Welt hinweist, also ALLES. Drogen, die den inneren chemisch-emotionalen Haushalt soweit stabilisieren, dass die Mühe, so zu tun als nähme man am Leben teil und wäre „einer von ihnen“ (nämlich der Masse scheinbar funktionierender Bürger), nicht so unendlich mühselig, zäh und letztlich bedeutungslos ist. 

Ja, am besten wär Verkriechen. Oder Sterben. Nee, Sterben doch lieber nicht. Man muss ja nicht gleich übertreiben. Vielleicht ist es ja doch nur eine Phase.

Tränen lügen nicht

Von linksextremen Israelhassern und Terrorsympathisanten wurden die ehrlichen Tränen unseres Bundeskanzlers in der neueröffneten Münchner Synagoge hämisch kritisiert.

Jetzt hat der aufrichtige Freund Israels auf dem deutschen Kanzlerstuhl es allen gezeigt und die unzensierten Bilder seines Auftrittes veröffentlichen lassen.

Der bescheidene Mittelschichtspolitiker hat damit hieb- und stichfest klargestellt, WIE schlimm die deutschen Nazis, die ganz Europa „judenfrei“ machen wollten, damals zu allen Juden waren. Nämlich so schlimm, dass es heute voll in Ordnung geht, wenn Israel zur Entschädigung Gaza palästinenserfrei macht.

Wer das bezweifelt, erweist sich als glasklarer Antisemit und kann nicht zur deutschen Volksgemeinschaft gehören.

Zurück ins Mittelalter

Ein User auf X berichtet über ein Vorkommnis auf einem Elite-Gymnasium in Berlin Prenzlauer Berg:

Mein in zwei Wochen 18-jähriger Stiefsohn wollte mit mir reden. Ob ich die Sache mit Charlie Kirk mitbekommen hätte. Er besucht die 12. Klasse eines Elite-Gymnasiums auf dem Prenzlauer Berg. Dort gehen die Kinder von populären Medienleuten und Unternehmer zur Schule, die meisten Eltern sind ziemlich wohlhabend, einige sehr. Alle (!) Mitschüler würden den Mord feiern. Also, nicht direkt feiern, aber sie fänden es irgendwie gut. Vor allem nicht schlecht. Und im Politik-Unterricht am Tag danach sei nicht drüber gesprochen worden. Das sei normalerweise immer der Fall.

In mir macht das was. Die Aufklärung ist tot. Der Regenbogen hat sie vollständig abgelöst. ALLE (bis auf ihn) in dieser Klasse sind doppelt, manche dreifach geimpft, ALLE hassen die AfD bis aufs Blut, ALLE glauben an mehr als zwei Geschlechter. Meinungsfreiheit existiert für sie nicht. Es gibt für sie gut und böse. Anstand, Menschen anderer Meinung zu tolerieren, einfach so ein Gefühl, dass Menschen eine Würde besitzen, auch wenn sie nicht an den Klimawandel glauben, das ist dort, wenn, dann als kümmerlicher Rest vorhanden. Mir tun diese Kinder auch ehrlich leid. Wir schlittern in eine raue Zukunft. Macht euch das klar.

https://x.com/julianadrat/status/1966821398485053477?s=61

Die hier aufgeschriebenen Beobachtungen von @JulianAdrat geben ein Phänomen wieder, das ich auch wahrnehme, das wohl jeder mitkriegt, der noch die Weltbetrachtung gekannt hat, die bis ca. 1990 mehr oder weniger gültig war:

Nämlich dass die Wirklichkeit durchaus mittels einer gesamtgesellschaftlich geteilten Übereinstimmung per Wissenschaft, Aufklärung, Diskussion und Faktizität erklärbar war – und zwar sogar unabhängig von dem Gesellschaftssystem, in dem man lebte.

Kommunisten und Anhänger des Kapitalismus waren sich zumindest darüber einig, dass 1 + 1 =2 ist, dass Biologie und Physik für alle gelten und dass Wissenschaft der Versuch ist, die materielle Welt zu erklären und für die Menschheit nutzbar zu machen.

Diese Zeiten sind vorbei. Die westlichen Gesellschaften, einstmals die Pioniere von Aufklärung und Wissenschaftlichkeit, sind in der Irrationalität gelandet.

Sie sind zurückgekrochen zu einer moralischen Weltsicht, die keine Fakten und keine der Wahrheitssuche dienende Diskussion mehr kennen will, sondern auf moralischen Urteilen über Gut und Böse beruht. Es ist die Rückkehr in die geistige Sphäre des Mittelalters, aus der sich Europa seit dem 17. und 18. Jahrhundert bereits verabschiedet hatte.

In der umfassenden kollektiven Atomisiertheit, in der nichts mehr sicher ist, in der keine verlässlichen Werte mehr gelten (gerade darum werden sie ja heutzutage ständig so lautstark beschworen!), in der selbst die seit 300 Jahren den Westen definierende Aufklärung und Wissenschaft keine Gültigkeit mehr haben, bleibt dem Individuum keinerlei Handhabe mehr, sich die Gesellschaft zu erklären, ihre Mechanismen zu verstehen und für seine Interessen einzutreten.

Jenseits der mittlerweile auf den Einzelnen reduzierten Filterblasen, in denen es nur noch auf die private Gefühligkeit und aggressive Einforderung des „Respekts“ aller anderen für die eigene private Macke geht, gibt es nichts mehr. Keine Klassen, keine Interessenvertretung wie Gewerkschaften, keine aufgrund der Situation in der sozialen Hierarchie oder der Arbeitswelt definierte Gemeinschaft.

Was macht man also, wenn man ein Minimum an staatlicher Kohärenz und öffentlicher Sicherheit braucht, um überhaupt noch zusammenleben zu können? Man ruft nach dem FÜHRER, der das alles irgendwie – und zwar ebenso gefühlt-moralisch, wie man selbst mittlerweile die Welt zu sehen gelernt hat – mit harter Hand zusammenhält und dirigiert.

Irrationalismus als letztes Stadium westlicher „Kultur“

Wissenschaftsfeindlichkeit und Anti-Aufklärung als Zeitgeistphänomen:

Der Kollektive Westen ist in das Zeitalter der finalen Infantilität, Gefühligkeit und Beliebigkeit eingetreten.

Wer nicht einmal mehr weiß, was Mann und Frau ist, wie soll der wissen, was Krieg und Frieden oder Arbeit und Reichtum ist?

Russophober Irrsinn im Quadrat: Neue Normalität im kriegsertüchtigten Deutschland

Eine deutsche Staatsanwaltschaft, weisungsgebunden durch die Berliner Machthaber, ermittelt wegen Feindbegünstigung.

Unfreiwillige Satire, aber 1941 all over again.

Ich will hier nur noch raus.

Verbotene Seife aus Russland! 🪆🇷🇺

Ein Mann bekommt per Post ein kleines Geschenk aus Russland – eine Holzfigur, Seife und eine CD. Jetzt wird er wegen angeblicher Umgehung der EU-Sanktionen angeklagt.

Der Wert des Geschenks beträgt 28 €, die beiden hatten sich auf einer Landwirtschaftsmesse kennengelernt.

„Die Ermittlungen in Sachsen hat Anfang des Monats die Staatsanwaltschaft Schwerin übernommen. Denissen wird vorgeworfen, gegen § 18 Außenwirtschaftsgesetz verstoßen zu haben. Verstöße werden mit einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten bis zu fünf Jahren geahndet.“