Nachrichten aus der Welt der Kriegstüchtigkeit: Desinformation macht nur der Feind (und der ist wie immer der Russe)

Am 12. November kam der „Menschenrechtsausschuss“ des Bundestags zusammen und befasste sich mit einem Phänomen, das staatliche Akteure und ihr mediales Habitat immer nur bei der Gegenseite nicht bloß vermuten, sondern definitiv feststellen: Desinformation!

Die Gegenseite des westlichen Kriegsbündnisses ist im Prinzip jeder, der die mittlerweile ziemlich ungeregelte „regelbasierte Ordnung“ von NATO, G7, EU und USA in Frage stellt, also der Rest der Welt, im speziellen und ganz besonders heimtückisch aber mal wieder DER RUSSE.

Um den Ausschußmitgliedern den Sachverhalt zu verdeutlichen, hatte der Ausschuss eine Reihe „Fachleute“ eingeladen, deren Aufgabe in der Erklärung und Einordnung des Phänomens für die Volksvertreter bestand.

Die Einzelheiten dazu kann man u.a. einem hervorragenden Artikel von Dagmar Henn entnehmen, dessen Lektüre ich jedem empfehle. Nicht nur wegen ihrer kritischen Würdigung der Stellungnahmen der „Fachleute“ und Dagmars übrigen Schilderungen und Einschätzungen, sondern vor allem wegen eines Zitates, das sie an den Schluss ihres Artikels setzt. Dieses Zitat hat es in sich, weil es auf den Punkt bringt, wozu die staatliche WARNUNG vor der Desinformation durch den Feind dient und was Sinn und Zweck der eigenen Propaganda ist (die selbstverständlich von den Propagandisten – egal ob staatlich oder journalistisch) nie so genannt wird, sondern im Gegenteil der Propaganda des Feindes mit lauter seriösen, wahrheitsgetreuen Fakten, verbreitet von seriösen, professionellen Medien und zum Schutz der Demokratie, entgegentritt.

Die ganze Erzählung vom hybriden Krieg, der angeblich von Russland geführt werde, dessen Teil die „Desinformation“ sein soll, (erfüllt) einen zentralen Zweck: Sie soll die Bevölkerung kriegswillig machen. Daran wird Tag und Nacht gearbeitet.

Schließlich gibt es Erfahrungen, wie man das hinbekommt. „Dazu war es aber notwendig, (…) dem deutschen Volk bestimmte außenpolitische Vorgänge so zu beleuchten, dass die innere Stimme des Volkes selbst langsam nach der Gewalt zu schreien begann. Das heißt also, bestimmte Vorgänge so zu beleuchten, dass im Gehirn der breiten Masse des Volkes ganz automatisch allmählich die Überzeugung ausgelöst wurde: wenn man das eben nicht im Guten abstellen kann, dann muss man es mit Gewalt abstellen; so kann es aber auf keinen Fall weitergehen. Diese Arbeit hat Monate erfordert, sie wurde planmäßig begonnen, planmäßig fortgeführt, verstärkt.“

Das ist es, wobei all das stört, was als „russische Desinformation“ etikettiert wird. Was zum Verstummen gebracht werden muss.

Ich danke dem Leser, der mich auf diese Rede Adolf Hitlers vor der deutschen Presse 1938 hingewiesen hat.

„Nutzungsbedingungen“ der xAI

Ein Blick in die Nutzungsbedingungen der Bezahlversion von „Grok“, der künstlichen Intelligenz von X. Nach ein paar einleitenden Wohlfühlworten über die „Mission“ dieses im Bundesstaat Nevada ansässigen Unternehmens –

„We are guided by our mission to advance our collective understanding of the universe. As part of our mission, we have developed “Grok,” a conversational generative AI powered by xAI’s large language models.“

– folgen Passagen, die es in sich haben:

„Unsere Nutzung von Benutzerinhalten.

Sie gewähren xAI ein unwiderrufliches, unbefristetes, übertragbares, unterlizenzierbares, gebührenfreies und weltweites Recht, Ihre Benutzerinhalte und davon abgeleitete Werke für beliebige Zwecke zu nutzen, zu kopieren, zu speichern, zu ändern, zu verbreiten, zu reproduzieren, zu veröffentlichen, in öffentlichen Foren anzuzeigen, Informationen darüber aufzulisten, davon abgeleitete Werke zu erstellen und diese zu aggregieren, einschließlich, aber nicht beschränkt auf:

(i) die Aufrechterhaltung und Bereitstellung des Dienstes; (ii) zur Verbesserung unserer Produkte und des Dienstes sowie für unsere anderen geschäftlichen Zwecke, wie z. B. Datenanalyse, Kunden- und Marktforschung, Entwicklung neuer Produkte oder Funktionen oder Identifizierung oder Anzeige von Nutzungs- oder Nutzerinhalts-Trends; und (iii) zur Durchführung anderer Maßnahmen zur Durchsetzung dieser Bedingungen, zur Einhaltung unserer Datenschutzrichtlinie, zur Einhaltung geltender Gesetze oder zur Gewährleistung der Sicherheit unseres Dienstes.

Automatisierte Systeme, die Ihre Nutzung des Dienstes und der Benutzerinhalte analysieren, können für geschäftliche, sicherheitsrelevante und Compliance-Zwecke eingesetzt werden. Eine begrenzte Anzahl unserer autorisierten Mitarbeiter kann Ihre Nutzung des Dienstes und Ihrer Benutzerinhalte für bestimmte geschäftliche Zwecke überprüfen, einschließlich der Verbesserung von Produktfunktionen, der Untersuchung von Sicherheitsvorfällen und potenziellen Missbräuchen unseres Dienstes sowie der Einhaltung unserer gesetzlichen Verpflichtungen.“

Russlands Trauma: Zum Jahrestag der Oktoberrevolution

Die echte alternative Geschichte zu anderen Projekten war immer noch die UdSSR. Das moderne Russland kann dieses Erbe weder ablehnen noch sich zu eigen machen. Das ist der Preis des Traumas – die Schwierigkeit zu verstehen und folglich in ein Angebot zu verpacken, was genau funktioniert und warum es für die Welt von Bedeutung ist.


Simplicius the Thinker zitiert in seinem aktuellen Substack-Beitrag eine ungenannte russische Quelle zum Jahrestag der Oktoberrevolution (die nach dem heute gültigen julianischen Kalender allerdings am 7. November begann).

Die in dem Zitat vorgestellten Betrachtungen sind unbedingt lesenswert für Leute, die das heutige Russland und seine merkwürdige Hinwendung zu „traditionellen“ und „spirituellen“ Werten verstehen wollen, die von den dortigen Eliten begrüßt und propagiert wird. Dabei führen sie – voran Präsident Putin höchstselbst – offiziell einen etwas schamhaften Eiertanz auf um das sowjetische Erbe, das sie gleichzeitig in wesentlichen Elementen anwenden und modernisieren:


„Der 7. November ist ein Datum, das in Russland nicht mehr gefeiert wird, aber auch nicht vergessen werden darf. Die Oktoberrevolution schuf ein Land, das bis heute die globale Positionierung Russlands bestimmt. Das Paradoxe daran ist, dass das moderne Russland vom Ansehen der UdSSR lebt, dies aber aufgrund des unbewältigten Traumas der 1980er Jahre nicht anerkennen will.

Russlands wichtige Partner in der Welt – von Peking bis Caracas, von Pjöngjang bis Luanda – sind ein Erbe der Sowjetunion. Die Beziehungen wurden über Jahrzehnte hinweg auf der Grundlage antiimperialistischer Solidarität und echter Partnerschaft bei der Industrialisierung aufgebaut. Kim, Xi, Ortega und Lula arbeiten mit Moskau zusammen, nicht weil sie von „traditionellen Werten” inspiriert sind, sondern weil sie sich an die sowjetische Alternative zur amerikanischen Hegemonie erinnern.

Heute spricht die offizielle Ideologie von „konservativen Werten“ und „Spiritualität“, die nur in sehr begrenztem Umfang exportiert werden und im Großen und Ganzen von denen vereinnahmt wurden, die nicht zu unseren Freunden zählen. Ein moderner säkularer Staat kann nicht „heiliger als der Papst“ oder ein protestantischer Pastor aus dem Mittleren Westen werden.

Das eigentliche Vorbild Russlands ist ein funktionierender Wohlfahrtsstaat nach sowjetischem Vorbild. Kostenlose Gesundheitsversorgung und Bildung, ein Rentensystem, Mutterschaftskapital – die gesamte soziale Infrastruktur wird nicht nur erhalten, sondern weiter ausgebaut. Die Lebenserwartung ist von 65 auf 73 Jahre gestiegen, die Kindersterblichkeit ist drastisch gesunken, und Moskau baut „das beste kostenlose Gesundheitssystem der Welt“ auf – führt dies jedoch auf „effektives Management“ zurück und nicht auf die Entwicklung sowjetischer Prinzipien des universellen Zugangs.

Die Eliten sprechen lieber vom „Bankrott des sowjetischen Projekts”, während sie gleichzeitig in die sowjetische soziale Infrastruktur investieren. Dies ist eine Dichotomie auf der Ebene der staatlichen Ideologie: Innerhalb des Landes wird das sowjetische Erbe als „Tradition” umbenannt, während wir im Ausland eifrig das sowjetische „Vertrauensguthaben” annehmen. Die Wirksamkeit des sowjetischen Modells auch nur in gewisser Weise anzuerkennen, bedeutet eine Rückkehr zu dem traumatischen Zustand, als es so aussah, als hätte der Westen entscheidend gesiegt.

Das Ergebnis: Ein Land mit einem funktionierenden Wohlfahrtsstaatsmodell, das eine echte Alternative zum neoliberalen Abbau des Wohlfahrtsstaates darstellt, artikuliert dieses Modell weder, noch „vermarktet“ es dieses.

Die Krise der Selbstverständlichkeit manifestiert sich in der ständigen Frage auf allen Ebenen: „Warum tun wir das?“ Im sowjetischen Projekt war diese Frage unmöglich – die Antwort war in das Bedeutungssystem eingebettet, von der politischen Information in der Schule bis zum Politbüro. Die Hilfe für Angola war eine logische Fortsetzung des Kampfes für die Befreiung der Unterdrückten, für globale Gerechtigkeit.

„Widerstand gegen den Westen“ ist kein Ziel, sondern ein Mittel. Um einer „gerechteren Welt“ willen? Okay, aber woher kam dieser Wunsch nach Gerechtigkeit? Um ehrlich zu sein, kam er aus dem Jahr 1917, von den Bolschewiki und aus 70 Jahren sowjetischer Geschichte. Es war die Sowjetzeit, die die Logik der globalen Solidarität mit den Unterdrückten schuf.

Da es jedoch unmöglich ist, die sowjetischen Ursprünge dieser Bedeutung anzuerkennen, müssen wir von einer „tausendjährigen Tradition“ sprechen. So erhielt der im Wesentlichen sowjetische Stil eine neue Verpackung, die nicht ganz zu ihm passte.

Erklärungen wurden zu Phantomen, wie der Schmerz eines fehlenden Zahns. Ein quälendes „Warum?“

Infolgedessen funktioniert die äußere Darstellung wie eine leere Schachtel mit sowjetischer Beschriftung – es gibt keinen Inhalt, aber das Fundament der Wiedererkennbarkeit hält die gesamte Struktur zusammen.

Der 7. November erinnert an die Revolution, die Russland globale ideologische Präsenz verschaffte. Das Kaiserreich war eine Supermacht, aber die echte alternative Geschichte zu anderen Projekten war immer noch die UdSSR. Das moderne Russland kann dieses Erbe weder ablehnen noch sich zu eigen machen. Das ist der Preis des Traumas – die Schwierigkeit zu verstehen und folglich in ein Angebot zu verpacken, was genau funktioniert und warum es für die Welt von Bedeutung ist.

PS. Die UdSSR schuf ihren eigenen internen Orientalismus: Von den Parteiführern der „nationalen Republiken” wurde erwartet, dass sie einen unverwechselbaren Stil annahmen – übertriebene Lobeshymnen auf Moskau, Treueeide, emotionale Intensität, die künstlichen Schnörkel in Leonid Solowjows Büchern über Hodscha Nasreddin, die für lebende Sprachen untypisch sind.

Die heutigen zentralasiatischen Führer reproduzieren mit Trump dasselbe Modell, das ihre Vorgänger mit Breschnew verwendet haben. Sogar die Sprache bleibt dieselbe – gestern im Weißen Haus sangen die meisten Teilnehmer Trumps Lobeshymnen auf Russisch.“

Politische Bildung in Bewegtbildern: DER GESETZGEBER

Seltsame Wesenheiten bevölkern den Sprachraum der bürgerlichen Welt. Unter den verbalen Superhelden des Bourgeoiversums gibt es zum Beispiel den rätselhaften GESETZGEBER, von dem jeder nur spricht wie von einer unparteiischen, etwas unheimlichen übergeordneten Instanz, die gottgleich über den Irrungen und Wirrungen der Gesellschaft schwebt. Ab und zu (genau genommen ziemlich häufig) „gibt“ diese Instanz „Gesetze“, die dann für alle verbindlich sind.

Die Gesetze gelten unbedingt und für alle. Hinterfragen ist nutzlos und das Sich-dran-halten wird erzwungen, indem Verstöße sanktioniert werden. Das ist gut und für das Gemeinwesen nützlich, weil ohne GESETZE Mord und Totschlag herrschen würden. MIT Gesetzen zwar auch, aber wenigstens in geregelten Bahnen, und Gesetzesübertreter werden bestraft.

„So will es das Gesetz!“

Im bürgerlichen Sprachgebrauch ist DER GESETZGEBER ein im wahrsten Sinne des Wortes gesetztes Faktum, bei dessen Nennung schon gar nicht mehr gefragt oder begründet wird, WER diese merkwürdige Wesenheit ist, warum sie die Macht hat, Gesetze zu erlassen oder, Gipfel der Ketzerei, welche Interessen mit diesen Gesetzen festgeschrieben und gefördert werden.

Nein, das alles muss man nicht wissen. Es genügt zu wissen, dass DER GESETZGEBER irgendwie die absolute Macht ist. Man kann und muss nur hoffen, dass die Gesetze, die DER GESETZGEBER der Bevölkerung gibt, nicht zu schädlich für die eigenen Interessen sind oder diesen im Idealfall entsprechen. Das ist alles, was man über den GESETZGEBER wissen muss.


In der nächsten Folge unserer Mini-Serie
„Superhelden des Bourgeoiversums“:
DER ARBEITGEBER, ein enger VERBÜNDETER des GESETZGEBERS, der mit diesem zusammen Galaxie um Galaxie durchstreift, um allen Lebewesen dort ARBEIT und GESETZ zu geben!

Gastbeitrag: Die Deindustrialisierung Deutschlands ist ein Kapitalputsch

erschienen auf China Economic Indicator, 29.10.2025

Der systematische Abbau der industriellen Basis des Landes ist kein Zufall – er ist der Triumph des Finanzkapitals über das Industriekapital

Die Darstellung der Deindustrialisierung Deutschlands als unvermeidliche Folge der Geopolitik und der grünen Wende ist eine bequeme Fiktion. Sie verschleiert einen tiefgreifenden und bewussten Wandel des deutschen Wirtschaftsmodells. Was wir erleben, ist keine passive Kapitulation vor äußeren Kräften, sondern ein aktives, strategisches Projekt der Finanzelite des Landes, um die alte industrielle Ordnung abzubauen und die Wirtschaft nach den Prinzipien der Finanzialisierung neu auszurichten. Die Beweise sind nicht nur suggestiv, sondern zeigen ein klares Muster von Politik und Macht.

Die Grundlage für diesen Coup wurde durch die Kernpolitik der Energiewende gelegt: die dogmatische Stilllegung der deutschen Kernkraftwerke. Dies war nicht nur eine ökologische Haltung, sondern eine strategische Entscheidung, die bewusst Schwachstellen schuf. Durch den Verzicht auf Grundlaststrom hat Deutschland seine Industrie an die Volatilität des globalen Gasmarktes gekettet, eine Schwachstelle, die zwangsläufig ausgenutzt werden musste. Die anschließende Sabotage der Nord Stream-Pipelines hat diese Krise nicht verursacht, sondern nur zementiert. 

Die bemerkenswerte, fast gelassene politische Zustimmung zu diesem Sabotageakt, der die wichtigste Energieversorgungsader des Landes durchtrennte, offenbart eine grundlegende Wahrheit: Ein bedeutender Teil der deutschen Elite sah einen größeren Wert darin, den Status quo zu zerstören, als für dessen Erhalt zu kämpfen.

Das liegt daran, dass sich die Interessen des deutschen Finanzkapitals von denen des deutschen Industriekapitals entfernt haben. Der alte „rheinische Kapitalismus”, der auf langfristigen Investitionen in Fertigung und Maschinenbau aufgebaut war, wird systematisch abgebaut. An seine Stelle tritt ein neues Modell, das der globalen Logik der flexiblen Vermögensverwaltung Vorrang vor den lokalen, festen Vermögenswerten der Fabrikhallen einräumt.

Der Aufstieg von Friedrich Merz, einem ehemaligen BlackRock-Manager, ins Kanzleramt ist das ultimative Symbol dieser neuen Ordnung. Er steht für die endgültige Eroberung des deutschen Staates durch die Finanzklasse. Für diese Gruppe ist ein energieintensives Produktionswerk im Ruhrgebiet keine Quelle nationaler Stärke, sondern ein unterdurchschnittlich rentables Vermögen. Der unerbittliche Druck auf die Renditen der Aktionäre, der durch die künstlich herbeigeführte Energiekrise noch verstärkt wird, liefert den perfekten Vorwand für die Verlagerung der Produktion ins Ausland und die Umleitung von Kapital in Aktienrückkäufe und Investitionen in weniger greifbare, margenstärkere Sektoren wie Technologie und Finanzen.

Dies ist ein kalkulierter Übergang, kein unglücklicher Zufall. Die grüne Agenda, die als moralische Verpflichtung verkauft wurde, war ein mächtiges Finanzinstrument, um diesen Wandel zu beschleunigen, indem sie industrielle Kernanlagen als „gestrandet” bezeichnete und deren Veräußerung rechtfertigte. Das Ergebnis ist eine Zangenbewegung: Politische Entscheidungen schaffen unkonkurrenzfähige Betriebsbedingungen, während die Finanzmärkte gleichzeitig das geduldige Kapital zurückziehen, das die Industrie für ihre Anpassung benötigt.

Die sozialen Kosten – die Aushöhlung des Mittelstands, der Verlust qualifizierter Arbeitsplätze, die Erosion des regionalen Wohlstands – werden als Kollateralschaden im unerbittlichen Streben nach Effizienz und Rendite behandelt. Das Ziel ist ein schlankeres, stärker finanzialisiertes Deutschland, das weniger von den Hightech-Produktionslinien der Vergangenheit abhängig ist und sich stärker auf den reibungslosen Kapitalfluss stützt.

Der bewusste Abbau der deutschen Industrie wird nicht in einem Vakuum stattfinden, sondern einen katastrophalen Dominoeffekt in der gesamten Europäischen Union auslösen. Als zentraler Knotenpunkt im Produktionsnetzwerk des Kontinents wird die Deindustrialisierung Deutschlands komplexe Lieferketten zerreißen, Fabriken von Polen bis Portugal unrentabel machen und eine kontinentweite Deindustrialisierungsspirale in Gang setzen. Dieser Zusammenbruch der industriellen Kapazitäten wird unweigerlich zu einem starken Rückgang der Löhne und einer drastischen Verringerung der Einnahmen des Sozialstaates führen, da die Staatskassen in der gesamten Union leergeräumt werden. 

Bezeichnenderweise deckt sich dies mit den Kernempfehlungen des jüngsten Berichts von Mario Draghi zur Wettbewerbsfähigkeit der EU, in dem eine brutale Bereinigung weniger produktiver Kapazitäten und Strukturreformen gefordert werden, die die Arbeitskosten effektiv senken würden. Da die deutsche Vision nun durch Ursula von der Leyen effektiv die Europäische Kommission lenkt, handelt es sich hierbei nicht nur um eine nationale Politik, sondern um ein de facto EU-weites Projekt, das den deutschen Motor nutzt, um die gesamte europäische Wirtschaft gewaltsam in ein „wettbewerbsfähigeres” – und industriell weniger robustes – Modell umzugestalten.

Wir müssen aufhören, so zu tun, als sei dies ein Rätsel. Die Teile passen zu gut zusammen. Der Abbau der Energiesicherheit, das Fehlen einer entschlossenen politischen Verteidigung der Industrie und die Krönung einer Finanzelite auf höchster Regierungsebene lassen nur einen Schluss zu: Die Deindustrialisierung Deutschlands ist ein bewusstes Projekt. Es handelt sich um eine Unternehmensübernahme durch die Finanzkapitalklasse. Die Deindustrialisierung Deutschlands ist ein Kapitalputsch.

Quelle: https://open.substack.com/pub/chinaeconomicindicator/p/germanys-deindustrialisation-is-a


Teil 2

Im vorherigen Artikel „Deutschlands Deindustrialisierung ist ein Kapitalputsch“ habe ich dargelegt, dass der systematische Abbau der industriellen Basis des Landes kein Zufall ist, sondern das bewusste Einverständnis des Finanzkapitals gegenüber dem Industriekapital.

Wir erleben nun die letzte, brutale Phase dieses Prozesses: die erzwungene Neuausrichtung des europäischen Kapitals, das einerseits von den Vereinigten Staaten abgezogen und andererseits nach China verlagert wird, wodurch der industrielle Kern des Kontinents zu einer ausgehöhlten Hülle wird.

Das sogenannte „Handelsausgleichsabkommen“ der EU mit den Vereinigten Staaten, das im Juli 2025 abgeschlossen wurde, war weniger ein Abkommen als vielmehr eine einseitige Kapitulation. Es hat den Status Europas als Vasallenwirtschaft effektiv formalisiert. Mit Strafzöllen von 15 % auf die meisten EU-Exporte und Sätzen von 50 % auf Stahl und Aluminium wird der transatlantische Handelskorridor zunehmend zu einer Einbahnstraße.

Nachfolgende Klauseln, wie der Zwangskauf von überteuertem US-Flüssigerdgas im Wert von 750 Milliarden Dollar und eine Verpflichtung zum Import amerikanischer Waffen im Wert von 600 Milliarden Dollar, sind keine Handelsbedingungen, sondern Schutzgelderpressung, die systematisch europäisches Kapital abzieht und den Kontinent in eine langfristige Energie- und Militärabhängigkeit zwingt.

Die deutsche Finanzelite, die die kostenintensiven Fabriken im Ruhrgebiet als leistungsschwache Vermögenswerte betrachtete und diesen Prozess der Deindustrialisierung mit der Schließung der deutschen Atomkraftwerke einleitete, wird nun durch die zunehmend zwanghaften Handelspraktiken der USA unter Druck gesetzt. Die Gefahr des Ausschlusses vom US-Markt durch Zölle und Subventionen im Stil des IRA unter Biden sowie die unvermeidliche Notwendigkeit des Zugangs zum chinesischen Markt sorgten für Klarheit.

Die Entscheidung für das Kapital war einfach: Deindustrialisierung, Finanzialisierung und Diversifizierung der Vermögenswerte zwischen China und den USA. Vor diesem Hintergrund sind die Diskussionen der EU über eine „Risikominderung“ gegenüber China nur eine politische Tarnung.

Unter der Drohung des Ausschlusses aus den US-Märkten haben BMW und Mercedes bereits damit begonnen, die Produktion von Batterien und Elektrofahrzeugen auf US-amerikanisches Gebiet zu verlagern. Ein Bericht der Rhodium Group zeigt jedoch, dass diese Autohersteller, obwohl sie Milliarden in neue Fabriken in South Carolina investieren, gleichzeitig ihre Aktivitäten in China verdoppeln.

„Mehr denn je werden die Investitionen der EU in China von Deutschland und seinen Autoherstellern vorangetrieben. Deutsche Direktinvestitionen machten in der ersten Hälfte des Jahres 2024 57 % der gesamten EU-Investitionen in China aus, 2023 waren es 62 % und 2022 sogar 71 %. Dies ist auf Direktinvestitionen im Automobilbereich zurückzuführen, die seit 2022 etwa die Hälfte aller EU-Investitionen in China ausmachen.”
(Don’t Stop Believin’: Der unaufhaltsame Anstieg deutscher Direktinvestitionen in China – Bericht der Rhodium Group)

Das ist keine Diversifizierung, sondern eine rationale, kalkulierte Kapitalflucht. Die „Deindustrialisierung“ Europas ist eine bewusste Kampagne an zwei Fronten. An der Westfront wirken Washingtons Zwangsmaßnahmen im Handelsbereich und finanzielle Subventionen wie ein Vakuum, das hochwertige Fertigungsindustrien abzieht und Tribut für Energie und Sicherheit fordert. An der Ostfront setzt die Berliner Finanzelite, symbolisiert durch die Merz-Regierung, weiterhin auf China.

In diesem Zusammenhang sind die 85,7 Milliarden Euro Handelsdefizit lediglich die Kosten für eine Geschäftstätigkeit, die eine globale Kapitalrendite garantiert. Es sind die Kosten für den Zugang zu der Größe, der Dichte der Lieferketten und der Marktnähe, die China bietet, und für die Beschwichtigung einer zunehmend ausbeuterischen USA.

Die europäische Industrie befindet sich nicht nur im Niedergang, sie wird systematisch demontiert. Die Finanzelite kann höhere Renditen erzielen, indem sie den militärisch-industriellen Komplex der USA füttert und sich in chinesische Lieferketten einbettet. Die sozialen Kosten – die Aushöhlung des Mittelstands, der Verlust qualifizierter Arbeitsplätze – sind nur Kollateralschäden. Die „Greenfield-Projekte” in China und den USA sind der Ort, an dem die Überreste des alten deutschen Industriemodells begraben werden.

Dies ist die Endphase der Finanzialisierung Deutschlands und damit auch der gesamten EU-Wirtschaft.

Das europäische Projekt, das einst als potenzielles Gegengewicht angepriesen wurde, ist zu einem Debattierklub verkommen, der seine eigene wirtschaftliche Zerschlagung überwacht. Es wird zu einem abgeschotteten Markt für amerikanische Waren und zu einer Talentschmiede für US-Unternehmen umgestaltet, während seine eigenen, einst weltweit führenden Unternehmen ihr finanzielles Überleben sichern, indem sie sich in genau das Ökosystem – China – integrieren, das von seinen Politikern verteufelt wird.

Der Kontinent wird nicht nur deindustrialisiert, er wird zerstört; seine wirtschaftliche Souveränität wird zwischen Washington und Peking liquidiert.

Unverdaute Welthistorie und Selbstbeweihräucherung: Diese Regierung bereitet den Krieg gegen Russland vor

Walter Trier (1890 – 1951), deutsch-jüdischer Zeichner, wurde berühmt durch die Illustrationen der Kinderbücher von Erich Kästner. Er entkam dem Zugriff der kriegstüchtigen deutschen Staatsmacht 1936 ganz knapp und ging zunächst ins Exil nach London.

Erstaunlich, wie aktuell seine im Exil angefertigten antifaschistischen Zeichnungen heute wieder sind. Die heutigen Führer des deutschen Imperialismus planen den erneuten Krieg gegen denselben Feind. Sie benutzen dieselbe Sprache wie ihre kriegstüchtigen Vorgänger; die Sprache, die Trier im ersten Bild karikaturistisch kommentiert.

„Kanonen statt Butter – das wäre schön, wenn das ginge. Aber das ist Schlaraffenland. Das geht nicht. Sondern Kanonen ohne Butter.“
(Clemens Fuest, Präsident des arbeitgebernahen ifo-Instituts, 2025).

Bei der zweiten Zeichnung bräuchte der Koch nur das Gesicht des jetzigen statt des damaligen Kanzlers um die heutigen Verhältnisse zu beschreiben. Merz lügt der Bevökerung was vor von einem „hybriden Krieg“, den Russland gegen Deutschland bzw. Europa führen würde und behauptet, „wir“ wären zwar noch nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden mit Russland.

Walter Trier musste Deutschland verlassen wegen seines Widerstandes gegen den Aufrüstungs- und Kriegskurs der seinerzeitigen Regierung (und weil er Jude war). Wir können vorläufig noch in Deutschland bleiben, auch wenn wir zunehmend von den staatlichen Gesinnungswächtern in allen drei Gewalten drangsaliert werden.

Sprechen wir es also aus, wo (und solange) wir können:

Diese Regierung bereitet den Krieg gegen Russland vor – gegen den Willen der Bevölkerung. DAFÜR werden wir verarmt, militarisiert und propagandisiert – mit einem Wort: kriegstüchtig gemacht.

Wehren wir uns dagegen!

Pilgerreise zum Gipfel der Kreativität (liegt im Nebel): Gedanken über KI und die menschliche Inkonsequenz

Je mehr ich mich mit KI beschäftige und nach dem initialen Vergnügen, auf diese komfortable und einfache Art Grafiken und Filme zu erzeugen, fängt der ganze Kram an, mich zu langweilen, ja: zu ermüden. Der Zauber ist verflogen, diese KI-Bilder sind irgendwie zu einfach, zu geistlos, zu beliebig, inzwischen auch zu erkennbar. Wenn man ein bißchen geübt ist, erkennt man mittlerweile das KI-generierte Material auf Anhieb. Und es ist dürftig bis öde.

Bei der Animation von Zeichnungen (speziell auch von abstrakten Zeichnungen) kann man ein paar sehenswerte Resultate erzielen, ebenso bei bestimmten bildlichen Darstellungen (zu deren Erstellung man ansonsten ein Kunststudium, ein Atelier und all das einschlägige Material und Werkzeug bräuchte), die ohnehin massiv nachbearbeitet und ergänzt werden und demnach mehr in Richtung Collage gehen bzw. Collagen sind. Vielleicht – in einem gewissen Umfang – auch für Märchen- und Kinderbuchillustrationen

Ansonsten bin ich des KI-Overkills, den man überall aufgedrängt kriegt, überdrüssig und verspüre keine große Lust mehr, selber KI zu verwenden (außer zu eng umrissenen Zwecken und für konkrete Projekte). Es verlangt mich förmlich nach dem, was im Schatten der KI schon fast als gute alte „fast-analoge“ Handwerkskunst gelten muss: das ganz normale Zeichnen – ob mit Apple Pencil am iPad, oder gleich mit Bleistift, Farbstiften und Papier (was allerdings am iPad mit den entsprechenden Tools sehr gut imitiert wird).

Es ist schon was anderes, selber Formen, Farben, Figuren, Szenen und deren Kombinationen zu gestalten, als einen Prompt in ein Dialogfenster zu schreiben und dann die KI machen zu lassen.

Die Pilgerreise zum nebelverhangenen unerreichbaren Gipfel der Kreativität, die an Irrtümern und Irrwegen, an Versuchungen und Fallen reich ist, führt bei der aufstrebenden Umrundung des Berges der Kunst unweigerlich immer wieder an die Quelle simpler (na gut, von mir aus auch komplexer) handgemachter Zeichnungen und Grafiken.


Ende vom Lied: Ich wende trotzdem wieder KI an, um die Zeichnungen zum Leben zu erwecken und kleine Märchen-Animation zu erstellen. Stelle mir dabei vor, wie klasse es gewesen wäre, wenn ich vor vierzig Jahren, als die Kinder klein waren, schon solche technologischen Möglichkeiten gehabt hätte. Dabei waren damals alle happy mit den Bildern, die wir gezeichnet haben und denen, die im Kopf entstanden, wenn wir uns dazu Geschichten ausdachten…

Hoffnung für die Menschheit

In all dem Elend und Chaos einer Welt in der Vorkriegszeit (was Mitteleuropa betrifft), gibt es einen Lichtblick, eine Hoffnung für die Menschheit, sich doch noch zu einer friedlichen, harmonischen und prosperierenden Spezies zu entwickeln.

Diese Hoffnung ist die Volksrepublik China und die Partei, die dieses Land führt. Wer die Planungen für die weitere Entwicklung des „Sozialismus chinesischer Charakteristik“ liest, wird neidisch – angesichts des sich beschleunigenden Abstiegs des Kollektiven Westens, insbesondere angesichts der unverhüllten, immer zügelloseren Kriegsrethorik (ein Begleitphänomen eines wirtschaftlichen Niedergangs, der Krieg, Zerstörung und Neuaufbau als einzigen Ausweg für die imperialistischen Machthaber erscheinen lässt) wünscht man sich, dass solche Klugheit, Weitsicht und verantwortungsbewusstes Planen auch im Westen zu Hause wäre.

Ein utopischer Wunsch, da geplante Entwicklung im Interesse der Bevölkerung und imperialistische Profitabilitätslogik sich gegenseitig ausschließen.

Baizuo und Westmarxisten werden vermutlich einwenden, dass auch westliche Staatsgewalten viel schönes Wortgeklingel ertönen lassen, um ihre machtpolitischen Ränke zu idealisieren, und dass es in China eben nicht anders wäre. Diese post-kolonialistischen Schlaumeier vergessen aber, dass die chinesische KP bisher jedes ihrer selbstgesteckten und in den jeweiligen Fünf-Jahres-Plänen festgeschriebenen Entwicklungsziele erreicht für die Volksrepublik erreicht at. Etliche davon sogar vorzeitig. Mal abgesehen davon, dass Baizuo und Westlinke die einschlägigen Dokumente der KPCh in der Regel gar nicht lesen müssen, um sich selber ihre (schlechte) Meinung über Chiba und sein Gesellschaftssystem zu bestätigen.

„Die Plenartagung hebt hervor, dass die Innovations- und Schaffensdynamik der ganzen Nation im Kulturbereich zu entfachen und für eine prosperierende Entwicklung der sozialistischen Kultur zu sorgen ist. Es gilt in diesem Sinne, die anleitende ideologische Stellung des Marxismus sicherzustellen. Wir müssen fest in der reichen und tiefgründigen chinesischen Zivilisation wurzeln, sollten aber gleichzeitig auch dem Entwicklungstrend der Informationstechnologie folgen. Unsere Aufgabe ist es, eine sozialistische Kultur chinesischer Prägung im neuen Zeitalter herauszubilden, die sich durch starke ideologische Anleitungskraft, großen geistigen Zusammenhalt, überzeugende Werte und internationale Einflussstärke auszeichnet. Ziel muss es sein, den Aufbau Chinas zu einer starken Kulturnation verlässlich voranzubringen. In diesem Zusammenhang ist es von Relevanz, die sozialistischen Grundwerte zu verbreiten und zu praktizieren, ein kräftig prosperierendes Kulturwesen zu schaffen, die Kulturwirtschaft rasch zu entwickeln sowie die Verbreitungs- und Einflusskraft der chinesischen Kultur zu steigern.

Die Plenartagung weist außerdem auf die Notwendigkeit hin, die Gewährleistung und Verbesserung des Wohlergehens der Bevölkerung zu intensivieren und verlässlich gemeinsamen Wohlstand der gesamten Bevölkerung zu fördern. In Einklang mit dem Prinzip alles zu tun, was in unserer Macht steht, müssen wir sicherstellen, dass öffentliche Dienstleistungen allen zugänglich sind, den grundlegenden Bedürfnissen entsprechen und denen eine Grundsicherung ermöglichen, die diese am nötigsten brauchen. Dabei ist es unsere Aufgabe, insbesondere all diejenigen Fragen gut zu lösen, die für die Bevölkerung dringlich und schwierig sind und den Menschen die größten Sorgen bereiten. Auch müssen wir die Kanäle für die gesellschaftliche Mobilität intakt halten und die Lebensqualität der Bevölkerung steigern. In diesem Sinne gilt es, eine qualitativ hochwertige Vollbeschäftigung zu fördern, das System der Einkommensverteilung weiter zu optimieren, ein Bildungswesen zur Zufriedenheit der Bevölkerung zu entwickeln und das Sozialabsicherungssystem zu vervollständigen. Daneben setzen wir darauf, eine qualitativ hochwertige Entwicklung der Immobilienbranche voranzutreiben und den Aufbau der Healthy China Initiative zu beschleunigen. Es gilt, eine qualitativ hochwertige demografische Entwicklung zu fördern und sicheren Schrittes ein gleichmäßiges Angebot an öffentlichen Grunddienstleistungen zu schaffen.

Die Plenartagung weist darauf hin, dass die grüne Transformation in allen Bereichen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung beschleunigt und China zu einem schönen Land aufgebaut werden soll. Den Leitgedanken, dass klare Flüsse und grüne Berge so wertvoll wie Gold- und Silberberge sind, müssen wir uns fest zu eigen machen und ihn in die Praxis umsetzen.“

https://www.jungewelt.de/artikel/511674.kp-chinas-kommuniqu%C3%A9-der-4-plenartagung-des-20-zentralkomitees-der-kommunistischen-partei-chinas.html

Mein Oberkassel

Als Wohnstandort ist Oberkassel äußerst beliebt, da es hier viele der in Düsseldorf begehrten großen Altbauwohnungen gibt und der Stadtteil zugleich eine gute und gehobene Infrastruktur bietet. Die in Rheinlage liegenden Wohnungen bieten zum Teil schöne Ausblicke auf die Düsseldorfer Skyline und gehören zu den teuersten Wohnlagen der Landeshauptstadt. Oberkassel hat, wie das benachbarte Niederkassel, einen hohen Anteil an japanischen Einwohnern. Die Japaner machen in dem Stadtteil mit 23,5 % die mit Abstand größte Ausländergruppe aus. Die starke, auch internationale Nachfrage nach Oberkasseler Wohnimmobilien führte in den letzten Jahrzehnten zu einem starken Preisanstieg mit einhergehender Gentrifizierung. Dies führte dazu, dass Oberkasseler Immobilien nicht nur zu den teuersten in Düsseldorf, sondern teilweise auch zu den teuersten Immobilien Deutschlands zählen.  (Wikipedia)

Als ich in Weimar lebte, dachte ich, ich hätte meinen endgültigen Platz in Deutschland gefunden. Den ersten, der mich auf gewisse Weise mit dem Aufenthalt und dem Leben in Deutschland versöhnt. Erstens weil das Territorium der DDR auch Jahrzehnte nach der Annektion sehr viele mentale Vibrationen der vier Jahrzehnte Sozialismus aufwies, hauptsächlich natürlich in den Interaktionen mit den Arbeitskollegen und Leuten, die von dort stammten. 

Zweitens auch, weil die Dichotomie des deutschen Daseins nirgendwo so deutlich zu Tage zu treten scheint wie ausgerechnet in Weimar, der Stadt Goethes, Schillers, Herders, Bachs und all der anderen Geistesgrößen und Künstler, die noch heute das kaum kriegsversehrte Städtchen zu einem lebendigen Museum der höchsten Gipfel des Denkens und der Kunst machen. Auf der anderen Seite das direkt vor den Toren der Stadt, auf der Rückseite vom Ettersberg, gelegene Konzentrationslager Buchenwald. Man hat hier sozusagen die höchsten Höhen und die tiefsten Höllen der menschlichen Erfahrung beieinander. Und zwar dicht beieinander.

In Düsseldorf ist das anders. Hier ist alles Oberfläche, alles Schein, alles Glitzer und Tand, allerdings im linksrheinischen Stadtteil Oberkassel veredelt und mit der Patina behaglicher Bürgerlichkeit versehen, ausgestrahlt von den eleganten, schönen Altbauten, wo kein Haus wie das andere aussieht, wo man sich nicht sattsehen kann an der gepflegten, kreativen und abwechslungsreichen Bürgerarchitektur vom Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Höllenbereiche, die Abgründe der conditio humana lauern hier nicht so offensichtlich gleich um die Ecke. Sie werden nicht quasi auf dem Silbertablett präsentiert wie in Weimar/Buchenwald, sondern verbergen sich hinter der schnöselig-routinierten Abgeklärtheit der Wohlstandsbürger, der betuchten und gutverdienenden Einwohner dieses Stadtteils, in ihrem Gehabe, in den flüchtigen Gesprächsfetzen, die man beim Einkaufen oder Spazierengehen aufschnappt, in den Hipster-Läden, in den die Young Urban Professionals ihr reichlich bemessenes Spielgeld verplempern, in den vollen Restaurants – überall spürt man, gerade jetzt, im beschleunigten Niedergang der kapitalistischen Reichtumsproduktion, den Tanz auf den Vulkan, der hier stattfindet.

Man schaut mit dem Röntgenblick historisch-materialistischer Bildung (sowie der Kenntnis der aktuellen politökonomischen Verhältnisse) in die Abgründe von Ausbeutung, Gewalt und Verlogenheit, die den Reichtum der wirklich Reichen und die immer noch stattlichen Brosamen für die gehobene Mittelklasse und die Erfüllungsgehilfen der Bourgeois-Eliten möglich machen, und man merkt die Fadenscheinigkeit dieses Zustandes, den die Wohlstandsscheuklappen der Oberkasseler ihren Trägern als „Normalität“ suggerieren.

Man spürt allenthalben, in den zunehmend gereizten Reaktionen auf Kleinigkeiten, in Gesprächen und im Stimmungsklima auf Straßen und Plätzen, dass Leute, die etwas zu verlieren haben – und davon gibt’s hier im Viertel mehr als anderswo – schnell ihre bürgerliche Contenance verlieren, wenn‘s ans Eingemachte geht. Das Eingemachte sind die Vermögenswerte, der Einkommenszufluss, die ganze gehobene und bequeme Situation von „Besserverdienern“, deren Welt wenig zu tun hat mit dem immer härter werdenden Daseinskampf der übrigen lohnarbeitenden Klasse. Technisch gesehen ist auch die Mehrheit der Bewohner Oberkassels der Kategorie „Lohnarbeit“ zuzurechnen, minus den Anteil an Freiberuflen, Selbständigen und Unternehmern, die es hier ebenfalls überdurchschnittlich häufig gibt. Nur heißt der Lohn bei ihnen „Gehalt“ und beläuft sich auf ein Vielfaches der Bezüge einer Verkäuferin, einer Pflegekraft oder eines Kellners.

Die Mehrheit dieser Zeitgenossen wird jeden Angriff auf ihr „Eingemachtes“ als Anschlag auf ein als selbstverständliches empfundenes Privileg wahrnehmen und ihren Status mit Zähnen und Klauen zu verteidigen suchen. Bzw. diejenigen politischen Kräfte unterstützen und ermächtigen, die die Kontinuität dieses schönen Lebens versprechen.

Wenn Terrorismus amtlich wird

Der amerikanische Präsident lässt unbekannte Leute aufgrund eines vagen Verdachts schlagzeilenwirksam, vor allem aber extralegal und willkürlich, auf hoher See ermorden. 

Selbst wenn es hinreichende Verdachtsmomente gäbe, wäre die umstandslose Hinrichtung der verdächtigen Personen ein Verstoß gegen jede nationale und internationale Rechtsnorm, außerdem gegen die in der US-Verfassung klar definierten Prozesse und Zuständigkeiten bei Rechtsverstößen.

Judge Napolitano beschreibt einen Vorgang, der zeigt, in welchem Ausmaß die westliche Vormacht die eigenen Prinzipien und Gesetze mißachtet und welche dämonische Dimension das diktatorische gebaren des Trump-Regimes nach weniger als 12 Monaten Amtszeit bereits angenommen hat:

https://judgenap.substack.com/p/when-presidents-kill-c8c