Vive les gilets jaunes!

Die Forderungen der „gilets jaunes“ beeindrucken mich. So wie der ganze Protest gegen die neoliberale Ausbeuterei und finanzkapitalistische Mega-Verarsche mich beeindruckt, mit der Zehntausende oder Hunderttausende Franzosen sich endlich gegen ihre Blutsauger wehren.

Mindestlohn 1.300 Euro, Maximallohn 15.000 Euro, Mindestrente 1.200 Euro: na klar! Den Reichen wegnehmen, die Konzerne und das Finanzkapital an die Kandare nehmen und besteuern, die Aufrüstung stoppen – schon ist die Kohle da, die allen ein einigermaßen anständiges Leben ermöglicht.

Rente mit 60, für hart Arbeitende mit 55:

Das ist sowas von dringend nötig! Ich will nicht bis 67 arbeiten, ich bin jetzt schon kaputt von meinem 30-Stunden-Lohnarbeitsjob plus unzählige weitere Stunden pro Woche, um Monat für Monat das nötige Geld zum Überleben aufzutreiben.

Ich hasse das bourgeoise Pack, das seinen Reichtum aus der Lebenskraft und der Gesundheit der Leute presst. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass das Ausbeutergesindel samt ihren Politikern von mir aus an der Laterne oder auf der Guillotine enden kann, wenn dafür endlich ALLEN Bürgern ein Leben in Würde, mit anständig bezahlter Arbeit und einer ausreichenden Rente ermöglicht wird.

Die herrschende Klasse, die unser ganzes Leben bestimmt und die uneingeschränkte Mehrung ihres privaten Reichtums als „Freiheit, Demokratie und Marktwirtschaft“ verkauft, während sie in Wahrheit schlicht die Massen ausplündert und mit der Arroganz feudaler Blutsauger auf die Unterschichten herabblickt, hat fertig.

Ihr elender Dreckskapitalismus schafft nicht mal mehr das eigene verlogene Versprechen einzuhalten, nach dem dieses angeblich alternativlose System doch das bestmögliche wäre, weil es mehr Wohlstand für alle schaffen würde als jede andere Ordnung, und dass alle sozialistischen Versuche doch gescheitert seien – NEIN, sind sie nicht!

Der Wohlstand, den der Kapitalismus schafft, ist für die Reichen und die paar Idioten, die als lohnabhängige aber wohlbestallte Angehörige einer schwindenden Mittelschicht noch kommod über die Runden kommen – das übrige, untere Drittel der Gesellschaft (und das wird größer und größer) hat lauter gute Gründe, sich der oligarchischen Elitendemokratie zu widersetzen und DEREN normalen Ablauf von Geschäft und Gewalt so massiv zu stören und zu behindern, dass seine Stimme endlich nicht nur gehört wird sondern die Ansagen macht, wie die Gesellschaft einzurichten ist.

So, Wutrede zuende, ich geh jetzt Kaffee kochen.

Vive les gilets jaunes!

Verteidigung der DDR

Aus einem Facebook-Thread, der sich an dem Posting des obigen Memes entzündete:

Für Anti-Kommunisten ist es egal, welche Errungenschaften die DDR vorzuweisen hatte (neben ihren Fehlern und Fehlentwicklungen, die es selbstverständlich – wie in jedem Staatswesen – auch gab). Die DDR-Hasser sind in ihrer Dämonisierung dieses kleinen wackeren Landes – das in so kurzer Zeit, trotz solcher feindseligen Umstände, so viel erreichte – Argumenten nicht zugänglich, weil ihr URTEIL schon feststeht: verdammungswürdig, weil kommunistisch! Und was „Kommunismus“ ist, wissen die Anti-Kommunisten besser als Marx, nämlich das, was in den bürgerlichen Geschichts- und Philosophiebüchern steht: ein Gesellschaftssystem, das „dem Menschen“ die Freiheit raubt und für lauter Mangel überall sorgt.

Ende der Debatte.

Interessant übrigens:

Selbst wenn man etwas zur Verteidigung des Sozialismusexperimentes auf deutschem Boden zu sagen hat, hat sich die Unsitte eingeschlichen, dieses Positive zunächst mit einer Distanzierung von den negativen Seiten des Arbeiter- und Bauernstaates zu beginnen, um der ideologischen Inquisition der bürgerlichen Meinungsdiktatoren zu entgehen.

Ich für meinen Teil mache diese servile Untertanengeste nicht mit, obwohl ich natürlich auch am Realsozialismus einiges zu kritisieren habe; ich halte es aber mit Peter Hacks: Lieber der schlechteste Sozialismus als der beste Kapitalismus.

Die DDR gehört verteidigt, mit all ihren Irrtümern, all ihren unschönen Aspekten, all ihrer menschlich-allzumenschlichen einengenden Spießigkeit, weil sie eines NICHT war: ein kriegführender aggressiver imperialistischer Staat, der nach innen seine Arbeitsmannschaft als verfügbare Lohnsklavenmasse für den Dienst am Kapital rannimmt (und nach Belieben bzw. Konjunktur in die Armut entlässt) und nach außen andere Völkerschaften und Landstriche ausplündert bis aufs Blut und nach Bedarf auch mit Bomben und Soldaten.

Was dieser kleine Staat im Herzen Europas 40 Jahre lang gezeigt hat, ist dass es auch anders geht, dass man ohne Kapitalisten, ohne Ausbeuterei und ohne permanente Angst vor Arbeitsplatz- und Wohnungsverlust ein produktives und kreatives Leben führen kann.

DAFÜR wird die DDR so gehasst, DAFÜR sind 30 Jahre nach der Konterrevolution Medien, Politik, Historiker und die ganze Hofnarrentruppe des bürgerlichen Theaters noch immer damit beschäftigt, diesen Staat in den düstersten Farben zu malen und so gut wie jeden Aspekt seines gesellschaftlichen Lebens zu dämonisieren und zu delegitimieren – nicht für die paar Leute, die vielleicht durch ungerechte Behandlung seitens einiger Parteibonzen negative Erfahrungen machen mussten.

Bürgerliche Wahlen und ihre Vor- und Nachbereitung: Noch eine Beleidigung der Intelligenz, allerdings mit unfreiwilligem Humorfaktor

Bürgerliche Wahlen haben – neben der offensichtlichen Idiotie der Wählerbetörung durch das berechnende Anbiedern der um die Macht konkurrierenden Vereine VOR der Wahl – immer auch einen (ungewollt) komischen Aspekt. Der tritt vor allem zutage, wenn im Anschluß an die Abstimmung die Vertreter der diversen Politsekten ihre Einschätzung zum Besten geben – ähnlich wie Fußballer direkt nach Abpfiff stammeln dann entweder niedergeschlagene oder euphorisierte Charaktermasken ihre vorgestanzten Sprechblasen in die Kameras und Mikrofone.

Vor allem im ersten Fall darf auf keinen Fall das Nullwort “Analyse” fehlen, vorzugsweise zu dem Satz “Wir werden das Ergebnis gründlich und in Ruhe analysieren” ergänzt. Die journalistischen Hofschranzen, die in devoter Untertanengeste den (bislang oder demnächstigen) Mächtigen die Fragen stellen dürfen, machen dazu gewichtige und ernste Mienen, geben sich den Anschein, als ob sie die inhaltsleeren Verlautbarungen der gewählten oder abgewählten Machthaber für Offenbarungen erster Güte halten und lassen sich freiwillig und gerne von den politischen Profis einseifen – ganz so wie das Wahlvolk selbst, zu dem die Hofberichterstatter ja auch gehören.

Kurz nach Schließung der Wahllokale und Veröffentlöichung der ersten Hochrechnungen tritt Andrea Pippi Bätschi N. vor die Kameras, Vorsitzende einer Kleinpartei mit einer historisch bedingten größeren Rolle in Deutschland. In ihrem ca. 3-minütigen Statement kommt das Wort “Analyse” und “analysieren” in allen möglichen Kombinationen vor, die sichtlich überforderte und schmallippige Vorsitzende gibt sich Mühe, mit Politsprech-Versatzstücken schnell die Zeit über die Runden zu bringen und dabei möglichst nichts zu sagen. Soweit alles also normaler demokratischer Wahlzirkus. Während aber Frau Bätschi noch “Analysen” ANKÜNDIGT, ist für die Vertreter der politischen Geschmackstester von der journalistischen Zunft die Ankündigung identisch mit der Tat: dasselbe Statement der Bätschi-Frau wird im Radio von der Nachrichtensprecherin so abmoderierend eingerahmt: “… analysierte Andrea Nahles”.

So schließt sich der Kreis der heißen Luft völliger Debilität als Auswuchs
der Verachtung, die Politiker wie Journalisten mittlerweile für das ohnehin für dumm gehaltene Publikum haben.

Und während die Öffentlichkeit Befindlichkeiten der Machthaber und kaffeesatzmäßig erforschte Konstellationen möglicher künftiger Regierungskoalitionen kennerisch wie illusionslos begutachtet und kommentiert, läuft die eine Sache, die weder zur Wahl noch zur Debatte steht, unverändert und effektiv wie eh und je weiter: die hocheffiziente Verwaltung des Kapitalstandortes BRD zugunsten der Eliten, der Konzerne und Oligarchen, der Ausbau seiner imperialistische Ausrichtung und Ausrüstung und die zunehmend brutaler Sortierung seiner Untertanen in nützlich und nutzlos für das Kapitalwachstum.

Altersweisheit

Je älter ich werde, je länger ich mich auch selber hab sagen hören „Ist alles nicht so einfach, es gibt keine einfachen Lösungen, man muss die Komplexität der Erscheinungsformen berücksichtigen, Ismen sind keine adäquaten Lösungsansätze für die immensen Probleme dieser Spezies und der Welt“ – umso mehr komme ich auf die unumstößliche simple Tatsache, dass ein Umsturz der Eigentumsverhältnisse nötig ist und dass dazu eine kommunistische Partei gebraucht wird, die die Klasse, die als einzige diesen Umsturz durchführen kann, dabei anleitet und anschließend die Ergebnisse gegen die Kräfte des Alten sichert und verteidigt.

Nennt sich auch Diktatur des Proletariats, und wenn sich jetzt bei manchen die Fußnägel nach oben krümmen vor Grausen über diesen schlimmen Ausdruck: ja, anders geht’s nicht, und lieber das Proletariat vermittels seiner Partei beim Diktieren der Lebens- und Produktionsverhältnisse als – wie jetzt – der Imperialismus bzw. die Bourgeoisie.

Danke für die Aufmerksamkeit

Euer Politkommissar

An die Rassisten und Hetzer

RT berichtet über die Eröffnung des bayerischen Abschiebezentrums. Ein Blick in die Kommentare erzeugt sofortigen Brechreiz über die tatsächlich AUSSCHLIESSLICHE Hetze, Feindseligkeit und Vernichtungsphantasien der Kommentatoren gegen die Protestierenden gegen diese Einrichtung.

Ich kann mich nicht zurückhalten und kotz mich auch mal aus:

Hey, Rassisten und Überfremdungsschißhasen!

Schon mal überlegt, eure Feindseligkeit und „Haut bloß ab!“-Parolen zur Abwechslung mal an DEN RICHTIGEN auszulassen?

Zum Beispiel an eurer Obrigkeit (ja, das ist die Verwaltung eures feinen Kapitalstandortes, die Regierung der BRD und ihre Politik für die, die das Geld haben und denen die Unternehmen gehören; diejenigen, die Afrika und den Nahen Osten mit ihrer Wirtschaftspolitik und ihren Kriegen zu den Elends- und Kriegsgebieten gemacht haben, aus denen die Leute jetzt abhauen).

Die braucht ca. 12,5 Mrd. Euro pro Jahr für 1 Mio Flüchtlinge. Hört sich viel an?

Dann passt mal auf, werte blaubraune Volksgenossen:

Durch die Steuerflucht der Reichen und Konzerne gehen Staat und Steuerzahlern etwa 100 (hundert) Mrd. Euro jährlich verloren (Quelle: Hans-Böckler-Stiftung)

Und dieselben Reichen und Konzerne samt ihren politischen Standortverwaltern, die ihr so gerne wählt (ja, ihr vaterländischen Vollpfosten, eure AfD gehört auch dazu, die will euren schönen Kapitalismus nämlich nur völkisch durchsortieren und ansonsten den Unternehmen bei der dann ganz deutschnationalen Ausbeuterei alle Hindernisse aus dem Weg räumen) sind es übrigens auch, die euch als willige aufgehetzte Fremdenfeinde brauchen, damit ihr euch nicht fragt, WEM es eigentlich nützt, massenhaft Konkurrenz um Arbeit und Wohnungen ins Land zu holen, die den Arbeitslohn billiger und die Mieten teurer macht. Wem es nützt, wenn die Unterklassen sich gegenseitig anfeinden und die Köpfe einschlagen.

Ach, solange ihr davon profitiert, weil ihr ein paar Brosamen von der kapitalistischen Tafel abkriegt, juckt euch das nicht?

Und jetzt, wo eure Herrschaft die Daumenschrauben anzieht, euch immer ärmer machen und euch, wenn ihr nicht spurt, unter das Hartz4-Regime zwingt;

jetzt, wo die Herren aus den Unternehmerverbänden der Massenmigration aus den Ländern, die sie selber durch ihr Profitstreben und ihre Rohstoffkriege ruiniert haben, das Wort reden, weil sie willige und billige Arbeitskräfte brauchen;

jetzt richtet ihr eure Gegnerschaft IMMER noch nicht gegen die, die euch das alles einbrocken, sondern lasst eure ganze beschissene Überlebensangst an den armen Säuen aus, die genauso wie ihr Opfer desselben kapitalistischen Berechnung seid?

Ja? Hab ich mir gedacht.

Dann hetzt doch munter weiter und wundert euch aber bitte nicht, wenn ihr in eurem zukünftigen blaubraunen Deutschland ganz ohne Flüchtlinge und „Asylanten“ immer noch als brave Untertanen und Lohnsklaven auf Gedeih und Verderb davon abhängig seid, dass ein Unternehmen eure Dienste braucht, um den Reichtum seiner Shareholder zu mehren.

Und wenn ihr dann in der Schlange im Jobcenter steht und nur noch deutsch gesprochen wird und lauter Arier um euch rum auf ihren Aufruf warten, könnt ihr richtig stolz auf eure Glanzleistung sein, ein paar Konkurrenten vertrieben zu haben und ansonsten weiter als fügsame Untertanen zu funktionieren.“

 

Die Banken so: Weniger als Fünfzig Euro? Nicht mit uns!

Der Geldautomat meldet mir beim Versuch der Barabhebung, dass meine„Karte ungültig“ sei.

Die freundliche Dame in der Hotline der Bank erklärt mir auf Nachfrage: „Sie haben versucht, 20 Euro abzuheben. Sie müssen mindestens 50 Euro abheben, weniger geht nicht mehr. Darauf haben sich die Banken geeinigt.“

„Mit mir haben die sich nicht geeinigt“, liegt mir auf der Zunge, aber ich will die Servicekraft nicht unnötigerweise verwirren.

„Niedrigere Beträge sind nur noch verfügbar, wenn man weniger als 50 Euro auf dem Konto hat“, fügt die Bankdame noch hinzu. Kein Problem bei meinen Einkommensverhältnissen, denke ich im Stillen und bedanke mich für die Auskunft.

Immerhin ist meine Karte nicht ungültig, sondern mein gewünschter Geldbetrag verweist mich per Auszahlungsverweigerung auf meinen Status als armer Schlucker, der sich noch nicht mal einen Fünfziger ziehen kann. Wahrscheinlich muss ich im Grunde dankbar sein, überhaupt noch das Privileg eines Bankkontos zu bekommen.

Die Bevölkerung wird immer ärmer und muss mit immer weniger zurechtkommen, teilt sich das wenige Geld entsprechend knapp ein – aber die Geldinstitute dieser besten aller Welten setzen den Mindest-Auszahlungsbetrag mal eben auf mehr als das Doppelte hoch und zeigen damit die ganze institutionelle Verachtung für die ärmeren und unteren Klassen, bei denen ein Fünfziger u.U. schon das Wochenbudget zum Überleben ist.

Erinnert an den fälschlicherweise Marie Antoinette zugeschriebenen Satz, dass die Armen, wenn sie kein Brot hätten, doch Kuchen essen sollten.

„Ihr Versager wollt bloß zwanzig Euro ziehen? Davon kann man doch nix kaufen – nehmt bitte FÜNFZIG!“

Vorkriegszeit, Faschisierung, Einheitsfront

Mein Gefühl ist, dass wir nicht nur in einer Vorkriegszeit leben, sondern auch in einer Gesellschaft, die teils schleichend und unmerklich, teils offen und sichtbar in Richtung Faschismus gleitet. Nicht der alte Braunhemd- und Hakenkreuzfaschismus. Sondern der moderne, freiheitlich-demokratische, völlig legale und mit rechtsstaatlichem Prozedere institutionalisierte Faschismus.

Dagegen müssen alle Leute, die die menschliche Verrohung des Neoliberalismus, die ganze brutale Verachtung der sozial Benachteiligten des bürgerlichen Staates in der Krise (ausgedrückt z.B. durch das Hartz4-Regime) wahrnehmen können, gemeinsam opponieren und wenigsten an dieser Stelle den Vormarsch der kapitalistischen Unmenschlichkeit stoppen. Und wenn’s geht umkehren.

Dabei können wir – sofern wir uns als Kommunisten empfinden – nicht die sozialistische Rechtgläubigkeit der Bündnispartner einfordern oder voraussetzen.

Das heißt aber ja nicht, dass man nicht bei jeder Gelegenheit die Klassengegensätze und die Eigentumsfrage thematisiert, denke ich.

Ich meine es ernst: ich denke, wir befinden uns in einem antifaschistischen Abwehrkampf und brauchen eine Einheitsfront aller linken, humanistischen, im guten Sinne demokratischen Kräfte gegen den Rollback zur gnadenlos brutalen Version der Kapitalherrschaft.

In meiner Familie gab es vor 1933 dieselben Diskussionen zwischen den sozialdemokratisch und den kommunistisch orientierten Antifaschisten (Großvater und Großonkel). Ergebnis: der eine landete in Gestapo-Haft und im Strafbataillon 999 (der Sozialdemokrat), der andere tauchte nach Frankreich ab und schloss sich dort der Résistance an.

Beide überlebten, zum Glück.

Was ich sagen will: in einer solchen geschichtlichen Situation haben wir keine Zeit für ideologische Streitereien und Rechthabereien sondern sollten alle Menschen guten Willens sammeln, um Bürger- und Arbeiterrechte zu verteidigen und zumindest die Voraussetzungen für Klassenkampf unter bürgerlich-demokratischen Bedingungen zu erhalten.

Nationale Katastrophe: Niederlage in WM-Auftaktspiel

Nach verlorenen Turnierspielen der BRD-Auswahl schaue ich gerne mal bei der völkischen Presse rein, um die Schmach fürs nationale Gemüt von allen Seiten auszukosten. Besonders das Springer-Hetzblatt „Bild“ tut sich da hervor, in der Regel mit dem „Bild“-typisch unappetitlichen Rangewanze an die von „Bild“ mitgezüchtete rabiate Volksseele.

Dieses Schundblatt kombiniert gerne die Artikulation des kollektiven Frustgefühle einer auch beim Fußball weltmachtmäßig anspruchsvollen Nation mit ultimativen „Jetzt erst recht!“- und „Arsch zusammenkneifen und ab in die Schützengräben!“-Appellen an die Versager, die es gewagt haben, Deutschlands Ehre auf dem Fussballfeld zu beflecken.

Und richtig, ich werde gleich fündig:

Schon die Balkenüberschrift des Frontberichts aus Moskau klärt auf, dass es jetzt um nichts anderes als Sein oder Nichtsein geht:

„DARUM geht es jetzt schon ums WM-Überleben“, wird der deutsche Fernseh-Landser von seiner gedruckten Wochenschau informiert.

Ein paar Absätze weiter unten erfährt man dann, welch unglaublichen Mangel an Ernsthaftigkeit sich manche der deutschen Truppenteile erlauben: da nimmt doch tatsächlich einer der jungen Fußballer kurz nach dem vergeigten Spiel ein Selfie mit einem Fan auf, statt in Sack und Asche gehüllt sofortiges Medizinballtraining aufzunehmen, damit WIR beim nächsten Spiel wenigstens dem Schweden zeigen können, wo die Glocken hängen.

Urteilsverkündung der nationalen Sportpropagandastelle der „Bild“-Zeitung: Peinlich!

Julian Brandt kann sozusagen froh sein, der Todesstrafe wegen Zersetzung entgangen zu sein.

Wenn (selbst-)gerechte Empörung und Betroffenheitsduselei biologistischen Rachedurst wachrufen

Ein Facebook-Kontakt schreibt folgendes (und verlinkt auf ein Interview mit dem notorischen Berliner Law&Order-SPD-Rechten Buschkowsky, in welchem letzterer den noch notorischeren Volksverhetzer Sarrazin rehabilitiert; Zitat: „Es wird die Zeit kommen, da werden sich noch viele die geschimpft haben bei Thilo Sarrazin zu entschuldigen haben!“):

„Ich bitte alle Realitätsverweigerer, Whataboutism’er oder möchtegern-Meinungsregulatoren mich zu entfreunden oder zumindest auf meiner Seite die Schnauze zuhalten. Seid offen für die Realität oder trollt euch. Ich bin Vater einer minderjährigen Tochter und eines adoleszenten Sohnes und möchte gerne vor ihnen sterben.“

Ich konnte natürlich die Schnauze NICHT halten und bin fast sicher, dass mein Kommentar mich für den Urheber des Zitates zum realitätsverweigernden Meinungsregulator machen wird, der sich zu trollen hat:

„Endlich mal wieder eine Gelegenheit, das eigene Gefühl von gerechter Empörung und Betroffenheit ganz grundsätzlich („Bin Vater von Kindern!!“) zum Maßstab gesunden Volksempfindens zu machen und gleich mal per Re-Post eine Ehrenrettung des völkischen Hetzers Sarrazin vorzunehmen.

Abgesehen davon, dass es in der Justiz nie um das Gerechtigkeits- und schon gar nicht um das Rachebedürfnis des einfachen Untertans geht, sondern um den Ordnungs- und Strafanspruch und das Gewaltmonopol des Staates, ist es bezeichnend, anhand WELCHER Straftaten und Täter der empörte Bürger hier nach Tabula Rasa und Schluss mit jedem Einwand und jeder Bedenkenträgerei ruft.

Der fremdländische Einzeltäter, der eine Minderjährige vergewaltigt und ermordet, dient dem betroffenheitsentschlossenem Gemüt allemal als Aufhänger für zornige Hinweise an die geneigte Leserschaft, jetzt frag- und kritiklos die biologischen Nistbau- und Brutpflegeinstinkte des Empörten zu teilen: „Ich will meine Kinder überleben!“

Ja, wer will das nicht?

Und was soll ausgerechnet in diesem Zusammenhang dieser Hinweis?

Die selektive Empörung, die bei dieser Art Statements zum Vorschein kommt, ist umso verlogener, je kategorischer sie sich Widerspruch von vorneherein verbittet („Entfreunde mich oder halt die Klappe, wenn du es anders siehst!“), denn sie bleibt aus, sobald es sich um andere Opfer der täglich anfallenden Gewaltverhältnisse handelt, z.B um von israelischen Scharfschützen ermordete Krankenschwestern, von US-Drohnen umgebrachte Kinder und Frauen oder andere Kollateralschäden imperialistischer Weltbeaufsichtigung.

Aber das ist sicher schon wieder „Whataboutism“, richtig?“

Zweimal über das Alter

1.
Meine juvenile Chefin (die 30-jährige Leiterin des Sozialen Dienstes des Pflegeheims) spricht mich an wegen der vielen Personalausfälle im Pflege- und Hauswirtschaftsbereich.
Ob ich an mein Samstags-Gruppenangebot noch eine Küchenschicht anhängen könne; der Wohnbereich stünde ohne Hauswirtschafts- oder FSJ-Kräfte fürs Abendbrot da und zwei Pflegekräfte könnten unmöglich 25 Leute pflegen UND für das Abendessen sorgen.
Da dies die Art Fragen sind, auf die man nicht „Nein“ antworten kann, wenn man die Situation in Pflegeheimen kennt (außer es ist einem egal, ob die Bewohner zu Abend essen oder nicht), sage ich also zu.
Meine Chefin so: „Du bist mit Swetlana im Wohnbereich. Das ist so eine Ältere, ganz Nette….“
Ich kenne und schätze die fragliche Kollegin und muss lachen, weil sie aus Sicht einer Dreißigjährigen wohl tatsächlich „eine Ältere“ ist. Ich frage aber trotzdem aus Neugierde mal nach: „Was meinst du denn mit ‚Ältere‘?“
„Na, so ca. 45…“
„Hm… für mich ist die im besten Alter!“, gebe ich zu bedenken, „du sagst das so, als ob die kurz vor der Pensionierung steht…“
Darauf die mir hierarchisch Vorgesetzte: „Ja, aber du bist sowieso ein Rätsel. Du siehst nicht aus wie Sechzig und du benimmst dich auch nicht so. Ich weiß nicht, wie du das machst….“

2.
Vor Dienstbeginn im Getränkemarkt. Ein älterer Herr, ca. Mitte Siebzig, und ich biegen mit unseren Einkaufswagen gleichzeitig von verschieden Seiten in die Zielgerade vor der Kasse ein. Ich will ihn vorlassen, doch er bietet mir den Vortritt an und sagt: „Wir haben doch Zeit! Bei uns kommt’s doch auf ein paar Minuten nicht an…“
Ich wunder mich über das „wir“ und frage:
„Wieso? Seh‘ ich aus wie ein Rentner?“
Er, ohne zu zögern: „Ja.“