Geschichten die das Leben schrieb: Häuslicher Urlaubsdialog

Nach einem weiteren Tag am Meer, den ich gewohnheitsmäßig mit viel Lektüre, guter Musik und ausgiebiger Faulenzerei verbracht habe, begebe ich mich in die Küche der Ferienwohnung, wo die Frau bereits eine Flasche Grauburgunder aus dem Kühlfach holt.

Ich scrolle durch den Newsfeed der diversen Substack-, Telegram- Facebook- und X-Postings und stelle nach einer ersten oberflächlichen Einschätzung fest, dass sich an EINER unausweichlichen Tatsache nichts geändert hat:

Wir leben auf einem Strafplaneten, dessen Bewohner einem Abgrund kollektiver Idiotie entgegen taumeln, die das Zeug zu einer Tragödie nie gekannten Ausmaßes hat.

Soweit also alles wie immer.

Ich stelle das mobile Endgerät beiseite, lasse mich wie ein nasser Sack in den Küchenstuhl fallen und stoße einen Seufzer aus, der direkt der tiefsten Quelle meiner empfindsamen Ästhetenseele entspringt.

Die Frau fragt: „Was ist los?“

„Wo soll ich anfangen?“ antworte ich. „Soll ich mit dem Drama der menschlichen Existenz beginnen? Dem Abgrund des Irrsinns, der einem in dieser Welt ständig ins Gesicht schaut? Den Zuständen, die Menschen zu Sklaven der Verhältnisse machen ohne dass sie sich dessen bewusst sind? Du weißt doch, womit ich mich immer beschäftige und was mich so umtreibt…“

„Wir haben zu essen für die nächsten vier, fünf Tage!“ verkündet die Frau, die vor dem geöffneten Kühlschrank steht, als Antwort, und ich weiß mal wieder, wer der Stein an der Schnur des Luftballons meines Daseins ist und mich auf der Erde hält.

Darauf können wir anstoßen, und das tun wir auch.

Geschichten die das Leben schrieb: Es kommt immer alles anders als man denkt, oder auch nicht

Die Frau so, heute morgen, nachdem sie die Meldungen aus Teheran mitgekriegt hat: „Hoffentlich können wir unseren Urlaub noch antreten!“

Ich ärgere mich, das ich am gestrigen Donnerstag die Summe für einen Monat Ferienwohnung an der Ostsee überwiesen habe. Andrerseits: sollten die zionistischen Irren und ihre amerikanischen und europäischen Freunde tatsächlich nukleare Waffen einsetzen, wären ein paar Tausend verlorene Euro wohl das geringste unsere Probleme.


Angelo Guiliano (Italienisch-schweizerischer Journalist und Unternehmer, Hongkong):

„Israel ist die furchterregendste Nation der Welt.

Es begeht aktiv Völkermord, völlig unerschrocken – ohne zu zögern, ohne Angst vor den Folgen, ohne Rücksicht auf seinen ruinierten Ruf.

Stellen Sie sich nun Folgendes vor: Der Iran schlägt zurück und versetzt Israel einen schweren Schlag. Glauben Sie wirklich, dass dieses Regime auch nur eine Nanosekunde zögern würde, bevor es seine Atomwaffen einsetzt? Denken Sie gut darüber nach.

Dies ist ein Staat, der bewusst 2 Millionen wehrlose Zivilisten hungern lässt.
Welches Ausmaß an Vernichtung würde Ihrer Meinung nach auf den Iran niedergehen – einen Feind, der tatsächlich zurückschlagen kann?

Wenn sich die Lage weiter zuspitzt, steuern wir geradewegs auf einen Atomkrieg zu. Und die Allianz zwischen den USA und Israel wird die Zündschnur anzünden und sich dabei hinter ihren üblichen Lügen über eine „iranische Bedrohung” verstecken.“

Geschichten, die das Leben schrieb: alles wie immer auf der Hunderunde 

Hund und ich wollten nur zum Rhein gehen, gerieten aber in eine Art Dimensionenportal oder Wurmloch, dass uns unvermittelt in eine parallele Realität beförderte. 

Unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Ringes, dort, wo normalerweise die Rheinwiesen sind, öffnete sich jetzt ein klaftertiefer Abgrund. Aus den Tiefen sah man Flammen und Rauch emporsteigen, in denen in endloser Abfolge allerlei dämonische Fabelwesen um- und durcheinander schwebten, tanzten, flatterten und zuckten, nur um wieder zu verschwinden, ehe sich das Spektakel wiederholte. 

Ein Hinweisschild warnte vor dem Sprung in diesen Abgrund, als ob man nicht von selbst darauf kommen würde, keinesfalls in diesen Höllenschlund zu springen. Entgegen unserer Annahme gab es aber keinerlei Hitzeentwicklung, keine Geräusche oder Gerüche und ähnliche Auswirkungen der sichtbaren Phänomene. Dies deutete darauf hin, dass es sich hier tatsächlich um einen Zwischenzustand in der Grenzzone von dieser und einer anderen Realität handeln musste.

Neugierig näherten Hund und ich uns dem Abgrund, um hineinzuschauen, konnten aber nichts ausmachen als die schon bekannten Erscheinungrn. Auf einmal jedoch stieg von unten ein seltsames Dampfschiff von der Größe eines Toasters empor. Aus einem pilzförmigen Aufbau an Deck dieses merkwürdigen schwebenden Gefährts schallte eine scheppernde Lautsprecherdurchsage, die wieder und wieder – und mit erkennbaren Pathos in der trotz der blechernen Verzerrung gut hörbaren Stimme – das Ende aller Tage ausrief und zu Einkehr und Läuterung aufforderte.

Da nun vor kurzem ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche den Stuhl Petri bestiegen hatte, hielt ich es zunächst für möglich, dass es sich hier um eine ganz ausgeklügelte und elaborierte Marketingmaßnahme handeln könnte, mittels derer glaubensmäßig ungefestigte und schwankende Zeitgenossen zurück auf den Pfad christlicher Tugend gelockt werden sollten.  Dann jedoch bemerkte ich die zahlreichen kommunistischen Banner und roten Fahnen, mit denen das viktorianisch anmutende Dampfschiff dekoriert war.

Ehe ich noch diesem Widerspruch auf den Grund gehen konnte, zerrann die Vision und vor uns lagen die Rheinwiesen, wie wir sie kannten. Die ersten Wagen der Rheinkirmes-Schausteller waren eingetroffen und die Spaziergänger und Hundehalter flanierten mitsamt ihren Vierbeinern durch die Landschaft. Alles war wie immer, und doch war nichts wie vorher – was aber dazwischen lag, erzog sich jeglicher begrifflichen Definition und, wenn ich ehrlich bin, auch der Wahrnehmbarkeit.

Ich führte die gesamthafte Begebenheit auf zu wenig Kaffee am Morgen zurück und begab mich zusammen mit dem Hund umgehend auf den Rückweg, um diesem Mangel abzuhelfen.

Geschichten die das Leben schrieb: lustiger Alltagsrassismus der Mittelschicht

Auf der morgendlichen Hunderunde, hinter der Ladenzeile im Oberkasseler Neubaugebiet, tritt ein junger Mann südländischer Ethnizität aus einem der Hauseingänge, frisch geduscht und geföhnt, mental erkennbar gerüstet, den vielfältigen Herausforderungen des Lebens entschlossen und siegreich entgegenzutreten.

Er zündet sich umständlich eine Zigarette an und überprüft im Seitenfenster eines parkenden Autos noch einmal sein Erscheinungsbild. Das scheint auch nötig, denn sein Outfit besteht aus einer Lederjacke über einem T-Shirt und einer hellgrauen Jogginghose.

Die Frau und ich betrachten uns im Näherkommen das Schauspiel. Ich muss an das bekannte Zitat von Karl Lagerfeld denken und bemerke, mehr zu mir als zu meiner Begleiterin: „Noch einer, der die Kontrolle über sein Leben verloren hat…“

„Hab ich auch grad gedacht“, entgegnet die Liebste. „Du glaubst gar nicht, was für ein asoziales Volk morgens in die U-Bahn einsteigt, wenn ich zur Arbeit fahre… Ich nehme manchmal absichtlich die U 77, weil da nicht so viele von denen mitfahren…“

Jetzt wird mir die Konversation aber doch etwas zu heikel bzw. zu gruppenbezogen vorurteilsbelastet und ich wende ein „Naja, was heißt hier asozial? Wenn die so früh unterwegs sind, fahren die ja anscheinend alle zur Arbeit…“

„Oder zum Arbeitsamt!“ kommt die sofortige Antwort meiner Herzdame.

Geschichten, die das Leben schrieb: Nichts wird verschont von der Vergänglichkeit

„Obschon ein Regenbogen klar und unbewegt
am Firmament erscheint,
verschwindet er doch, ganz plötzlich
Obschon die Sommerblüten
in leuchtenden Farben blühen,
verwelken sie schnell, wenn die Jahreszeit wechselt
Nichts wird verschont von der Vergänglichkeit!“
(Yogini Mandarava*)

Mandarava war eine indische Prinzessin aus dem 8. Jahrhundert, die ihre Heimat verließ und auf ihr Geburtsrecht verzichtete, um den Dharma zu praktizieren. Sie wurde eine der beiden Hauptschülerinnen von Padmasambhava (Guru Rinpoche) und wurde schließlich zu einer Dakini der Weisheit, des Wissens und des Bewusstseins.

Einer der ältesten Freunde meiner Frau, zu dem sie immer Kontakt gehalten hatte (naja, eher er zu ihr; jedenfalls trafen sie sich und wir uns mehrmals im Jahr), konnte letztes Jahr mit Dreiundsechzig in Rente gehen. Er hatte einen wichtigen und gutbezahlten Job in der produzierenden Industrie und konnte genug Vorsorge treiben und Vermögen ansammeln, um entspannt seinem Ruhestand entgegenzublicken.

Als Hobbyfotograf mit künstlerischen Anspruch und als leidenschaftlicher Koch hatte er große Pläne. Zusammen mit seiner Frau wollte er ein Wohnmobil kaufen und Europa auf der Spur landschaftlicher Schönheit und kulinarischer Entdeckungen bereisen.

Vor fünf Wochen fiel seiner Frau auf, dass er sich beim Kofferpacken seltsam verhielt, die Sachen wahllos und ungeordnet in den Koffer schmiss und nicht zu wissen schien, was er da tat. Darauf angesprochen, reagierte er – ausgesprochen untypisch für ihn – extrem aggressiv, stieß sie fort und wirkte völlig durcheinander und ratlos.

Sie hatte den guten Sinn, ihn umgehend zu einer neurologischen Untersuchung zu schicken, bei der ein Hirntumor festgestellt wurde. Ohne Operation wäre seine Lebenserwartung äußerst gering, sagten ihnen die Ärzte.

Bei der OP ging dann scheinbar einiges schief – ob durch ärztliche Fehler oder einfach durch Pech vermag niemand zu sagen. Er erlitt einen Schlaganfall, kurz darauf noch einen, wodurch das Sprachzentrum im Gehirn so massiv beeinträchtigt wurde, dass er Sprache und Schluckreflex verlor.

Nach einem dritten Schlaganfall liegt er nun für den Rest seiner vermutlich nicht mehr lange währenden Lebenszeit weitgehend bewegungslos in einem Pflegebett und muss künstlich ernährt, gewaschen und gewendet werde.

Die irreversible Schädigung seines Gehirns bewirkt unter anderem, dass seine Erfahrung der Realität im ihn herum und ihn ihm selbst nicht übereinstimmt mit seiner früheren Wahrnehmung bzw. Person. Er scheint zu begreifen, dass er fast kommunikationsunfähig in einem Körper mit lädiertem Gehirn eingesperrt ist, reagiert (manchmal) auf Ansprache, lässt aber dabei erkennen, dass er auch „normale“ Fragen und Sätze inhaltlich nicht verstehen kann. Die Verbindung von Wahrnehmung, Sprache, Erkennen, Selbstempfindung und Orientierung in der Welt scheint an mehreren Stellen fundamental geschädigt und gestört zu sein.

Er gilt als „austherapiert“, d.h. die Mediziner sehen keine Möglichkeit einer Besserung oder gar Heilung. Demnächst wird er vom Krankenhaus in ein Hospiz verlegt.

*** Warum schreibe ich darüber so ausführlich? ***

Weil es jedem passieren kann. Und weil man sich zwar nicht auf solche Ereignisse, aber auf die dadurch notwendigen Entscheidungen einstellen kann und sollte.

Die Frau dieses Mannes hat Zeit ihres Lebens alles ihm überlassen, von der Verwaltung der Gelder über sämtliche „offiziellen“ Angelegenheiten bis hin zur Vorsorgeplanung. Die beiden sind finanziell bestens aufgestellt, aber eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht zählte nicht zu ihren Planungen.

Jetzt steht sie vor allen möglichen Entscheidungen, weiß nicht, wie sie reagieren soll, was die tatsächliche Wünsche ihres Mannes sind, ist überfordert usw.

Das Leben ist eine fragile und vorübergehende Sache. Macht eure Patientenverfügung und eure Vorsorgevollmacht! Wenn eine Situation ähnlich der oben geschilderten Eintritt, werdet ihr es bitter bereuen, wenn ihr keine gemacht habt. Dann bestimmen nämlich im Zweifel andere über euch als die, von denen ihr es wünschen würdet.

Patientenverfügung: https://www.verbraucherzentrale.de/patientenverfuegung-online

Vorsorgevollmacht: https://www.verbraucherzentrale.de/gesundheit-pflege/onlinevorsorgevollmacht-jetzt-kostenlos-erstellen-und-vorsorgen-76131

Geschichten, die das Leben schrieb: Strohwitwer-Wochenende!

Die Frau, die einen Wochenendbesuch in Nordostdeutschland vorbereitet, kommt in die Küche, in der ich gerade Brote belege.

Sie entdeckt ein paar Krümel auf dem Küchenboden und setzt zu einem ausführlichen Vortrag an über häusliche Hygiene, Achtsamkeit beim Umgang besonders mit krümeligen Vollkornbroten, speziell aber der grundsätzlichen männlichen Inkompetenz zu auch nur minimaler Rücksichtnahme auf die ehernen Gesetze elementarer Ordnung und Sauberkeit.

„Das sind die Mitnehmebrote für deine Reise morgen!“ mache ich sie mit dem Zweck der Brotschmieraktion bekannt.

Das besänftigt sie auf der Stelle. Sie sammelt trotzdem die drei oder vier Brotkrümel einzeln vom Boden auf und gibt mir vorsorglich einen Ratschlag mit ins Wochenende:

„Aber ich sag‘ dir: wenn ich nach Hause komme und die Wohnung sieht aus wie Hulle, dann gibt’s Nudelholzalarm!!“

Ich weiß zwar nicht, wie’s bei Hulle aussieht, aber jedenfalls bin ich gewarnt. Am besten ich nehme mir für die drei Tage ein Hotelzimmer, dann können der Hund und ich zuhause nichts dreckig machen.

846-03163358 © ClassicStock / Masterfile Model Release: Yes Property Release: No 1960s WOMAN VACUUM HOUSEWORK CHORE HOUSEWIFE

Geschichten die das Leben schrieb: die Ausländer und der Winterwein

Die Frau kommt etwas verstört aus dem Wohnzimmer, wo sie wohl irgendwelche Fernseh-Nachrichten geguckt hat. „Das mit dem Ausländerhass wird aber immer schlimmer, oder?“, sagt sie. „Die Leute sind richtig aufgehetzt, die wollen die alle loswerden. Als ob alle Ausländer so wären..“ 

Mit „so“ meint sie die durchgedrehten, traumatisierten Figuren, die hierzulande mit dem Leben und ihrem Platz darin nicht klar kommen und zu Gewalttätern werden. 

„Da sind die Medien aber auch selber dran schuld“, fügt sie noch hinzu.

So viele eindeutige gesellschaftspolitisch gemünzte Sätze aus dem Munde meiner Liebsten sind eine solche Seltenheit, dass ich erstaunt aufhorche. 

„‚Selber dran schuld‘ ist gut!“, entgegne ich. „Die heizen das ja mit an, die Medien und die Politiker. Damit lässt sich super Wahlkampf machen und vor allem lassen sich die Leute damit nicht nur von den wirklichen Ursachen von Migration und Flucht ablenken, sondern eigentlich von allem anderen auch, was hierzulande schief läuft. Die Wut, das Entsetzen über solche irren Mordtaten brauchen ein Ventil und einen Schuldigen….“

Ich frage sie, ob sie weiß, dass die BRD jahrzehntelang in Afghanistan Krieg geführt hat. Hat sie , aber mehr so wie die meisten: da war irgendwas, man hat schon mal irgendwie gehört, dass es da hinten Ärger gab mit so Steinzeit-Talibanesen und dass unsere Bundeswehr deswegen dem Ami beim Brunnen bohren, Frauen befreien und Demokratie verbreiten helfen musste. 

Dass der „robuste Militäreinsatz“ in Afghanistan unmittelbar mit dem Zustrom von Flüchtlingen von dort zu tun hat – dieser logische gedankliche Schritt ist den meisten schon zu kompliziert. Das empörte Bürgergemüt will Rache und Vorbeugung, es will Taten sehen und kriminelle Ausländer abschieben, und es möchte nicht mit Hintergründen, Ursachen und Gründen belästigt werden.

Das Klima, das erzeugt wird – einerseits von den anscheinend immer häufiger vorkommenden Gewalttaten hierher Geflüchteter, andererseits von den emotionalen und politischen Reaktionen darauf – ist eines der Feindseligkeit. Schon jetzt gibt es überall in Europa (und sogar außerhalb) Lager für Flüchtlinge und Asylbewerber. Für die BRD ist die Rede von Abschiebelagern, in denen Nicht-Aufenthaltsberechtigte untergebracht werden sollen, bis man sie loswerden kann. Durch die kriminellen Elemente unter ihnen gelten Asykanten und Flüchtlinge mittlerweile per se als unerwünschte Menschengruppe, derer man sich – so die Forderung an „die Politik“ erwehren muss. Sie werden nur noch als anonyme Masse gesehen, als Flut, die „uns“ überrollt – und damit entmenschlicht und zum Abschuss freigegeben.

Es bedarf keiner großen Imagination, um die zahlreichen Abschiebelager auch mit anderen Personengruppen als unerwünschten Ausländern gefüllt zu sehen. Was ist, wenn der Staatsmacht einfällt, auch unerwünschte Inländer in Lager zu sperren? Die einschlägigen Gesetze sind bei der richtigen Parteienkoalition und Stimmungslage schnell beschlossen, die Lager existieren schon,  die Neigung, Kritiker mit dem Strafrecht zu verfolgen, ebenfalls. 

Da ist noch viel Luft nach oben für eine aggressive Staatsmacht im Krisenmodus, die Ruhe an der Heimatfront braucht, um beim Volk die geforderte Kriegstüchtigkeit herzustellen.

Während ich so meinen Gedanken nachhänge, lässt sich die Gattin wieder vernehmen: „Der Winterwein, den du von Jacques‘ mitgebracht hat, der war nichts! Den trinkt man weg wie Limonade. Ich mach morgen den Pak Choi, da kommt der dann dran…“. Sie entschwebt in die Küche und fügt grinsend an: „Bei uns wird nichts verschwendet! Was nicht getrunken wird, kommt in die Suppe!“.

So schließt sich der Kreis vom Allgemeinen zum Konkreten, womit sich die Dialektik des häuslichen Lebens mal wieder aufs Schönste entfaltet hat.

Geschichten die das Leben schrieb: die Fahrzeugreinigung

Das etwas in die Jahre gekommene und dementsprechend unansehnliche Auto, das meine Liebste mit in die Ehe gebracht hatte, befindet sich gerade bei dem verdienstvollen Unternehmen https://www.carglanzwerk.de/ zur optischen Rundumerneuerung.

Der sympathische Osteuropäer, der das Fahrzeug abholte, schaute zwar etwas mitleidig auf den 15 Jahre alten 1er BMW (er hat es sonst überwiegend mit den Luxuskarossen der Oberkasseler Durchschnittsbürger zu tun), versprach mir aber nicht nur ein Auto „wie neu“, sondern sagte auch, wenn er es zurück brächte, hätte er ein Geschenk für mich.

Nachdem er eigentlich von der Rückgabe am Sonntagmittag geredet hatte, bin ich inzwischen froh, wenn ich das Fahrzeug überhaupt zurück kriege 🙂

Nein, Ernst beiseite. Tatsächlich überlege ich jetzt, ob so eine PERSÖNLICHE Innenraumintensivpflege bei mir nicht auch mal angebracht wäre. „Von innen wie neu“ – wer wäre das nicht gerne? Damit könnte man im esoterischen Bereich garantiert landen.

Ich glaub, ich frag ihn nachher mal (falls er nochmal hier auftaucht).

Geschichten, die das Leben schrieb: das vergessene Buch

Gestern erhielt ich einen Anruf der lokalen Buchhandlung, bei der die Frau und ich den Großteil unserer Literatur bestellen. Man ließ mir ausrichten, dass ich vergessen hätte, das bestellte Buch abzuholen. Ich konnte mich nicht erinnern, ein Buch bestellt zu haben und ging später neugierig zur Buchhandlung, um herauszufinden, was ich da geordert hatte. 

Im Laden händigte mir die Verkäuferin ein Exemplar der „Red Side Story“ von Jasper Fforde aus und sagte mir, dass ich es schon bezahlt hätte. Auch daran konnte ich mich nicht erinnern. Am größten aber war mein Erstaunen über die Tatsache, dass sich dieses Buch bereits in meinem Besitz befindet, und zwar seit mindestens einem halben Jahr. Ich habe es in derselben Buchhandlung vor einiger Zeit gekauft – daran immerhin kann ich mich erinnern.

Nun hatte ich also zwei Exemplare des selben Buches. Und nach wie vor fehlt in meinem Gedächtnis jegliche Erinnerung an den Bestellvorgang, der zum zweiten Buch führte und daran, dass ich dieses Buch bereits mein eigen nannte, denn offensichtlich war mir das beim erneuten Bestellen ebenfalls aus dem Gedächtnis verschwunden. Wie sehr ich mich auch bemühe, den Dingen auf den Grund zu kommen und meine Erinnerungen zu durchforsten – an der Stelle „Das Buch habe ich schon“ und Buchbestellung im Laden ist ein einziges schwarzes Loch.

Das innere Gefühl dabei ist ein merkwürdiges, denn es ist keines des Schreckens oder der Panik. Es einfach ein Nichtvorhandensein, ein völliges Ausgelöschtsein – aber so, als ob es die entsprechenden Vorgänge nie gegeben hätte. So ähnlich müssen sich meine dementen Schützlinge fühlen, die ich ja oft in vergleichbaren Situationen erlebe.

Dass sich dieses Gefühl, dieser Zustand auf die meisten oder alle Gedächtnisinhalte erstreckt, ist ein faszinierendes Gedankenexperiment.  Für mich jedenfalls, für Menschen mit Demenz wohl eher nicht. Wer weiß, woran ich in einigen Jahren sein werde, wenn das so weitergeht.

Versöhnlicher Ausgang der Geschichte: die Buchhandlung nahm das Buch gerne zurück und tauschte es gegen einen Gutschein, für den sich die Liebste einen weiteren ihrer obskuren Nordsee-Ostsee-Mord-und-Totschlag-Krimis mit Leuchttürmen auf dem Cover kaufen kann.