Die Nordsee ist ein wildes Wasser. Ihre Fluten sind viel nasser als die der Ostsee beispielsweise: die ist dagegen lahm und leise.
Und erst die Südsee! Faul und stumm plätschert sie in den Tropen rum. All diese Meere kennt man bestens. Doch was ist mit der See des Westen?
Die Westsee wird gern totgeschwiegen und das kann nur an einem liegen: Im Gegensatz zu and‘ren Meeren Liegt sie im vagen Ungefähren.
Dort wo, weit hinterm Horizont (und auch davor) das Rätsel wohnt, das letzte Wort, der Grund des Seins, wo aufgehoben „deins“ und „meins“, wo schaurig-tief der Abgrund gähnt und ewig-still die Leere stiert – drum wird die Westsee ignoriert, verleugnet, nirgendwo erwähnt.
Jetzt wisst ihr es. Doch wisst ihr NICHTS! Das ist der Zweck dieses Gedichts.
Urlaubszeit ist Lesezeit. Während ich mir eine solide Mischung aus Fachliteratur und Belletristik mitgenommen habe, hat sich die Frau mit einem Berg Krimis ausgestattet, 19 Bücher insgesamt, die sie eins nach dem anderen weg liest.
Die Werke haben Titel wie „Die Tote am Meer“, „Die Leiche im Watt“, „Strandmord“ usw. und befassen sich samt und sonders mit den Leichenbergen, die offensichtlich an deutschen, dänischen und schwedischen Küsten ständig anfallen und die von wackeren, aber bindungsunfähigen Kriminalisten mit Alkoholproblemen im Laufe von 200 – 500 Seiten stets gelöst werden.
Nach zwei Wochen intensiver Leserei ist sie schon beim zwölften oder dreizehnten Buch angekommen. Ich biete ihr, mehr spaßhaft, an, sich an meinem Bücherstapel zu bedienen.
„Was hast du denn so?“ fragt sie. Ich antworte wahrheitsgemäß „Dies und das, von klassischer Literatur wie „Nathan der Weise“ von Lessing, einem Buch über Goethe in Weimar bis zu einem belletristisch aufgemachten KI-Sachbuch zweier chinesischer Autoren…“
„Oh nee, bloß nicht…“ lässt sie sich vernehmen und verdreht die Augen.
Ich erzähle ihr von Renate Dillmanns Buch, das ich gerade lese und beschreibe es so: „Richtig gutes Buch über Medien und Meinungsherstellung, eine echt kompakte und kenntnisreiche Zusammenfassung der Art und Weise, wie hierzulande der Regierungsstandpunkt verbindlich gemacht werden soll und wie abweichende Meinungen zensiert werden…im Grunde nichts, was ich nicht schon wüßte, aber in seiner Verdichtung und Übersicht sehr gut und sehr nützlich…“
„Das könnte ich tatsächlich auch mal lesen“, merkt die Liebste an. Für meinen letzten Satz allerdings ernte ich eine noch auffälligere Verdrehung der Augen. „Ja klar, du bist der Oberschlauberger, der alles schon weiß..“ bekomme ich zu hören. „Zum Glück bist du attraktiv, sonst wär‘ das nicht auszuhalten.“
„Naja, du kennst doch meine Auffassungen und meine kommunistischen Ansichten“ halte ich zu Gnaden. „Wenn ich jetzt hässlich wäre UND so schlaue Sachen sagen würde, dann würdest du dich trennen?“
„Ja, dann kämst du auf die Abschußliste!“ ist die klare Antwort.
Aber schon muss sie lachen und sagt: „Nee, ich weiß ja, dass du schlau bist, aber das hört sich manchmal so an, als ob du ALLES besser weißt…“
Ich verkneife mir eine Bemerkung wie „Was soll ich machen, so ist es eben“ oder „Was kann ich denn dafür, dass die meisten so dumm sind“ und stoße lieber mit ihr an auf die Tatsache, dass wir noch eine weitere glorreiche Urlaubswoche vor uns haben.