Leben im demokratischen Imperialismus: nicht nur in „Krisenzeiten“ unbekömmlich. Dann aber so richtig.

Kompensation und Rationalisierung der immer teureren Zumutungen des Untertanenalltags: sich zum Echo der Faschisierung zu machen, die die Mehrheitsgesellschaft in blitzkriegsartiger Geschwindigkeit in ein strammes nationales Kollektiv von Russenhassern verwandelt.

Geschichten aus dem Pflegeheim: das deutsche Durchschnittsgemüt führt einen mentalen Angriffskrieg gegen Russland und alles Russische

Meine russlanddeutsche Kollegin kommt auf mich zu und bittet mich, für eine palliative Bewohnerin ihres Wohnbereiches einen USB-Stick mit beruhigenden Natur- , Wald- und Landschaftsbildern und -geräuschen zusammenzustellen. „Du weißt, das Internet und ich – wir zwei kommen nicht mehr zusammen…“, erzählt sie mir in ihrem sympathischen russischen Akzent. Der Stick ist für einen Spezialprojektor namens „Qwiek“, der eigens für Pflegeheime entwickelt wurde, sauteuer ist und der mit einem schwenkbaren Projektor Filme, Bilder usw. auch an Zimmerdecken werfen kann.

Als ich später im Büro sitze und bei YouTube geeignetes Material downloade, erscheint sie nach einer Weile ebenfalls dort. Sie freut sich, dass ich mich gleich an die Arbeit gemacht habe und setzt sich neben mich, so dass ich ihr zeigen kann, was ich zusammengestellt habe. Die Kollegin ist eine wunderbare, warmherzige Frau, die gut und gerne isst, vor allem aber eine super Köchin ist. Ihre Kochrunden und Waffeln-backen-Angebote sind legendär und erfüllen das Haus jedesmal mit leckersten Gerüchen.

Sie platzt stolz damit heraus, dass ihre Tochter gerade ihren Studienabschluss geschafft hat und erzählt mir von ihren (erwachsenen) Kindern. So stolz sie auf die Tochter ist, so große Sorgen bereitet ihr der 20jährige Sohn. Der hat es sich nämlich in den Kopf gesetzt, bei der Bundeswehr zu studieren. „Das finde ich so schlimm, so schlimm….“ – sie findet kaum Worte, beschreibt mir aber ausführlich, wie sie sich bei jedem Schritt der Bewerbung ihres Sohnes – von der ersten Vorstellung bis zu diversen Prüfungen, Eignungs- und Gesundheitstests – jedesmal inständig gewünscht hat, dass er durchfällt, abgelehnt wird, ausscheidet, jedenfalls diesen Berufsweg NICHT einschlägt.

Warum das für sie so ein Unding ist, sagt sie nicht explizit, und so spreche ich es aus: „Das ist für dich so schlimm, weil der dann in einer NATO-Armee gegen deine Heimat eingesetzt wird, richtig?“ – „Ja, genau“, seufzt sie, erleichtert über die Bestätigung. Jetzt sind die Dämme gebrochen und sie schüttet ihr Herz aus über ihre jetzige Gefühlslage inmitten des rassistischen russophoben Sturms, der durch Medien und Köpfe tobt. „Die verstehen nicht, dass der Krieg dort schon seit acht Jahren in Gange ist! Seit Jahren leben Menschen in Kellern, weil sie ständig bombardiert und beschossen werden! Was Putin macht ist, dass er den Krieg BEENDET!““

Ich erfahre, dass sie sehr genau weiß, wie das Leben in einem Kriegsgebiet ist; sie selber entkam mit 17 Jahren zusammen mit ihrer Mutter dem russisch-tschetschenischen Konflikt im Nordkaukasus gerade so eben. „Gestern hat einer zu mir gesagt, ich wäre Nazi, weil ich gesagt habe, das es Gründe für den Krieg Russlands in der Ukraine gibt. Nazi! In Russland war ich „Faschist“, wegen meines deutschen Namens, die ganze Schulzeit über… Jetzt bin ich Nazi, weil ich sage, dass Putin in der Ukraine die Nazis vertreibt?!“

Sie weiß sehr genau, sagt sie, dass es momentan nicht ratsam ist, allzu laut seine Meinung zu äußern, wenn man abweichende Ansichten hat. „Sowieso bin ich auch mit Politik so wie mit Internet: wir haben nicht viel zu tun miteinander“, fährst sie fort. „Ich sag nichts mehr zu Politik und Krieg. Ist besser so.“

Dann berichtet sie von den Töchtern ihres Schwagers, sieben und neun Jahre alt, die nicht mehr zur Schule gehen wollen, weil sie dort massiv gemobbt werden. „Was haben die Kinder damit zu tun? Nur weil sie Russen sind!?“. Wobei diese Kinder, so wie ihre eigenen, deutsche Staatsangehörige sind und Deutsch so fließend sprechen wie jeder hier Geborene. Ein Anwalt hätte jetzt dem Schwager geraten, mit der Schulleitung zu sprechen und gegebenenfalls Klage zu erheben. Für die Kinder ist der Schaden natürlich bereits passiert – das Kind ist sozusagen in den Brunnen des anti-russischen germanischen Wahns gefallen.

Ich merke, wie froh die Kollegin ist, wenigstens einen nicht NATO-fanatisierten Menschen unter den Mitarbeitern zu wissen; das Arbeitsklima ist sowieso schon belastet von einer allgegenwärtigen Vorsicht, seine Meinung frei zu äußern – durch die vergleichsweise vielen russischen und ukrainischen Mitarbeiter in der Einrichtung ist die Reizschwelle niedrig und die Empfindsamkeiten hoch.

Überdies wird schon der zarteste Versuch, Verständnis für die russische Seite zu äußern, niedergemacht von empörungsbereiten NATO-Medien-Konsumenten, für die „Putinversteher“ das schlimmste Schimpfwort ist, das sie derzeit im Köcher haben. Wir müssen beide wieder an die Arbeit und versichern uns gegenseitig unsere Hoffnung, dass die Специальная операция bald beendet werden kann und die Ukraine demilitarisiert und entnazifiziert ist

Sofa-Strategen vs Leute die (ein bißchen) Ahnung haben

Irgendein Facebook-Kontakt schrieb über dieses Meme, welches die Trooper aus Star Wars als „Russland“ und die Ewoks auf Endor als „Ukraine“ darstellt, sinngemäß: so hätten sich die Russen das vor der Pleite der ersten Angriffswelle auch vorgestellt.

Das scheint mir symptomatisch zu sein für ein generelles Missverständnis über Art und Ziel der Speziellen Militäroperation Russlands in der Ukraine:

Eine „Pleite der ersten Angriffswelle“ gab es nicht. Die Operation läuft wie geplant und das Vorgehen der russischen Armee wirkt nur auf Sofa-Strategen zögerlich bzw. nicht so durchschlagskräftig, wie sie es von den Shock & Awe-NATO-Kriegen gewohnt sind.

Die langsame aber konsequent voranschreitende Demilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine hat dagegen viel zu tun mit den Zielen der Operation: Schonung von Zivilisten, Erhalt der zivilen Infrastruktur, Rücksicht auf die historische Verbindung zum ukrainischen „Brudervolk“.

In militärstrategischen Fragen und solchen zum Kriegsverlauf ist es immer weise, sich auf die Expertise von US-Fachleuten aus dem Metier zu verlassen. Diese Burschen kennen sich am besten aus und sprechen mit der herzerfrischenden, ungeschminkten amerikanischen „Matter-of-Factness“ über Kräfteverhältnisse, Absichten und FAKTEN.

1. Coach Red Pill. Etwas geschwätzig, scheint eher aus der (rechten) Truther-Ecke zu kommen oder wird zumindest dort zirkuliert, liefert aber in diesem Beitrag einige nützliche Hinweise auf Verlauf und Motivation der „Special Operation“: https://youtu.be/1vdiEABLFoo *

2) Scott Ritter, Ex-Marine Corps Intelligence/UN Waffeninspektor: Ausgewiesener Profi. Mehr ist nicht dazu zu sagen. Muß man gesehen haben: https://youtu.be/3GkmdCaBECs

* Edit September 2024: es handelt sich hier um Gonzalo Lira, der im Frühjahr 2024 vom SBU verhaftet und dann in einem Gefängnis in Charkow ermordet wurde

Verbrannte Erde und Volkssturm

Zwei Meldungen von der russischen Miltäroperation in der Ukraine, die an die letzten Tage des anderen faschistischen Staatswesens erinnern, das Russland demilitarisieren und entnazifizieren musste:

1) Verbrannte Erde/Kampf bis zum Endsieg ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung:

Die ukrainische Armee positioniert (nach Angaben des russischen Armeesprechers gemäß Ausbildung und Anleitung durch US-Berater und CIA) Raketenwerfer in Wohngebieten, um Luftschläge auf zivile Ziele zu provozieren.

2) Volkssturm:

Die ukrainische Regierung verteilt 10.000 automatische Gewehre an Bürger jedes Alters, um „gegen die Russen zu kämpfen“. Was diesen untrainierten Zivilisten passiert, wenn sie sich mit der regulären russischen Aarmee anlegen, ist klar.

Beides jedenfalls Verzweiflungsmaßnahmen eines Regimes, dem das Wasser bis zum Hals steht.

Wir müssen mit ganz viel Kristallkugel lesen und Friseurhoroskop-Psychologie herausfinden, was der Gottseibeiuns im Kreml WIRKLICH will!

Der Russe an sich ist rätselhaft und undurchschaubar – jetzt erst recht, denn er hat offensichtlich aus schierer Bosheit (oder Russenhaftigkeit, was im Grunde dasselbe ist) einen Krieg angezettelt. Einfach so! Ohne jeden Grund!! Obwohl wir ihn vorher GEWARNT haben, dass es für weitere Störungen unserer regelbasierte Weltordnung nicht nur ordentlich, sondern fett aufs Mau.. äh, Sanktionen gibt.

Jetzt schlägt die Stunde der Kreml-Astrologen und Wahrsager! Denn was der Machthaber in Moskau selber sagt, kann unmöglich das sein, was er meint. Das müssen wir abklopfen auf verborgene Beweggründe, Kränkungen, Traumata und allerlei geheime Motivationen, denn dass das russische Handeln irgendetwas mit der wortbrüchigen NATO-Expansion zu tun hat oder gar mit der direkten Bedrohung Russlands durch den Ausbau der Ukraine zum russophoben NATO-Vorposten, das kann gar nicht sein.

Sowas bildet der Russe (also eigentlich Putin, der ja auch höchstpersönlich in die Ukraine einmarschiert ist, wahrscheinlich mit mehrfachen Patronengurten um den nackten Oberkörper, so wie Rambo) sich natürlich bloß ein, weshalb wir mit ganz viel Kristallkugel lesen und Friseurhoroskop-Psychologie jetzt herausfinden müssen, was der Gottseibeiuns im Kreml WIRKLICH will!

Kurze Zusammenfassung der Lage in der Ukraine und den Donbass-Republiken nach erster Sichtung der Nachrichten

Russland führt auf Bitte der DNR und LNR eine begrenzte Militäroperation im Donbass durch, die seit 8 Jahren (und verstärkt seit einigen Wochen) unter dem Beschuss der ukrainischen Armee und deren Nazi-Hilfstruppen leiden.

Ziel ist nicht die Besetzung der Uraine, sondern deren „Demilitarisierung“ und „Ent-Nazifizierung“. Der russische Präsident spricht davon, dass Russland nicht noch einmal unvorbereitet überrascht wird, „so wie im Juni 1941“.

Die russische Armee hat mit einer Serie von Präzisionsangriffen die ukrainische Luftverteidigung ausgeschaltet. Leute, die es wissen müssen, meinen, das sei nur mit Hilfe von ukrainischen Armeeangehörigen möglich gewesen (die vorher Minen und Sprengstoff an Waffenlagern, Flughäfen, Hangars usw. deponiert hatten).

Der kollektive Westen dreht komplett frei und sieht in dem Beistandseinsatz der russischen Armee für die Volksrepubliken im Donbass eine „Invasion der Ukraine“, die er ja ohnehin seit Monaten vorhergesagt hat. Die Rhetorik besonders der eingebetteten Medien des Wertewestens schäumt vor Wut und Hetze und bedient sich eines Vokabulars, das aus der Militäroperation im Donbass am liebsten einen Weltkrieg machen würde.

Gleichzeitig traut sich keiner von den NATO-Kriegern – die ansonsten keine Hemmungen haben, andere Länder zu überfallen und zu bombardieren – es mit der russischen Armee aufzunehmen. Das überlassen sie lieber ihren ukrainischen Marionetten, die sicherlich in nächster Zeit bis zum Platzen mit Kriegsgerät aufgerüstet werden.

Mein Eindruck bis hierher: der kollektive Westen hat die rote Linie Russlands überschritten und hat’s wissentlich darauf angelegt. Jetzt sieht er sich den Konsequenzen gegenüber und heult laut rum.

Die nächste Runde russophober westlicher Erpressungs-, Drohungs- und „Jetzt bestrafen wir euch aber so richtig!“-Ankündigungen der westlichen Machthaber ist bereits eingeläutet, die Medien begleiten das mit jeder Art anti-russischer Hetze unterhalb offener Kriegsaufrufe, doch die inzwischen erreichte Schwäche des NATO-Lagers (und die Stärke der russischen Armee sowie das strategische Bündnis mit der Volksrepublik China) verhindern – zum Glück – einen „echten Krieg“ in ganz Europa oder gar weltweit.

(Wobei ich sicher bin, dass der Imperialismus – wenn er könnte wie er wollte – und einigermaßen gute Chancen auf Erfolg hätte, auch einen Weltkrieg vom Zaun brechen würde.)

Anerkennung der Volksrepubliken des Donbas

Первые впечатления:

Anerkennung der Volksrepubliken durch Russland unterschrieben.

Dass Russland diesen Schritt macht, gibt Auskunft darüber, dass es dem kollektiven Westen nicht mehr zutraut, irgendeine konstruktive Rolle in der Sache zu spielen.

Russland erkennt nicht nur die Donbass-Republiken an, sondern vor allem die Unfähigkeit (besser: den Unwillen) seiner „westlichen Partner“, auf die ukrainische NATO-Beute zu verzichten. Ebenso die Unfähigkeit der EU-Imperialisten, aus dem Schatten ihrer US-Herren herauszutreten und die Vasallenrollen abzustreifen.

Die nun folgende neue Sanktionsrunde gegen Russland, womöglich inklusive Nicht-Inbetriebnahme von NordStream 2, wird für die westeuropäische Bevölkerung – in Geiselhaft genommen von ihren transatlantischen, US-hörigen Eliten – vor allem eins bedeuten: das Leben wird sauteuer werden, noch teurer als ohnehin schon, und die russophobe Kriegshetze von Medien und Politikern wird völlig ungebremst hysterische Dimensionen annehmen.

Die Bevölkerung des Donbass kann man allerdings nur beglückwünschen: endlich Aussicht auf Ruhe vor dem Terror des Kiewer Regimes und seiner faschistischen Söldnertruppen und mit Russlands Hilfe Aussicht auf den dringend nötigen ungestörten Wiederaufbau des öffentlichen und ökonomischen Lebens dort.

Die westlichen Leitmedien schäumen und heulen jedenfalls schon recht „stürmerisch“ vor Wut.