Wenn freiheitliche deutsche Medien sich bei der Berichterstattung von der Ostfront am untermenschlichen Wesen des Moskowiter Feindstaates abarbeiten, hat das nichts mit Projektionen, Bellizismus und wertewestlicher Hybris zu tun, sondern ist natürlich QUALITÄTSJOURNALISMUS:
Wie lächerlich, durchsichtig und dünn die gegen Russland gerichteten US-Anschuldigungen einer angeblich geplanten False-Flag-Aktion in der Ukraine sind, macht ein Beitrag deutlich, den die FAZ großmäulig als Haupt-Headline auf ihrer Online-Ausgabe präsentiert.
Unter der scheinheiligen Frage „Plant Russland eine False-Flag-Aktion?“ (der geneigte Leser des Zentralorgans der Konservativen BRD-Bourgeoisie weiß natürlich, dass das Fragezeichen sich im Grunde erübrigt, denn man kennt den Russen einfach nicht anders als verschlagen, skrupellos und gewaltbereit) referieren zwei „Korrespondenten“ – einer aus Washington, der andere aus Moskau – die berechnenden Verlautbarungen der US-Administration, dass der fiese Russe Böses plane in der Ukraine.
US-Geheimdienste, seit Powells legendärer „Irakische Massenvernichtungswaffen“-Rede vor der UNO im Jahr 2003 bekannt für akkurate und zuverlässige Fakten, wollen entdeckt haben, dass Russland mit einer solchen False Flag Provokation einen Grund herzustellen suche, um endlich die Ukraine anzugreifen.
Man erhält bei Sichtung dieser und ähnlicher Schlagzeilen der westlichen Qualitätsmedien zwar eher den Eineruck, dass es die Westmedien sind, die endlich, endlich den Waffengang dort sehen wollen, aber abgesehen von der auffälligen Lust, mit der besonders die transatlantische eingebetteten Medien einen Krieg herbeizuschreiben sich bemühen, lohnt sich dann doch ein Blick in den INHALT der von der FAZ wiedergegebenen Erkenntnisse der Washingtoner Geheimdienste:
„Die Informationen deuteten darauf hin, dass diese außerdem damit beginnen würden, in staatlichen und sozialen Medien „Provokationen zu fabrizieren“, um eine russische Intervention zu rechtfertigen und Spaltungen in der Ukraine zu säen. Russische Beamte würden zudem Geschichten über die Verschlechterung der Menschenrechtslage in der Ukraine und die zunehmende Militanz ukrainischer Führer verbreiten.
Bei alldem handle es sich um „die Verbreitung von Fehlinformationen“, sagte die Sprecherin von Präsident Joe Biden. „In diesen Medienberichten wird auch der Westen für die Eskalation der Spannungen verantwortlich gemacht, und es wird auf humanitäre Probleme in der Ukraine hingewiesen, die durch ein russisches Eingreifen gelöst werden könnten. Und es wird für den russischen Patriotismus geworben, um die Unterstützung des Landes für militärische Maßnahmen zu fördern.“ Die Anzahl entsprechender russischsprachiger Beiträge in sozialen Medien mit diesen Inhalten sei im Dezember um 200 Prozent gestiegen.“
NEIN! Doch!! JA!!!
Die elende Lage der Bevölkerung dieses von Oligarchen ausgeplünderten und vom Westen als Frontstaat gegen Russland formierten Failed State und das nationalistische Kriegsgetöse der ukrainischen Führer wird tatsächlich in russischen “staatlichen und sozialen Medien“ thematisiert! Bzw. diese „würden beginnen“, die allseits bekannten Fakten zu erwähnen – darauf jedenfalls „deuten die Information hin“.
Solche hieb- und stichfesten Ermittlungsergebnisse der Geheimdienste legen nur einen Schluß nahe: „fabrizierte Provokation!“. Noch schlimmer: die tückischen Russen „weisen auf humanitäre Probleme in der Ukraine hin“! In den sozialen Medien!! Und das sogar 200 mal mehr als vor dem Dezember! Was bei uns allenfalls auf ein reges Interesse der in sozialen Medien aktiven Bevölkerungsteile hindeutet, kann beim Russen nur perfide Heimtücke zur Provokation eines Krieges sein.
Hier hören die geheimdienstlichen Erkenntnisse der Schlapphüte von Langley aber noch nicht auf. Was nun enttarnt wird, muß auch dem letzten naiven Russenversteher den blauäugigen Blick klären: „es wird für den russischen Patriotismus geworben, um die Unterstützung des Landes für militärische Maßnahmen zu fördern“!
Zu solchen üblen Provokationen sind selbstredend nur Machthaber fähig, die nicht verstehen (wollen), dass es auch beim Patriotismus und dessen Instrumentalisierung für militärisches Eingreifen klare Unterschiede gibt zwischen einem Freiheitsparadies wie den USA (und praktisch jedem NATO-Land) und einem Schurken- und Autokratenstaat wie Russland.
Es liegt auf jeden Fall auf der Hand: was immer der Russe macht, es ist IMMER nur ein Manöver, mit dem er seine sinistren Pläne durchsetzen will. Das wissen wir einfach genau, denn alle Fakten sprechen dafür. Falls sie dagegen sprechen, ist das erst recht ein Beweis für die russische Schurkenmentalität, denn dann ist klar: alles nur Tarnung, Verbreitung von Fehlinformationen und False Flag!
Das Aufstehen zum Wochenenddienst fällt mir heute schwer: die gestrige dritte Impfung hat mich mehr mitgenommen als erwartet und ich erwache schweissgebadet und mit Kopfschmerzen aus der Hölle. Normalerweise würde ich mich jetzt krankmelden, aber dann würde ich zum zweiten Mal hintereinander den 14-tägigen Frühschoppen ausfallen lassen – eines der beliebtesten Angebote im Haus und ein Highlight für die betagten Recken der Theke, die sich ab 10:00 in meiner improvisierten Kneipe versammeln und sich auf eine muntere Runde Tratsch bei Bier, Cola und Salzgebäck freuen.
Ich beschließe, dass ich das meinen Leuten nicht antun kann, zumal am Wochenende das Angebot sowieso schon ausgedünnt ist. Ich rufe also die diensthabende Kollegin im Wohnbereich an und teile ihr mit, das ich erstens nur bedingt fit bin und später komme, dass ich aber das Vormittagsangebot machen werde. Da ich zum Glück keinen außerplanmäßigen Küchendienst aufgedrückt bekommen habe (fast schon erwartbare Zumutung für Mitarbeiter des Sozialen Dienstes, da alle naslang irgendein Hauswirtschafts- oder Pflegekollege durch Krankheit oder Burn-Out ausfällt), dürfte das kein Problem sein.
Kollegin E., die ich am Telefon erwische, gibt sich jedoch überrascht und genervt: „Du stehst auf unserer Liste für die Küche!“. Mit fällt beinahe das Telefon aus der Hand. Darüber hatte mich keiner informiert, die PDL hat anscheinend schlicht versäumt, diese Änderung des Dienstplanes zu kommunizieren. „Kannst du vergessen“, sage ich zur Kollegin. „Ich schaff es körperlich nicht, außerdem weiß ich nichts davon. Ich mach mein Angebot und sonst nichts. Ich kann euch ein bißchen helfen, aber ich stell mich nicht in die Küche.“
Ja, der Soundso wäre in Quarantäne geschickt worden, weil seine Verwandtschaft Omikron hat und jetzt ist halt keiner für die Küche da, erläutert die Kollegin. Sie selbst kann auch nichts dafür, an ihr als einziger PFK bleibt aber alles hängen – zusätzlich zur stressigen Tatsache, dass sie mit zwei Pflege-Schülerinnen die mehr als zwanzig anwesenden Bewohner des Wohnbereiches versorgen muss. Wochenende eben.
Ich lasse mich auf keine Diskussionen ein, informiere sie, wann ich da sein werde und lege auf. Sofort meldet sich mein schlechtes Gewissen, mein Bewusstsein der Erpressbarkeit mit dem Wohl der Leute und mit der Solidarität gegenüber den Kollegen, das fast alle in diesem Berufsfeld kennen. Wenn ich die Arbeit nicht mache, bleibt sie an den Kollegen hängen, die ohnehin schon überlastet sind. So geht man oft halbkrank und kaputt zur Arbeit, um Kollegen und Bewohner nicht im Stich zu lassen.
Als ich eine Stunde und zwei Schmerztabletten später in der Einrichtung erscheine, meinen obligatorischen COVID-Test gemacht habe und mich auf den Wohnbereich begebe, stellt sich die Situation entspannter dar als erwartet. Im Speisesaal, der sonst um diese Zeit voll ist, sitzen erst zwei Personen (das ist eindeutig der Personalsituation geschuldet: es ist nicht möglich, mit drei Pflegekräfte – zwei davon Azubis – die Bewohner einigermaßen zeitnah fürs Frühstück fertig zu machen). Vor allem aber und zu meinem Glück ist heute die kroatische Küchenperle M. mit dem Essenswagen aus der Küche unterwegs. Bei ihr habe ich einen dicken Stein im Brett und sie versichert mir, dass sie die Küche schon nebenher gemanaged kriegt, damit ich mein Angebot durchführen kann. Ich solle nur dann und dann mal die Spülmaschine befallen und ausräumen, ansonsten würde sie sich kümmern.
So kann ich mich dem Frühschoppen widmen und der Herstellung professioneller Gemütlichkeit unter Berücksichtigung der Eigenarten meines Klientels. Letzteres besteht bei diesem Angebot fast ausschließlich aus orientierten Personen; unsere dementen Bewohner verirren sich höchstens mal aus Langeweile oder Neugier in den „Kneipenraum“. Meistens verlassen sie uns dann schnell wieder, wenn sie den Gesprächen nicht folgen können. Manche Demente haben allerdings auch das unerschütterliche Sitzfleisch von Leuten, die sowieso in ihrer eigene Welt leben; den Versuch, in dem Gerede um sie herum einen Sinn zu entdecken, haben sie längst aufgegeben.
Heute besucht uns – allerdings schon gegen Ende des Frühschoppens – die sehr demente Frau Sch. aus meiner „Tagesgruppe Demenz“. Sie stößt mit ihrem Rollator ein paar mal gegen die geschlossene Glastür und versucht, diese aufzudrücken, bevor ich aufspringen und ihr öffnen kann. „Was ist hier denn los?“ fragt Frau Sch. „Findet hier irgendwas statt?“ DASS etwas stattfindet, sieht sie selbst, aber sie hofft auf die gewohnte Abwechslung der „Tagesgruppe“, die im selben Raum stattfindet: eine Unterbrechung ihrer beunruhigenden inneren Welt aus rapide zunehmender Vergesslichkeit, diffuser Unruhe und beständiger Angst, etwa falsch zu machen, nichts unter Kontrolle zu haben und nicht zu wissen, wo sie ist oder hin muss.
Ich bitte sie herein, erkläre ihr, was hier gerade stattfindet und biete ihr ein Glas Malzbier an. Sie freut sich und setzt sich auf einen freien Platz. Die anderen missbilligen eigentlich solche Störungen, haben aber im Pflegeheim genug Toleranz mit ihren dementen Mitbewohnern gelernt um nichts zu sagen.
Das Gespräch ist noch einer ausgiebigen Erörterung des Bundesliga-Spieltages und eines anderen Dauerthemas, den aus den Wäschesäcken verschwundenen Kleidungsstücken der Bewohner, bei den Politik gelandet und zu meiner Überraschung läßt sich jetzt die üblicherweise stille Frau L. mit einem längeren Beitrag zur „Ukraine-Krise“ vernehmen. Durch die Vorgänge dort sei in hohem Maße der Frieden gefährdet, woran ausschließlich der Russe schuld sei. Man müsse ja hoffen, dass „Putin nicht die Ukraine besetzt“, der würde mit dem Säbel rasseln und wäre unberechenbar, und „sogar die NATO kann den ja nicht zum Frieden bewegen!“
Die anderen Politiksachverständigen aus der Generation der Ostlandkrieger nicken zustimmend und sind sich darüber einig, dass dem Russen mal wieder und nach wie vor nicht zu trauen ist. In der Regel halte ich mich mit politischen Aussagen zurück und lasse die Leute erstmal reden, diskutieren und ihre Meinungen zum Besten geben. Jetzt aber gebe ich Frau L. zu bedenken, dass man nicht alles glauben könne, was in Zeitungen und im Fernsehen so behauptet wird.
Herr T. neben mir, der mich schon immer im Verdacht hat, ein verkappter Kommunist zu sein, sieht seinen Moment gekommen: „Aha!“, ruft er aus, „jetzt geht’s wieder um Sozialismus und Kapitalismus!“. Er weiß aber nichts zu sagen, als ich ihn darauf hinweise, dass Russland kein sozialistisches Land mehr ist, sondern dort Kapitalismus herrscht wie bei uns. Ich wende mich wieder an Frau L. und bitte sie, sich die Sache mal umgekehrt vorzustellen: Russland und China hätten mit Miltärbasen und Truppen in Mexiko, Kanada, Kuba und per Flugzeugträgern und Kampfschiffe vor der amerikanischen Küste USA eingekreist – entgegen allen Absprachen und als permanente Bedrohung, die auch noch jedes Jahr mit riesigen Miltärmanövern verstärkt wird.
Frau L. hört aufmerksam zu und wirkt nachdenklich. „jetzt stellen Sie sich mal weiter vor, Sie als USA bewegen angesichts dieser massiven Bedrohung IN IHREM EIGENEN LAND ein paar tausend Truppen – jedenfalls weit weniger als die ständig präsenten gegnerischen Militärverbände – sagen wir an der mexikanischen Grenze in Texas oder an der kanadischen in Minnesota. Und daraufhin behaupten russische und chinesische Medien, SIE würden mit dem Säbel rasseln und einen Angriff auf Mexiko oder Kanada planen. Würden Sie denen glauben?“
So hat Frau L. die Sache noch nicht betrachtet. Auch die anderen sind vielleicht nicht gleich von ihrer latenten Russophobie geheilt, aber die Umkehrung der Sichtweise scheint ihnen einzuleuchten. Selbst Herr T., ein ehemaliger Bundeswehrsoldat, vertieft das Thema nicht weiter.
Die nur dezent demente Frau R., die bis jetzt entspannt vor ihrem Bier sitzt und sich alles anhört, meldet sich mit dem abschließenden und definitiven Statement grundsätzlicher Art: „Ach, was können wir kleinen Pisser denn schon machen?!“. Damit hat sie der Runde wohl aus dem Herzen gesprochen, denn allgemeines Kopfnocken und Kommentare wie „Genau!“ und „Ja, so isses!“ sind die Reaktion.
Unsere Besucherin Frau Sch. hat sich schon gleich zu Beginn der Politisierei verabschiedet; sie wurde schon nach zwei Sätzen von Frau L. unruhig und wollte wieder gehen. „Ich versteh das nicht, was sie sagen“, ist ihr Kommentar. Wir sind sowieso am Ende unserer Runde und ich läute mithilfe unserer offiziellen Stammtischglocke unseren heutigen Frühschoppen aus. Alle bewegen sich und ihre Rollatoren und Rollstühle in Richtung ihrer Wohnbereiche oder des Großen Speisesaals, denn in 40 Minuten ist schon wieder Mittagszeit.
Während ich aufräume, erscheint Lieblingskollegin C., wie ich im Sozialen Dienst der Einrichtung beschäftigt, und verspricht mir, mich beim Aufbau meines morgigen Angebotes zu unterstützen. Sonntags findet nämlich 14-tätig planmäßig das „CafeKay“ statt, für das ich den Gruppenraum so gut es geht in ein Wiener Kaffeehaus verwandle, die Tische festlich mit Retro-Geschirr eindecke und meinen Kaffeevollautomaten mit Cappuccino und Espresso zum Glühen bringen. Der Aufwand, der für diese 90 Minuten Angebot zu treiben ist, sprengt das normale Maß um einiges, so dass erstens an einen parallelen Küchendienst nicht zu denken und zweitens die Hilfe mehr als willkommen ist.
Nebenher erzählt mir die Kollegin, dass sie wieder zur Demo gegen die Corona-Maßnahmen noch Düsseldorf fahren wird – mit ihrer ganzen Familie. Ihre Erwachsenen Kinder arbeiten wie sie im Sozial- und Pflegebereich. „Da sind immer mehr Pflegekräfte dabei“, berichtet sie mir; „Weißt du, das sind alles ganz normale, liebe Menschen. Von Nazis und rechten Idioten ist da nichts zu sehen. Am lächerlichstem sind die Gegendemonstranten. Da stehen dann immer ein paar Antifanten am Rand und beschimpfen uns. Aber wir bleiben immer ganz freundlich und lassen uns nicht provozieren.“
Sie erzählt mir noch, dass auch in Neuss jetzt jeden Montag Spaziergänge stattfinden, bei denen Leute, die gegen die Coronapolitik der Regierung sind, gemeinsam durch die Stadt schlendern. „Ich bin keine Impfgegnerin“, sagt mir die Kollegin, die selber aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden kann (ein entsprechendes Attest ihres Arztes wird sie auch vor dem Berufsverbot für Ungeimpfte bewahren, die ab 15. März in den Pflegeheimen in Kraft treten). „Ich bestreite auch nicht die Realität der Pandemie. Aber was die Regierung unter dem Deckmantel der Schutzmaßnahmen macht, ist eine Einschränkung unserer Rechte, die zu weit geht. Und so denken auch alle, die ich kenne und die an diesen Demos und Spaziergängen teilnehmen.“
„US Deputy Secretary of State Victoria Nuland said that if she were a Russian, she would expect the government to invest in road construction, education and medicine. But instead, the Kremlin is engaged in creating a crisis and sending “the military there in the snow.”
In response, Russian Foreign Ministry spokesman Maria Zakharova advised her to remain an American citizen, but keep thinking about the same. In the United States, education and medicine are a “great problem.” The US healthcare system during the pandemic clearly demonstrated its level both to the population of the country and to the whole world, “Zakharova wrote in Telegram.
She also advised Nuland to take care of the state of the roads in the US and start from New York. Maria Zakharova noted that there are no such “potholes” as in Manhattan in any major city in the world.
The Foreign Ministry spokesman proposed to find the necessary amount of money by reducing American bases in Europe. Zakharova also advised to stop funding “color revolutions” and not spend money on maintaining impostors like Juan Guaido or Svetlana Tikhanovskaya.“
Sie schreiben‘s herbei. Sie wünschen sich so sehnlich, endlich den Waffengang gegen Russland starten und journalistisch begleiten zu können, dass ihnen schon der Finger am Abzug zuckt.
Der „Angriff auf die Ukraine“ (also auf den inoffiziellen NATO-Vorposten an der russischen Grenze), der ohnehin nur in der bellizistischen Fantasie westlicher Kriegsherren existiert, ist für die Kriegsberichterstatter des Hamburger Ostfront-Landserblättchens schon beschlossene Sache – so tief haben sie sich in das Denken des russischen Präsidenten eingelesen (vermutlich mit der großen Glaskugel in der Chefredaktion), dass es nur noch darum geht, ob man „Putin davon abhalten kann“ oder nicht.
Die „Tagesgruppe Demenz“ kann momentan aus Personalmangel nicht wie gewohnt stattfinden: eine zweite Person wird benötigt, wenn es in dem gewohnten (und gemäß geronto-psychiatrischem Konzept der „Tagesgruppe“ vorgesehenen) separatem Raum stattfinden soll.
„Du musst das mit allen hinten im Speisesaal machen. Ich kann dir niemanden für die Tagesgruppe geben – da finde ich kein Personal für“, informiert mich die Wohnbereichsleiterin stoßseufzend und widmet sich wieder ihrer undankbaren Aufgabe, den von Krankmeldungen und sonstigen Ausfällen in Mitleidenschaft gezogenen Dienstplan irgendwie so umzumodeln, dass ein halbwegs geordneter Betrieb möglich ist.
„Hinten im Speisesaal“ heißt, dass ich es statt mit neun dementen Menschen in der stabilisierenden Umgebung unseres gewohnten vormittäglichen Zusammenseins mit 12 – 15 Personen zu tun habe – und zwar im vergleichsweise unruhigen Umfeld des öffentlichen Speisesaals, einem Durchgangsraum, der neben den Küchenkräften mit ihren Essenswagen von Pflegerkräften, Besuchern, Fußpflegerinnen, Physiotherapeuten und diversen Kollegen frequentiert wird, die alle irgendetwas wollen und so für Ablenkung sorgen.
Für die Bewohner andrerseits – jedenfalls für diejenigen, die nicht ohnehin Mitglied der „Tagesgruppe“ sind – ist es ein Gewinn und eine willkommene Abwechslung. Anstatt unbeschäftigt vor sich hin zu starren und sich zu langweilen, wird ihnen ein unterhaltsames und interessantes Programm geboten. Dement sind sie alle in verschieden Graden, auch wenn nicht alle die offizielle Diagnose haben. In der Altersgruppe der Hochaltrigen (Menschen über 80 Jahre) gibt es statistisch gesehen einen Anteil von einem Viertel bis einem Drittel Demenzkranker – in den Pflegeeinrichtungen allerdings weit mehr als die Hälfte, in manchen Wohnbereichen alle bis auf wenige Ausnahmen.
Ich schließe erstmal die beiden Durchgangstüren, um den morgendlichen Aufstehlärm auszusperren. Der Arbeitsrythmus in Pflegeheimen erfordert es, die Bewohner ab 7:00 aufzuwecken und „frisch zu machen“, also die Grundpflege durchzuführen. Das wird begleitet von oft lautstarker Kommunikation auf den Gängen und aus den Zimmern zwischen Pflegern, Hauswirtschaftskräften, Sozialdienst-Mitarbeitern usw.
Das frühe Aufstehen ist nicht jedermanns Sache, und manch eine beschwert sich darüber. Dann wird versucht, den Leuten mehr Zeit zu lassen – was auch dem ausgedünnten Personalstand bei den Pflegekräften zugutekommt, die sich ohnehin die Arbeit gut einteilen müssen, um alles schaffen zu können. Umgekehrt gibt es Bewohner, die aus irgendwelchen Gründen immer die letzten sind, die aus dem Bett geholt werden und die sich wiederum gerade darüber beschweren; verständlich, wenn man bedenkt, das dies Menschen sind, die gar nicht alleine aufstehen KÖNNEN.
Ab 8.00 Uhr beginnt sich der Speisesaal zu füllen, um kurz nach 9:00 sind auch die letzten erschienen und bis um 10:00 haben alle gefrühstückt. Ich habe mich wie in der regulären „Tagesgruppe“ nützlich gemacht, indem ich Essen verteile, denen helfe, die alleine nicht zurechtkommen, Essen anreiche usw. Vor allem aber habe ich unsere traditionelle Tagesgruppen-Guten-Morgen-Musik aufgelegt, die „Wiener Walzer“-Playlist von einem meiner Endgeräte, die ich seit Jahr und Tag im Heim einsetze. Diese musikalische Begleitung des Frühstücks – in dezenter Lautstärke natürlich – ist ein wichtiger mentaler Anker für Leute, deren ganze Welt im negativen Sinne im Fluß ist und vor ihrem inneren Auge immer fragmentarischer und unübersichtlicher wird.
Jetzt, um kurz vor 10 Uhr , kann es losgehen. Ich verbinde Endgerät 1 (Telefon) mit einem wuchtigen und leistungsfähigen LG-Lautsprecher; Endgerät 2 (Tablet) wird mittels eines HDMI-Kabels mit dem Riesen-Fernseher, der an der Wand montiert ist, verbunden und ich frage meine Zuhörer, womit wir uns heute so gemütlich wie möglich die Zeit vertreiben wollen: Quatsch mit Soße oder kunterbuntes Halligalli? Das frage ich jedesmal, und meistens ist die Antwort „Quatsch mit Soße!“. Auch diesmal will eine qualifizierte Mehrheit Quatsch mit Soße serviert bekommen; ergänzend fügt Frau N. hinzu: „… und ganz viele Lieder!“.
Im Grunde ist es völlig egal, was gewünscht wird, da ich eigentlich immer improvisiere und nie weiss, was bei unseren vormittäglichen Runden rauskommt. Der einzige „gesetzte“ Programmpunkt ist die Musik. Die Musik – in der Regel Schlager der 1930er bis 1970er Jahre – ist der Kitt, der alles verbindet und der Schlüssel zum Tor der Erinnerungen.
Um für meine Truppe ein bißchen die Spannung zu erhöhen und – ich gebe es zu – auch mir selbst ein solides Quantum Entertainment und Spaß zu verschaffen, frage ich aber erstmal in die Runde, was auf dem Bildschirm – der den weißen Hintergrund der Zeichen-App anzeigt – zu sehen ist. Nach ein paar verdutzten Sekunden rufen einige „Nichts!“ In die Runde. Darauf habe ich natürlich nur gewartet, denn nun kann ich aus dem „Nichts“ eine bebilderte Geschichte entstehen lassen, deren Ablauf und Details auch mir selbst noch nicht bekannt sind. Ich zeichne also drauflos und kommentiere dabei, was entsteht.
Wir (mich eingeschlossen) werden Zeuge, wie eine schöne, aber für den Zuschauer unsichtbare, Prinzessin oder Sultanstochter einsam in einem festungsartigen Palast auf der persischen Hochebene festsitzt, während ihr Galan, ein durchaus traditioneller Prinz, sich anschickt, sie in Begleitung seines treuen dicken Dieners und eines Lehrers zu besuchen, vielleicht sogar zu befreien. Wovon? Soweit sind wir noch nicht. Zunächst mal müht sich der dicke Diener mit dem schweren Koffern ab, während der Lehrer angestrengt in das Klassenbuch blickt und sich wundert, wieso alle Schüler gute Noten haben.
Der Lehrer ist überhaupt nur ins Spiel gekommen, weil das ferne Land, in dem die Geschichte spielt, das Land der Blauen Berge ist. Das bekannte Lied ist schnell gefunden, ist den meisten bekannt, und schon singt die ganze Runde einen Pennälersong, den sie bestimmt schon zu Schulzeiten gesungen haben. Und so geht es weiter, vom Hölzchen aufs Stöckchen und von Lied zu Bild und umgekehrt. Aus einem wilden Gekritzel entsteht plötzlich Friedrich Nietzsche, dessen tragisches kurzes Leben und Ende als Pflegefall die Anwesenden fasziniert hören und anscheinend gut nachempfinden können. Jeder hat auch schon mal irgendwo von „Also sprach Zarathustra“ gehört, und sei es – was wahrscheinlicher ist – als musikalisches Werk von Richard Strauss.
Nach diesen Ausflügen in die Kindermusik und zu symphonischen Klassikern kehren wir zurück zu der bei dieser Klientel beliebtesten musikalischen Gattung: dem Schlager. Meine Zuschauer sind gebannt und bestens unterhalten von der Mischung aus Live-Zeichnen und der dank Internet schnell zur Verfügung stehenden Musik. Wir wenden uns jetzt einer Quiz-Show zu, die stets beliebt ist und für allerlei Rätselfragen, Erinnerungsarbeit und biografische Reminiszenzen sorgt: dem Schlager-Raten!
Das Prinzip ist denkbar einfach: ich versuche, zeichnerisch Titel und Thema des Liedes abzubilden und die Anwesenden sollen es erraten. Das ist bei der Arbeit mit dementen Menschen manchmal gar nicht so ohne. Oft muss ich ihnen auf die Sprünge helfen, indem ich sie immer wieder auffordere, zu beschreiben, was sie sehen – von dort ausgehend kommt dann in der Regel jemand auf den gesuchten Titel.
Heute hat die Quiz-Show aber eine besondere Note. Schon beim ersten Bild, dessen musikalische Vorlage („Lass uns träumen am Lago Maggiore“) schnell erraten wird, werden ungewohnt kritische Stimmen laut, als ich den Sänger nenne: Rudi Schuricke, u.a. Urheber des All-Time-Klassikers „Capri-Fischer“. „Bloß nicht!“, läßt sich Frau K., eine neue Bewohnerin, vernehmen. Auf meine erstaunte Frage nach dem Grund ihres Ausrufes antwortet sie: „Ich kann den Schmalz nicht hören!“
Die anderen, quasi der Rudi-Schuricke-Fanclub von Neuss, sind fassungslos. Sie halten sich aber zurück, obwohl man manchen der alten Herrschaften anmerkt, dass sie eine solche Herabsetzung ihres Idols nicht billigen können. Frau K. informiert jetzt noch mich und die Runde, dass sie eigentlich Jazz und Swing bevorzuge, und „von dem ganzen Schlagerkram“ noch nie etwas gehalten habe. Das finde ich nun wieder sehr gut und gebe gleich mal „Swing“ in die Suchfunktion der Musik-App ein.
Um die Mehrheit der Zuhörer nicht allzusehr zu verprellen und um nicht zu drastisch mit den ziemlich konventionellen Hörgewohnheiten meiner Leute zu brechen, wähle ich Glenn Millers „In the Mood“ aus. Am Tag zuvor konnte ich nämlich beobachten, wie die hochdemente Frau Sch. auf dem Weg in ihr Zimmer schnurstracks kehrt macht und mit ihrem Rollator so eilig sie kann zurück in den Speisesaal steuert, als genau dieser Song im Radio läuft. Sie gerät dabei ins Schwärmen: „Diese Musik finde ich so toll! Dazu haben wir getanzt früher!“
„In the mood“ finden alle richtig gut, sie kennen die Melodie; im Übrigen enthalten recht viele Erfolgsschlager aus den 1950er und 1960er Jahren Swing-Elemente, so daß hier nichts gänzlich Unvertrautes oder Schräges die Ohren meines Publikums verwirrt. Tatsächlich gefällt der Swing-Sound einer Bewohnerin, Frau H. aus der „Tagesgruppe“, so gut, dass sie mit Oberkörper, Armen und Händen mitgeht und im wahrsten Sinne des Wortes mitschwingt.
Das allerdings ruft ihre Sitznachbarin, Frau B., auf den Plan. Die hat schon eine ganze Weile mit wachsendem Unmut Frau H.s Sitztänzchen beobachtet und kann nun nicht mehr an sich halten: „Lassen Sie mal den Unsinn. Müssen Sie hier so rumhampeln? Ist ja lächerlich…“, zischt sie Frau H. an. Frau B. ist keine Teilnehmerin der „Tagesgruppe“, sonst hätte sie vermutlich Frau H.s oft spontane und direkte Art gekannt und sich gar nicht erst mit ihr angelegt.
Frau H., die wegen ihrer durch die Demenz verursachten Angst- und Verwirrtheitszustände seit kurzem „Bedarf bekommt“ (Pflege-Deutsch für die Vergabe von ruhigstellenden Psychopharmaka „bei Bedarf“), ist zwar etwas verlangsamt und für ihre Verhältnisse ziemlich milde gestimmt, aber keineswegs so sediert, dass sie nicht zu antworten wüsste. Sie mustert ihre Nachbarin erstaunt und sagt: „Was haben SIE denn? Lassen Sie mich in Ruhe!“
Frau B. läßt sie aber nicht in Ruhe und zetert weiter auf sie ein. Um die Sache nicht eskalieren zu lassen, muß ich eingreifen. Ich stelle mich zwischen die beiden und bitte sie, freundlich zu bleiben und jeden so tanzen und sein zu lassen, wie er oder sie es will. Um Frau B. einzubeziehen – ich weiß, dass sie an Depressionen leidet und oft tagelang das Bett nicht verlässt – und ihr einen Ausweg zu bieten, frage ich sie, was sie denn gerne so für Musik hört oder früher gehört hat.
Mit der Frage bin ich allerdings an die Falsche geraten. „Gar keine!“, bescheidet sie mich abschlägig, „ich musste ARBEITEN!“, wobei sie das Wort „arbeiten“ betont wie eine abscheuliche Krankheit. Hinter ihren Worten sind die Bitterkeit und der entgangenen Spaß am Leben zu spüren. Ich starte einen Versuch, sie vorsichtig in sanfteres Fahrwasser zu bringen und frage, ob sie bestimmte Lieder oder Musik gut fand, als sie jung war, tanzen ging und verliebt war… vielleicht die Musik, die sie beim ersten Kuss gehört hat, denn an die erinnert man sich gern (falls dabei Musik lief). Das kennen die meisten und nicken zustimmend.
Frau B. entgegnet, schon etwas milder, aber immer noch mit einer unterschwelligen Jahrzehnte alten Bitterkeit: „Das war doch Sünde! Das hat doch der Pfarrer verboten!“. Ich kenne ihre persönliche Geschichte nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass sie als junge Frau genau diese bigotte christliche Frömmelei, diese kranke Repression menschlicher Zuneigung und Sexualität erfahren hat und davon bis heute geprägt ist.
Ich bedränge sie nicht weiter mit diesem Thema und spiele zur Versöhnung aller mit allen – außer der Schmalz-Allergikerin Frau K. – einige unserer Standardschnulzen aus den goldenen Fünfzigern und Sechzigern. Das heißt, ich spiele sie nicht einfach ab, sondern lasse meine Leute anhand meiner Zeichnungen raten, welches Lied als nächstes dran kommt. Seefahrtslieder, die oft von Sehnsucht, Heimweh und Verlorenheit in der Fremde singen, sind aus naheliegenden Gründen sehr beliebt bei dementen Menschen, und so erklingt zunächst mal „Wolken, Wind und Wogen“ und „Heimweh nach St. Pauli“ von Freddy Quinn. Die melancholische Melodie des ersten Liedes in Verbindung mit seinem leicht unheimlichen Text („Was das Meer genommen gibt es nie zurück“) scheint auch Frau B. zu gefallen, denn sie hat ihre Nachbarin in Ruhe gelassen, schließt die Augen und wiegt ganz vorsichtig ein bißchen den Kopf dazu.
Um auch Frau K. mit der Schmalz-Aversion zu signalisieren, dass sie gehört und gesehen wird, erinnere ich an die 1950er Jahre, in denen die Musik entstand, die als Vorläufer und Wegbereiter der ganzen nachfolgenden Pop- und auch Schlagermusik gelten kann. Und welche Musik war das? Rätselraten bei meinen Zuhörern. Als ich aber die Namen der bekanntesten Protagonisten nenne, strahlt Frau K. und ruft „RockˋnˋRoll!!“ in die Runde.
Rock‘n‘Roll ist die Musik der Jugendzeit dieser Generation und überfordert auch die Schlagerfans nicht musikalisch. Zu den Klängen von Bill Haley’s „Rock around the clock“ nähern wir uns dem letzten Teil unserer heutigen Runde – die Mittagszeit naht. Für mein schlagerseliges Klientel ist Rock’n’Roll allerdings nicht einfach zu schlucken – egal ob sie alle in ihren Teenager- oder Twen-Jahren waren, als dieser Sound neu war. Ich merke, dass einige überhaupt nichts damit anfangen können und dass auch diejenigen, die die Musik eigentlich gut finden, wegen der englischen Texte nicht mitsingen können – was sie aber gerne würden.
Darum schlage ich jetzt noch einen Bogen bzw. einen Haken zum Schlager und erzähle ein bißchen was über einen weiteren Schmalz- und Schnulzenkönig der deutschen Schlagerwelt und dessen tragisches Ende. Ich lasse die Gruppe raten, mit welcher dänischen Sängerin ein gewisser Ludwig Franz Hirtreiter (so sein legaler Name) unter dem Künstlernamen Rex Gildo ein Lied über einen Stadtpark mit ausgefallener Straßenbeleuchtung zum Besten gegeben hat. Kein Problem für die versierten Schlagerexperten meiner Runde – ich habe kaum die Mauer des Stadtparks und die Laternen fertig skizziert, schon kommen aus verschiedene Richtungen die richtigen Antworten!
Mit dem schönen zweistimmigen Gesang des Duos Rex Gildo/Gitte Haennig und dem positiven und rebellischen Text des Liedes „Vorm Stadtpark die Laternen“ – der Text bricht eine Lanze für die Liebe ohne Kompromisse mit Neidern und Besserwissern – klingt die Runde aus. Noch eine halbe Stunde bis Mittag, und die brauche ich für Abbau und Rücktransport meines Equipments und für die unumgängliche Dokumentation.
Diese Dokumentation von ARTE über den chinesischen KP-Chef und Staatspräsidenten Xi Jinping ist in zweierlei Hinsicht interessant.
Einmal als Musterbeispiel des gewohnt dümmlichen Antikommunismus westlicher Medien, die von Klassenkämpfen und -Interessen aus Prinzip keine Ahnung haben wollen und alles politische Handeln von Staaten und Klassen auf die Launen und Psychomacken einzelner Führer zurückführen (außer natürlich bei westlichen Anführern – diese vertreten grundsätzlich die weltgeistige Gesamtvernunft und handeln stets sachdienlich im Sinne regelbasierten Freiheiten, klar).
Der ARTE-Beitrag bildet da keine Ausnahme, sondern gipfelt u.a. in der messerscharfen tiefenpsychologischen Analyse, dass „Xi von seinem Volk (verlangt), dass es ihm wie einem Propheten folgt, um gemeinsam mit ihm die Welt zu erobern“.
Auch benötigt das Propagandastück des Deutsch-französischen Kultursenders keine 10 Minuten, um bei dem Satz anzugelangen, der es mittlerweile zu Kultstatus, zahllosen Memes und einem populären Hashtag bei Twitter gebracht hat: „… aber zu welchem Preis?“ (#butatwhatcost), die Frage die westlich eingebettete Medien immer dann stellen, wenn sie nicht umhin können, Chinas Erfolge auf allen möglichen Gebieten zähneknirschend einzugestehen.
Soweit, so unfreiwillig lustig für den nicht imperialismusgläubigen Zuschauer, der im Heu der Ideologie die Nadel der Information zu finden versteht. Und hier wird’s zweitens interessant, weil der Beitrag dann doch zumindest die Stationen des chinesischen Präsidenten aufzählt und zwischen den bizarren antikommunistischen Textbeitrögen und Interviews unbeabsichtigt eben auch viel nützliches Wissen für diejenige versteckt, die sich ihren eigenen Reim auf die Verhältnisse und deren Aufbereitung durch die freiheitlich-demokratischen Gaubebskrieger zu machen wissen.
Wie Armin Kirchmaus kommentiert: „Der Duktus ist der Übliche, aber wenn man selektives Drüberwegschauen gelernt hat, erfährt man bissl was.“
Warum geht’s den Chinesen immer besser, so dass die chinesische KP Zustimmungsraten hat, von denen imperialistische Politiker nur träumen können?
Das macht der chinesische Kommunistenchef nur aus einem Grund: er will sich seine Macht sichern!
Machterhalt, na klar! Wenn das man kein Grund ist
– das bevölkerungsreichste Land der Erde aus 100jähriger kolonialer Demütigung und Ausplünderung zuführen;
– hunderte Millionen Menschen aus absoluter Armut zu befreien;
– in wenigen Jahrzehnten ein prosperierendes und modernes sozialistisches Staatswesen aufzubauen, dass den untergehenden Westen, also die ehemaligen Kolonialisten, in jeder Hinsicht überrundet…
..all das einzig aus persönlichem Machtstreben eines einzelnen Chinesen! Wie gut, dass westliche Journalisten mit Psychologie-Diplom uns über diesen Zusammenhang aufklären! Und wie gut, dass die seriöse und neutrale „Zeit“ solchen profunden Analysen Zeilen einräumt.