Kiewer Nasenelegie

Das Weiße Pulver ist bekanntlich
in der Bankova* beinah amtlich.
Der Präsident verlangt nach ihm:
Er muss erst eine Nase ziehen
bevor er stark und mutig dann
die Stirn dem Russen bieten kann!

Doch ist der Stoff dafür bekannt,
dass er die Nasenscheidewand
zerfrisst und löchert wie ein Sieb.
Das ist dem Nutzer nicht so lieb,
da Jucken, Brennen, Kratzen, Britzeln
ihn lästig in der Nase kitzeln.

Schon bald kann er es dann nicht lassen,
sich an dem Kolben anzufassen,
wann immer es dort wieder kribbelt,
und der Verstand ihm zuckt und hibbelt
und jedes Denken ihm erschwert,
bis Nachschub ihm geliefert wird.

  • 01220, Kyiv, 11 Bankova Str -> Amtssitz der ukrainischen Präsidialverwaltung

Merz‘ Außenpolitik in einfacher Sprache: PUTIN böse, PUTIN schlecht!

PUTIN böse, PUTIN schlecht!
Er will uns bekriegen!
Darum: Sei kein PUTINknecht!
PUTIN darf nicht siegen!

Heute Kiew, morgen Tallin,
bald an Polens Küsten!
Wer dem PUTLER trotzen will,
muss zum Krieg sich rüsten!

Er frisst sich durch den Kontinent
wie eine böse Made!
Er zündelt, bis Europa brennt
und er kennt keine Gnade!

Das liegt daran, dass Russenblut
durch seine Adern rollt!
Mit asiatisch finst‘rer Wut
er fremdes Land sich holt!

Unsre Werte, unser Glück,
alles was wir achten,
soll, wenn es nach PUTIN geht,
fortan im Gulag schmachten!

Der Russ‘ ist nämlich Asiat!
Sein Kriegsdurst ist gewaltig:
Es werden pro Soldat und Tag
zehn Frauen vergewaltigt!

Wer nicht auf Kriegsbereitschaft achtet
um PUTIN aufzuhalten,
wird unbarmherzig abgeschlachtet,
die Jungen und die Alten!

Nur militärische Gewalt
kann PUTIN noch besiegen!
Ansonsten macht er niemals halt
mit den Erob‘rungskriegen!

PUTIN böse, PUTIN schlecht!
PUTIN will den Sieg!
Darum sein kein PUTINknecht:
Stimme für den Krieg!

Ähnlichkeiten

Der Führer spricht:
ich war es nicht!
Zu unserem Verdrusse
ist’s immer nur der Russe!

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Ich habe mir eben tatsächlich fast 20 Minuten lang die letzte Ansprache eines Vorgängers von Merz und Scholz angehört.

Es ist einigermaßen erschreckend und gleichzeitig erhellend, die darin benutzten Satzbausteine zu hören:

  • die Aufforderung zur Kriegstüchtigkeit
  • der Appell an den nationalen Zusammenhalt
  • vor allem aber die Ausrichtung der Volksgemeinschaft gegen den Feind im Osten

All dies gleicht in seiner Feindbildpflege und Beschwörung eigener moralischer Überlegenheit nahezu eins zu eins heutigen Reden der Strack-Zimmermanns, Habecks, Kiesewetters, Baerbocks und anderer Ostlandkrieger.

Würde man Ausdrücke wie „Kremljuden“, „jüdisch bolschwistische Plutokraten“, „asiatische Steppen“ und dergleichen ersetzen mit „russischer Angriffskrieg“, „imperialistisches Russland“ „Kremldiktator,“ usw., könnte man die Rede, die der damalige Kanzler drei Monate vor seinem Ausscheiden aus dem Amt hielt, auch heute noch für eine beliebige Bundestagsansprache einer der Kriegsparteien zur „Unterstützung der Ukraine“ halten.

Aber hört selbst:

Die Unantastbarkeit des Eigentums ist die Geschäftsgrundlage der bürgerlichen Demokratie: ein Besuch im Kino kapitalistischer Realität

Wahlen in bürgerlichen Demokratien zeichnen sich zuallererst durch das aus, was NICHT zur Wahl steht: die unbedingte Herrschaft des Privateigentums über Staat und Gesellschaft. Über die staatliche Verwaltung des Standortes, an dem die Kapitalvermehrung stattfindet, darf sich ausgiebig und konträr gestritten werden, doch die Eigentumsordnung als Geschäftsgrundlage allen staatlichen und sozialen Lebens ist sakrosankt. Ebenso die Methode, mit der die Umwandlung von Geld(vermögen) in Kapital und die Kapitalvermehrung selbst stattfindet: Lohnarbeit für diejenigen, die KEIN Eigentum besitzen, Aneignung der Resultate ihrer Arbeit durch die Besitzenden.

Auf der Basis dieser nicht in Frage zu stellenden conditio sine qua non von Geschäft und Gewalt in der bürgerlichen Gesellschaft findet ein munteres Hauen und Stechen unter den verschiedenen Aspiranten aufs Mitmachen bei der anspruchsvollen Aufgabe der politischen Standortverwaltung statt.

Das wird oft als Unterhaltungsprogramm betrachtet, besonders in Wahlkampfzeiten und an Wahlabenden. Als verständiger Mensch und kritischer Zeitgenosse wird man – sofern man an Wahlen teilnimmt – in die Lage eines Kinobesuchers versetzt, der einem ganz besonderen Kinosaal einen Besuch abstattet: der Film, der in dem einzigen Saal gezeigt wird, ist abhängig von den Eintrittskarten verschiedener Art, die verkauft werden.

Wenn man also eine Karte für einen rasanten Actionfilm oder eine muntere Komödie erwirbt, ist keinesfalls gesagt, dass man den Film auch zu sehen bekommt.

In der Regel geht die Geschichte so aus: Sobald man im Saal Platz genommen hat, das Licht ausgeht und der Film beginnt, merkt man, dass man wieder mal die „falsche“ Eintrittskarte hatte. Gezeigt wird, wenn man in Deutschland ist, wie seit hundert Jahren derselbe uralte Heimatfilm mit Musikbegleitung, der schon immer lief.

Darin sieht man Konrad Adenauer in Rhöndorf Rosen schneiden, die Sonne scheint über dem Rhein und Schafe grasen friedlich auf grünen Weiden. Dazu spielt eine hypnotische Melodie ein Wiegenlied schlichter Harmonien, komponiert, um Gefühle von Vertrautheit und Sicherheit auszulösen.

Statt einer Eisverkäuferin geht eine Dame mit einer Sammelbüchse durch die Reihen und bittet um freiwillige Spenden für die Wehr, die diese Idylle vor allerlei Feinden beschützen muss.

Wer nicht freiwillig gibt, dem wird sein Konto trotzdem belastet, den die Eintrittskarte ist gleichzeitig eine Abbuchungserlaubnis zugunsten des Kinobetreibers, mit dem dieser nach eigenem Gusto Preise bestimmen und Abgaben erheben kann.

Spätestens an dieser Stelle steht der verständige Mensch auf und verlässt den Saal, nicht ohne sich kurz über sich selbst zu ärgern, weil er schon wieder mitgemacht und den Weg zum Kino auf sich genommen hat.